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398 Schaumburg-Lippe (Wilhelm Friedrich Exujt, Graf zu) — Schaumgips
der Ernteertrag 11652 t Roggen, 2718 Weizen, 528 |
Gerſte, 29790 Kartoffeln, 6681 Hafer und 16186 t
Miefenheu. Am 1. Dez. 1900 wurden gezählt 3109
Pferde, 8203 Stück Rindvieh, 1633 Schafe, 32180
Schweine, 5715 Ziegen, 2475 Gänſe, 1468 Enten,
63669 Hühner und 2816 Bienenftöde, Über Obſt-
bau f. d. nebſt Beilage. Jm J. 1893 waren beſtan-
den mit Laubholz 5606 ha, darunter 2966 ha Eichen,
mit Nadelholz 1497 ha.
S. iſt eine im Mannsſtamm des gleichnamigen
Hauſes erbliche Monarchie. Nach der Verfaſſung
vom 17. Nov. 1868 beſteht der Landtag aus 15 Mit-
gliedern, von denen 2 vom Fürſten ernannt, je 1
von der Ritterſchaft, der Geiſtlichkeit und den ver-
einigten Juriſten, Medizinern und ſtudierten Schul-
männern, die übrigen 10 von den nicht aufgezählten
Wahlberechtigten gewählt werden. Zur Wahl iſt
das 25. Lebensjahr erforderlih. Jm Bundesrat
iſt S. durch einen Bevollmächtigten, im Reichstag
durch einen Abgeordneten (1895: Langerfeldt, frei-
finnige Vereinigung) vertreten.
Die Verwaltung geſchieht durch das Miniſte-
xium, welches auch Lehnstammer ift. Die Hoflammer
führt die Verwaltung der fürſtl. Domänen, Finanz-
regale, Bergwerke und Forſten. Das Konſiſtorium
beſorgt die luth. Kirchenangelegenheiten, wogegen
die Reformierten unter der Oberauſſicht des Mini-
fteriums zu dem Synodalverband der Niederſäch-
fiſchen Konföderation und die Katholiken zu der Nor-
diſchen Miſſion gehören. Nach dem Geſeß vom
31. Dez. 1877 ſind untere Verwaltungsbehörden die
Magiſtrate der Städte Bückeburg (Hauptſtadt) und
Stadthagen und die Ämter in Bückeburg-Arensburg
und Stadthagen-Hagenburg.
Die Rechts pflege wird ausgeübt durch das mit
Oldenburg gemeinſchaſtliche Oberlandesgericht zu
Oldenburg , das Landgericht Bückeburg (\. d.) und
2 Amtsgerichte. Das Fürſtentum trat 1837 dem
Steuerverein und mit dieſem 1854 dem Zollverein
bei. Das fürſtl. Haus bekennt ſi zur reform. Kon-
Feſſion. Das Fürſtentum ſtellt ſeine Mannſchaft zu
dem in Bückeburg garniſonierenden Weſtfäl. Jäger-
bataillon Nr. 7. Die Einnahmen und Aus-
gaben betrugen 1902: 1118689 M., darunter an
Einnahmen: Anteil an den Zöllen und Steuern des
Geſchichte. Die Linie Schaumburg oder auh
Birdeburg des Haufes Lippe (f. d.) wurde von
des Grafen Simon VI. jüngſtem Sohne Philipp
geſtiftet, der 1613 als Apanage die Ämter Lipperode
und Alverdiſſen erhielt und von ſeiner Schweſter
Eliſabeth, der Gemahlin des leßten Grafen Georg
Hermann von Schaumburg , 1640 zum Erben der
Grafſchaft Schaumburg (\. d.) einge)eßt wurde, von
der er aber nur die Ämter Stadthagen, Bückeburg,
Arensburg und Hagenburg von Heſſen - Caſſel zu
Lehn erhielt. Er führte 1668 das Erſtgeburtsrect
in ſeinem Hauſe ein und ſtarb 1681. Jhm folgte
ſein älteſter Sohn Friedrich Chriſtian, geſt. 1728,
während der zweite, Philipp Ernſt, das Amt Alyver-
diſſen als Apanage erhielt und die Linie Alverdiſſen
ſtiftete. Als 1709 die lippiſche Linie Brake erloſch,
bemächtigte ſih der Graf von Lippe der Erbſchaft,
und erſt Friedrich Chriſtians Sohn und Nachſolger,
Albrecht Wolfgang (geſt. 1748), kam 1748 in den
Beſi von Blomberg und Schieder. Mit dem als
Feldherr berühmten Grafen Wilhelm (f. d.) erloſch
1777 die ältere Linie Büdeburg im Mannsitamm
und der Befib ging auf die Linie Alverdiffen
über. In dieſer war dem Stifter 1723 deſſen Sohn
Friedrich Ernft gefolgt, der 1749 zu Gunſten ſei-
nes Sohnes Philipp Ernſt verzichtete. Auf dieſen,
der ſih Graf von Schaumburg - Lippe - Bückeburg
nannte, folgte 1787 ſein Sohn Fürſt Georg Wil
helm (\. d.) zu S., zunächſt unter der Vormundſchaft
ſeiner Mutter, der 1807 dem Rheinbunde beitrat und
ſich den Titel Fürſt (prince) beilegte. Er verlieh
dem Lande 15. Jan. 1816 eine Verfaſſung, die
auf einer Landesvertretung durch die Ritterſchaft,
die Städte und die Bauern in einer Kammer mit
aeihloffenen Sigungen beruhte. Auf dem Land:
tag von 1818 wurde das Finanz» und Steuer:
weſen geregelt. Der Fürſt übernahm die auf der
Landestaſſe ruhenden Schulden im Betrage von
106 000 Thlrn. und erhielt dagegen die etwa gleich
viel betragenden Forderungen dieſer Kaſſe über:
wieſen, ſo daß das Land auf ſolche Weiſe ſchulden:
frei wurde. 1848 wurden verſchiedene weſentliche
Veränderungen der Verfaſſung mit dem Landtage
vereinbart. Auf Georg Wilhelm folgte in der Regie-
rung 21. Nov. 1860 ſein Sohn Fürſt Ad olf (f. d.).
Reichs 416620, Steuern 265786, Beiträge aus den
Domänen 201691 M., an Ausgaben: Matrikular:
beiträge 479833, Geiſtliche und Unterrichtsanftalten |
102984 M.; die Staats\chuld beſteht in Anleihen |
von 1869 (75000 M. zu 3, Proz.), 1898 (121500 M.)
und 1901 (248000 M.). An Stelle des lippe- |
{chen Ehrenkreuzes (\. d.) iſt 18. Sept. 1890 der |
fürſtl. Schaumburg - Lippeſche
Hausorden (f. d., Bd. 17) în
vier Klaſſen geſtiftet. Reſidenz-
itadt it Büdeburg. An Schu:
len beiteben 35 Boltsioulen,
drei höhere Bürgerjchulen,
eine höhere Mädchenſchule,
ein Schullehrerſeminar und
das Gymnajiuum Adolfinum
in Bückeburg. Das Wap-
pen hat ein ſilbernes, in
drei Teile zerſhnittenes Neſſel-
blatt in rotem Felde um einen
5 ſilbernen Schild mit der roten
Roſe (Lippe), in dem drei ſilberne Nägel ſte>en. Die
Landesfarben ſind Weiß-Rot-Blau (von oben ),
in der Landesflagge in horizontalen Streifen.
1866 entſchied ſih S. 14. Juni für den öſterr. Mo-
| biliſierungsantrag und ſchi>te ſein Truppenkontin-
gent auf Bundesbefehl nach Mainz, trat aber29. Juni
aus dem Bunde aus und Schloß fich 18. Aug. dem
| Bündnisvertrage mit Preußen und ſomit dem Nord-
deutſchen Bunde, 1871 dem Deutſchen Reiche an.
Inzwiſchen wurde mit einem konſtituierenden Land:
| tage das Landesverfaſſungsgeſeß vom 17. Nov. 1868
(\. oben) vereinbart. Ein Geſeß vom 20. Aug. 1884
regelte den Grunderwerb und die dingliche Belaſtung
| der Grundſtücke, und vier Geſeße vom 20. Jan. 1885
regelten das Steuerweſen. Dem Fürſten Adolf (geſt.
| 8. Mai 1893) folgte deſſen Sohn Fürſt Georg (j. d.)
| in der Regierung. — Vgl. Schönermark, Beſchrei:
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| bende Darſtellung der ältern Bau- und Kunſtdent:
| mäler des Fürſtentums S. (Berl: 1897, 75
F Schaumburg-Lippe, Wilhelm Friedrich Ern}t,
| Graf zu, |. Wilhelm.
| Schaumburg- Lippiſche land- und forſt:
| wirtſchaftliche Berufsgenoſſenſchaft zu
| Stadthagen, \. Land- und Forſtwirtſchaftliche
| Berufsgenoſſenſchaften.
| Schaumcikade, |. Shaumzirpe.
| Schaumgips, |. Gips,