Full text: Bo bis C. (Zweiter Band)

  
  
890 Cortona 
die Einwohner, ſo ſagt man, hielten ihn für einen Gott und einen Sohn der Sonne. 
Ec zertrúmmerte die Gögenbilder in den Tempeln, denen man Menſchen opferte, 
und richtete ſtatt ihrer die Bilder der Jungfrau Maria und der Heiligen auf. Un- 
terdeß machte er immer weitere Fortſchritte in dem Lande, indem er mit mehren 
dem Montezuma feindlich gefinnten Kaziken Bündniſſe ſchloß, der andern aber fich 
durch Geroalt oder Verträge verficherte. Da aber ein Feldherr des Montezuma auf 
einen geheimen Befehl die Spanier angegriffen hatte, begab ſich Cortez in den 
kaiſerl. Palaſt, ließ jenen Anführer mit ſeinen Officieren lebendig verbrennen und 
zwang den in Feſſeln gelegten Kaiſer, die Oberherrſchaft Karls V, öffentlich anzu- 
erkennen. Der unglüdliche Fürſt fügte zu dieſer Huldigung noch ein Geſchenk von 
600,000 Mark reinen Goldes nebſt einer Menge von Edelſteinen. Aber Velas- 
quez’s Eiferſucht wurde durch die Thaten ſeines Stellvertreters ſo rege gemacht, 
daß er ein Heer gegen ihn ſandte. C. ging, verſtärkt dur neue, aus Spa: 
nien gekommene Truppen, demſelben entgegen, wußte die wider ihn geführten 
Soldaten zu gewinnen und bekciegte mit ihnen aufs neue die Mexicaner, welche 
ſich auch gegen ihren eignen Kaiſer Montezuma, den ſie der Berrätherei befchul- 
digten, empört hatten. Nachdem Montezuma, der durch ſeine Erſcheinung das 
Volk zu beruhigen gedachte, von den Aufrührern getödtet worden, erfocht Guati- 
mozin, fein von den Mericaneın als Kaifer anerkannter Neffe und Schwieger: 
ſohn, einige Wortheile. Ex vertheidigte feine Krone 3 Monate lang, vermochte 
aber nicht, dem ſpaniſchen Geſchüße zu widerſtehen. C. nahm Mexico wieder 
ein, und 1521 fielen der Kaiſer, die Kaiſerin, die Miniſter und der ganze Hof in 
ſeine Hände. Die Habſucht der Sieger veranlaßte die fhredlichften Graufamkeiten. 
&. unterwarf Karl V. ein Reich, größer als Spanien. Dafür ernannte ihn diefer 
zum Oberfeldheren und Statthalter von Neufpanien. Allein bald brachen neue 
Empörungen aus; CE, ging mit vielen Schäßen nah Spanien zurü>. Die Re 
gierung von Mexico wurde der Audiencia (Gerichtshof) von Neuſpanien über- 
tragen. 1530 bekam es ſeinen beſondern Vicekônig. Der über diefe Verän- 
derungen mißvergnügte C. ging inzwiſchen auf neue Entde>ungen aus und fand 
1536 die Halbinſel Californien. Um mehr Unterflügung zu erhalten, ging er 
nad) Spanien zuräd, ward aber mit Kaltfinn aufgenommen und farb auf feinem 
Landgute bei Sevilla 1554. Sein Körper warb nach Merico geſchafft. CE. war 
unternehmend, tapfer, ſtaatsklug und ausdauernd , aber faſt in gleichem Grade 
grauſam und treulos. 
Cortona, eigentlich Pietro Berettini, Maler und Baumeiſter, geb, 1596, 
nach ſeiner Geburtsſtadt Cortona in Toscana u. d. N. Pietro di Cortona bekannt, 
lernte erſt bei ſeinem Vater Giovanni, der au< Maler und Baumeiſter war, dann 
unter Andreas Commodi und Baccio Ciarpi in Rom. Er zeigte anfangs ſo viel 
Ungeſchi>lichkeit, daß ſeine Mitſchüler ihn mit Spottnamen belegten. Indeh 
ſtudirte er die Antiken und die großen Meiſter Rafael, Caravaggio, Michel An- 
gelo, und trat unerwartet als Künſtler mit ſeinem Raub der Sabinerinnen auf. 
Die Geburt Chriſti in U. L. F. zu Loretto ſtellte ſêinen Ruf feſt, Die von ihm ge: 
malte Dede des großen Saale im Barberini’fchen Palafte, den Triumph der Ehre 
vorſtellend, iſt ein ſehr gelungenes Werk und nach Mengs eine der ungeheuerſten 
Compoſitionen, die je ein Maler ausgeführt. Er bereiſte die Lombardei, den vene- 
tianiſchen Staat, Florenz, wo er die Deen des Palaſtes Pitti malte, und kehrte 
nah Rom zurú&>, als Maler und Architekt in ſteter Thätigkeit. Wann er, vom 
Podagra befallen, kein Gerüſt beſteigen fonnte, verfertigte er Staffeleigemälde, 
welche, obgleich von minderm Werthe als die großen, doch geſchäßt, aber ſelten 
ſind. Alexander VII, machte ihn zum Ritter des goldenen Syorns für die Ver- 
zierung des Säulenganges der Kirche della Pace. Er ſtarb 1669 und erhielt 
ein ehrenvolles Begräbniß in der zu Rom dem heil. Lucas gewidmeten Kirche 
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