Full text: Die organischen Nahrungstoffe und ihr Verhalten im Zellstoffwechsel (1. Teil)

  
  
  
  
  
228 XII. Vorlesung. 
Ringe vorhanden sind. Da nun die Oxydation von Cholesterin zu einer 
Dikarbonsáure, C,,H,,0,, ohne Spaltung des Moleküls in kleinere 
Bruchstücke führt'), ist bewiesen, daf die sekundáre Alkoholgruppe zyk- 
lisch gebunden sein muf. Die folgenden Formeln geben den Verlauf der 
Oxydation wieder: 
Cas Hz Cos His 
um + 0» 1 HO 
| ! ; | . 
CH, — CH. OH COOH COOH: 
Auch das Dihydrocholesterin, C,; H,4 O, làbt sich über das entspre- 
chende Keton in die gleiche Dikarbonsàure überführen.? Nun mufite nach- 
geforscht werden, ob die ungesáttigte, die Doppelbindung enthaltende Gruppe 
sich auch in einem Ringe oder in einer alipathischen Kette befindet. Eine 
ganze Reihe von Reaktionen ergaben einwandfrei, erstens, daf) die Doppel- 
bindung in einem Ring enthalten ist, und zweitens, daß sie einem anderen 
Ring angehört als dem, der die sekundäre Alkoholgruppe trägt.3) Nun mußte 
durch weitere Studien die gegenseitige Stellung der Gruppen CH.OH und 
CH:C bzw. CH:CH genauer festgestellt werden.*) Ferner war der Charakter 
der Seitenkette aufzuklären.) 
Über die Stellung der Gruppen CH. OH und CH:C bzw. CH: CH 
gab die folgende Beobachtung Aufschlufü. Das schon erwähnte Keton des 
Cholesterins, das Cholestenon von der Formel 
C55 Hao 
T ud 
| 
CH, —CO CH=CH, 
liefert bei vorsichtiger Oxydation eine Ketomonokarbonsäure und Kohlen- 
säure. Die Ketogruppe bleibt unverändert. Die ungesättigte Gruppe hin- 
gegen wird angegriffen. Es bildet sich ohne Zweifel zuerst die Keto- 
dikarbonsäure C,,H,,0,. Diese spaltet dann CO, ab und geht in die 
erwähnte Ketomonokarbonsäure C,,H,,0, über.5) Dieser ganze Vorgang ist 
nur erklärbar, wenn man annimmt, daß die Doppelbindung im Cholestenon 
in %, y-Stellung zur Ketogruppe sich befindet: 
  
Coa Hy 99 Hg9 CH; 
Xu S o Tu | + CO. 
CH, CH CH —* oH CH COOH 777 CH, CH, COOH 
CO CH . +40 CÓ COOH CO 
1) O. Diels und E. Abderhalden: Ber. d. Deutschen Chem. Gesellsch. 36. 3179 
(1913); 37. 3092 (1904). 
?) Windaus und Uibrig: Ber. d. Deutschen Chem. Gesellsch. 47. 2387 (1914). 
3) Vgl. Windaws und Stein: Ber. d. Deutschen Chem. Gesellsch. 37. 3699 (1904). 
— Mauthner und Swida: Monatsh. f. Chemie. 15. 86 (1894); 24. 652 (1904). — Vgl. auch 
Windaus: Ber. d. Deutschen Chem. Gesellsch. 50. 134 (1917). 
4 Vgl. Windaus: Ber. d. Deutschen Chem. Ges. 39. 2010 (1906) ; 50. 133 (1917). 
5) Vgl. dazu: Windaus: Ber. d. Deutschen Chem. Gesellsch. 42. 3772 (1909). — 
Windaus und Resau: Ebenda. 46. 1246 (1913). — Windaus: Zeitschr. f. physiol. Chem. 
102. 160 (1918). 
6) Vgl. A. Windaus: Ber. d. Deutsch. Chem. Ges. 50. 133 (1917). — Vgl. weitere 
Beweise für diese Annahme : A. Windaus: Ebenda. 86. 3755 (1903); 39. 2256 (1906).
	        
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