Full text: Die organischen Nahrungstoffe und ihr Verhalten im Zellstoffwechsel (1. Teil)

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III. Vorlesung. 
Die Farbstoffkomponenten der Anthocyane sind nach den tiefschür- 
fenden Untersuchungen von Richard Willstitter als Derivate eines Phe- 
nylbenzopyrylium zu betrachten. Diese Beispiele mögen genügen, um 
zu zeigen, daß die Pflanzenwelt zur Herstellung der mannigfaltigen Farb- 
stoffe als Bausteine Kohlehydrate gemeinsam mit anderen Verbindungen 
verwendet. Nur erwähnt sei noch, daß die Anthocyane mit Säure rote, mit 
Alkali blaue Farbstoffe bilden. Endlich kommt noch eine neutrale Form 
— Phenolbetain — vor, die violett ist. Viele Verschiedenheiten der unser 
Auge entzückenden Blütenfarben sind durch das Vorkommen dieser drei 
Verbindungsformen bedingt. 
Interessant ist, daß auch die Gruppe der Tannine zu den Gluko- 
siden gehört, und zwar sind die Alkoholgruppen der Glukose mit Gallus- 
säure esterartig verbunden. !) 
Auch die in der Natur so verbreiteten Saponine sind den Gluko- 
siden zuzurechnen. ?) 
Die Aufzählung dieser wenigen Glukoside der Pflanzenwelt mag ge- 
nügen, um einen Einblik in die Verbreitung dieser Kórperklasse in der 
Pflanzenwelt und ihre Bedeutung zu geben. Wir wollen nur noch hervor- 
heben, dab wir ihre Anwesenheit oft auch am Vorhandensein derjenigen 
Fermente erkennen kónnen, die imstande sind, bestimmte Glukoside in 
ihre Bausteine zu zerlegen. 
Auch im tierischen Organismus .hat man Glukoside aufgefunden 
oder mit anderen Worten Verbindungen, die bei der Hydrolyse neben 
anderen Bausteinen Zucker liefern. Zwei solchen Klassen von Verbin- 
dungen sind wir bereits begegnet, nämlich den Nukleinsäuren und Pro- 
dukten der Gehirnsubstanz, die Galaktose enthalten. Als Baustein vieler 
Nukleinsäuren ist die d-Ribose, eine Pentose, festgestellt worden. Außer- 
dem gibt es Nukleinsäuren, an deren Aufbau Hexosen beteiligt sind. Wir 
kommen auf diese Verbindungen noch zurück.) 
An dieser Stelle sei auch der von P. A. Levene *) bei der Darstel- 
lung von Nukleinsäuren aus der Milz beobachteten Säure gedacht, die an 
und für sich nicht reduziert, wohl aber nach dem Kochen mit Säuren. 
Levene nennt sie Glukothionsäure. Er hält sie für eine Ätherschwefel- 
säure. Von welcher Art die Kohlehydratkomponente ist, ist bis jetzt nicht 
festgestellt. John A. Mandel und P. A. Levene 5) konnten diese Säure auch 
) Email Fischer und Karl Freudenberg: Berichte d. Deutsch. Chem. Gesellsch- 
45. 915 (1912). — Vgl. auch ebenda. 46. 1116 (1913); 47. 2485 (1914). — Emil 
Fischer und R. Strauß: Ebenda. 45. 3773 (1912). — Karl Freudenberg: Berichte der 
Deutschen Chem. Gesellsch. 52. 177 (1919). — Emil Fischer: Ebenda. 52. 809 (1919). 
— Emil Fischer und M. Bergmann: Ebenda. 52. 809 (1919). 
?) A. W. van der Haar: Archiv f. Pharmazie. 950. 424 (1912): 251. 217 (1913): 
Ber. d. D. Chem. Ges. 54. 3142, 3148 (1921); 55. 1054 (1992). — E. Winterstein und 
M. Maxim: Helv. chim. Acta. 2. 195 (1919). 
°) Vgl. über die Synthese von Glukosiden der Purine: Emil Fischer und Burek- 
hardt Helferich: Berichte d. Deutsch. Chem. Gesellsch. 47. 210 (1914). — Emil Fischer: 
Ebenda. 47. 3193 (1914). — Emil Fischer und K. v. Fodor: Ebenda. 47. 1058 (1914). 
*) P. A. Levene: Zeitschr. f. physiol. Chemie. 37. 400 (1903). 
5) John A. Mandel und P. A. Levene: Zeitschr. f. physiol. Chemie. 45. 386 (1905); 
ferner Biochem. Zeitschr. 4. 78 (1907). — J. A. Mandel und Carl Neuberg: Biochem. 
Zeitschr. 13. 142 (1908). — P. A. Levene und W. A. Jacobs: Journ. of experim. Med. 4. 
557 (1908).
	        
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