1.43 Erster Teil. 88.
In der Musik findet solches Zurückkehren buchstäblich statt:
sie kehrt zum Grundton zurück.
Jedoch dieses Thema ist in der Lehre von den einzelnen
Künsten zu behandeln.
Der Scluß des Paragraphen enthält zunächst eine Defini-
tion des Schönen in den Worten: sinnenfällige, ausdru>s8-
voll harmonis<e Form. Es gibt andere harmonische Formen,
die nicht sinnenfällig sind. Ein gutes philosophis<hes System ist
harmonisc<, aber nicht sinnenfällig; und wir werden es niemals
in das Gebiet des Schönen stellen. Ein tugendhaftes Leben ist
harmonis<, fällt aber nur ins Schöne, wenn diese Harmonie in
schönen Formen sich ausdrückt. Ein großer Mechanismus ist
harmonisch, weil alles zusammenstimmt; er ist auch sinnenfällig,
aber nicht schön. Denn es handelt si< hier lediglich um seine
Funktionen; er dient bloß dem Zweckmäßigen. Aesthetisch wird
er nur dur< überflüssigen Schmut.
Die schöne Form ist wesentlih ausdru>ksvoll. Im 8 5 ge-
brauchte ih dafür auc<h das Wort mimisch, weil wir dort uns
vorher fragten: wie kann denn die Natur, wo sie kein organi-
sches Gebild, oder doh bloß Pflanzengruppen uns entgegen-
bringt, also im Landsc<haftsgemälde, wie kann da die Natur
ausdru>svoll ersheinen? Wir sagten, das bewirkt die mensc<-
lihe Seele durch eine innige Symbolik, wodurc< sie unbewußt
der Natur eine Seelenstimmung unterlegt, so daß dieselbe uns
anzusprechen scheint wie ein tierisches oder menschliches Wesen,
das seine Stimmung mimisch ausdrü>t. Wir legen unsere
Seele in die Natur hinein und sehen sie an, wie wenn sie
uns mimisch unsere Seele als die ihrige ausspräche.
Die Bezeichnung „ausdrucksvoll“ oder „mimisch“ wendet sich
zugleich polemisch gegen den strengen Formalismus, welcher
sagt: der Inhalt macht es gar nicht, sondern nur bestimmbare
reine Form.
Den Begriff der Harmonie habe ich bereits erklärt.
„Sinnenfällige, ausdru>svolle harmonishe Form,“ das
wäre also meine Definition. Aber darin ist nicht gesagt, daß
das Schöne immer nur Bild ist. daß es immer nur darauf an-
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