Full text: Kaleidoskop

Vorwort. 
Die Astronomie hatte, etwas weiter zurück, ein besonders lich 
ausgesprochenes Verhältnis zum Volk. Sie war ja die echteste leib 
Kalender-Kunst. Eine höhere Form Wahrsagen. Zum Astro— das 
logen, der noch in Keplers Tagen und selbst ja in Keplers Person, Wa 
eins war mit dem Astronomen, drängte sich die Menge wie in höh 
eine Meßbude. Sollten doch jedes einzelnen Geschicke am der 
Himmel geschrieben stehen. Derbe Drucke auf grauem Papier 
mit ursprünglichen Lettern belehrten den Schäfer und Nacht— mel 
wächter über Kometen und Sternschnuppen als grausige Vor— wie 
zeichen der Pestilenz und des Kriegsschreckens. Von solchen non 
Dingen, die schließlich jedem herzhaft auf den Leib rücken würden, da 
wollte aber jeder wissen, und so sah sich der Astronom beständig Me 
auf der Gasse in einem Kreise atemloser Hörer aus dem „Volk. Wo 
Vom Chemiker glaubte man, daß er Gold machen könne. Das aus 
interessierte den König wie den Gänsehirten. hat 
Nun muß man sagen: im eigentlichen Volke selbst änderte Pla 
sich mit dem Umschwung zu neuen Zeiten hier relativ wenig. nun 
So und so viel immer mehr lernten lesen und schreiben und brei 
damit wurde der Kreis für Bücher allgemein größer. Das Kep 
hätte aber nur günstig wirken können für die Volkstümlichkeit Der 
der Naturgeschichte. Der Kontrast, der große Riß, kam nicht dem 
von hier, er kam von der Vaturforschung aus. wei 
Die Medizin ist wohl der erste von den früher rein volks— war 
tümlichen Wissenschaftszweigen gewesen, der einen esoterischen, jetzt 
den Laien zurückstoßenden Zug annahm. Vielleicht hing es höh 
eine Weile mit dem gewissen Hang zur Charlatanerie, der ja hier nich 
so lange sich mit der echten Praxis vermischt hat, zusammen: als 
der Doktor hüllte seine Kuren in Geheimnis. Wenn man heute Rest 
noch ein ärztliches Rezept ansieht, so fühlt man einen letzten Der 
hauch von diesem künstlichen Sichabschließen, von einer Geheim— eine 
sprache, die der Laie einmal absichtlich nicht verstehen sollte. astr 
Dazu kamen aber früh bei dem schlichten Manne auch ernst— brir 
hafte Motive wie die Scheu vor Leichenöffnungen, die dem Die 
Arzt eine fremde Welt reservierte auch unter der Haut des non 
Lebendigen, in dem unsichtbaren Körperinnern. Und in viel „Kc 
späterer Feit, als das Mikroskop in der echt wissenschaftlichen Min 
Medizin anfing eine RVolle zu spielen und die Zellenlehre end— verc 
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