IL Abschnitt.
Der Werksteinbau
für mittelalterliche Formen.
Beeinflusst durch morgenländische Kultur, gingen nach dem Zusammensturze
der Weltherrschaft Roms aus der entarteten römischen Kunst zwei neue Bauweisen,
die altchristliche und die byzantinische hervor.
Beide Stilarten, erstere vom weströmischen, letztere vom oströmischen Reiche
ausgehend, übertrugen sich auf die Völker des übrigen Europas, zunächst nach
Frankreich und Deutschland.
Der lebhafte Schiffahrtsverkehr des südlichen Frankreich mit Venedig und
Byzanz, die Kriege mit den in Spanien eingedrungenen Arabern, deren Kunst
daselbst schon im 8. Jahrhundert in voller Blüte stand, machten das Abendland
mit einer grossen Zahl neuer Bauformen und Konstruktionen bekannt, deren Ein-
fluss wir deutlich an den Bauten der Karolingerzeit erkennen. Von da ab begegnen
wir überall dem Streben der Bauleute, sich iu Konstruktion und Dekoration móg-
liehst frei von jeder Ueberlieferung der Vorzeit zu machen, eigene Wege zu suchen,
und neues zu schaffen. 200 Jahre später findet denn auch die neue Zeit in
einem neuen Daüstile Ausdruck, dessen Eigenart gegenüber den bisherigen Bau-
weisen unverkennbar ist und den wir heute als den romanischen bezeichnen.
Besonders in Deutschland gelangte diese Stilrichtung zur vollen und schönsten
Entwickelung, namentlich an den Ufern des Rheinstromes, wo zahlreiche hervor-
ragende Bauwerke mit ihrem Zentrum Köln aus romanischer Zeit heute noch
vorhanden sind.
Die Träger der Kultur im allgemeinen wie auch der Kunst im besonderen,
waren zunächst die Klöster, wie denn auch in vielen Fällen Mönche die Bau-
meister waren. So kam es, dass in erster Hinsicht den neuen Stil die Kirchen-
und Klosterbauten beschäftigten. Aber auch die Befestigung der vorhandenen
und neu entstehenden, sich kräftig entwickelnden Städte, die Anlage von Burgen
und Wohnsitzen der Reichen und Mächtigen des Landes stellten den Baumeistern
bedeutende und lohnende Aufgaben. Das bürgerliche Wohnhaus scheint hingegen
Opderbecke, Bauformenlehre, 5