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das Gasgemeng unter starker Explosion sich zersetzt) in
einem Wasser- oder Sandbade bis auf -j- 80° R., so ist ver-
hältnissmässig etwas weniger Chlor, dagegen mehr chlorige
Säure nachweisbar *). Wendet man bei der Operation keine
äussere Wärme an und leitet bei einer Lufttemperatur von
-j- 16" R. das sich entwickelnde Gas fortwährend durch
eine bis auf 0" abgekühlte trockne Kugelröhre, so condensirt
sich hier in einiger Zeit Chlorhydrat und eine gelblich
gefärbte Flüssigkeit, in der, nachdem sie mit etwas Wasser
versetzt und bis zu ihrer gänzlichen Entfärbung und Geruch
zerstörung anhaltend mit Quecksilber geschüttelt wird, sich
nachher ganz deutlich Spuren von Salzsäure nachweisen
lassen. Hieraus folgt, dass ein unter ähnlichen Umständen
bereitetes Chlorwasser, nicht nur nicht frei von chloriger
Säure, sondern überdem noch Chlorwasserstoflsäure enthält,
mithin für medicinische Zwecke gänzlich zu verwerfen ist.
*) Man prüft diess am besten, wenn man sich als Sperrflüssigkeit
einer concentrirten Quecksilberchloridlösung bedient, der man
nach gehörig erfolgter Gasabsorbtion einen Ueberschuss von
frisch gefälltem Quecksilberchlorür zusetzt, und nun den mit
Gas gefüllten Glascylinder etwa '/ 2 Stunde in dieser Flüssig
keit stehen lässt; das Chlor, nach und nach verschwindend,
verwandelt den Calomel in Sublimat, während die chlorige
Säure sich zu Quecksilberchlorür und Quecksilberchlorid völlig
indifferent verhält. Das Chlor ist auch dadurch noch leicht
von dem chlorigsauren Gase zu unterscheiden, dass es nach
dem Schütteln mit einer Auflösung von arseniger Säure in
Salzsäure, seine Eigenschaft, Schwefelsäure Indigolösung zu ent
färben, gänzlich einbtisst, Avährend bei gleicher Behandlung, das
chlorigsaure Gas diese Eigenschaft nicht verliert.