Full text: Abriß der Geschichte der Philosophie

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E. Aristoteles und die peripatetisehe Schule. 
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ding; sie bezeichnet nicht nur das Verhältnis zweier Entwick- 
lungsstufen in seinem Werden von der Möglichkeit zur 
Wirklichkeit, sondern kann auch auf das Verhältnis verschiedener 
Dinge zueinander angewandt werden. Denn ein Ding, obwohl 
es schon Form und Stoff besitzt, kann doch wiederum Material 
für eine weitere Formung werden; so ist das Erz, das bereits 
geformte Materie ist, Stoff für die in ihm zu bildende Statue, 
so sind die Nährstoffe der Pflanzen, selber schon elementarisch 
geformt, Materie für die sich gestaltende Pilanze. Daher läßt 
sich die Natur als ein Stufenbau von Substanzen auffassen, 
innerhalb dessen jede höhere Stufe die Existenz der anderen 
— in logischer, nicht zeitlicher Abfolge — als Vorbedingung 
voraussetzt. Die unterste Stufe hat dann nur noch eine Materie, 
die keinerlei Formung besitzt, zu ihrer Voraussetzung, die 
oberste nur noch eine Form, die keinerlei Materie besitzt, über 
sich. Gibt es eine solche reine erste Materie (mo6z1u in) und 
eine solche reine erste Form (xo@rtov &idos od N 0Voin EvEOYELA)? 
Da die erste Materie bloße Möglichkeit ist, kann sie nirgend 
isoliert wirklich sein; mit der reinen Form. dagegen, die nicht 
wie alle andereren im Uebergang vom potentiellen zum aktu- 
ellen Sein, sondern die Aktualität selber ist, verhält es sich 
anders. Es läßt sich nämlich beweisen, daß notwendig etwas 
existieren muß, das nur Aktualität ist. Alle Bewegung Setzt 
ein Bewegendes voraus, und zwar schließlich ein erstes, das 
selber nicht wieder durch anderes bewegt wird, andernfalls 
man zu einem Ursprung der Bewegung nie gelangen würde. 
Daher fordert die ewige, einheitliche und stetige Bewegung, 
welche die Welt und in ihr vorzüglich der Himmel zeigt, ein 
erstes, einziges, einheitliches, ewiges, selber unbewegtes Be- 
wegendes. Dieses tritt seinerseits nicht wieder aus einer vor- 
ausliegenden Realpotenz zur Wirklichkeit hervor, da es viel- 
mehr den Grund für jegliches Hervortreten bildet; es schließt 
daher keine Materie ein, es ist eine reine Aktualität. 
(Gott und Welt.) Die Form ist das zur vollen Be- 
stimmtheit entwickelte Wesen. . Als dieses Wesen erkennen 
wir aber bei den belebten Geschöpfen das Seelische, welches 
überall, bei Pilanze, Tier und Mensch das bewegende und ge- 
staltende Prinzip, die Entelechie des Leibes, bildet. So darf man 
Form und Seele gleichsetzen. Alsdann erhält die Stufenord- 
nung der Substanzen die vertieite Bedeutung einer Wertordnung, 
in welcher jede folgende Stufe durch eine höhere Entwicklung 
des Seelischen ausgezeichnet ist; auf der untersten Stufe, in 
der anorganischen Natur, findet sich nur ein Minimum des noch 
ganz unbewußten Lebens; bei den Pflanzen steigert es sich 
zur vegetativen Seele, bei den Tieren erhebt sich darüber die 
animalische, bei dem Menschen darüber noch die denkende, 
zum vollen Bewußtsein entfaltete Seele. Geben wir dieser
	        
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