Full text: Adolf Bayersdorfers Leben und Schriften

Briefe an Fräulein Jenny Pauly 
Bayersdorfers8 nachmalige Gattin 
'4. 
München, 9 Zuli 18792 
Liebe gute Jenny ! 
Nimm meinen herzlichen Dank für Dein freundliches 
Erinnern, liebe Schwervermißte. Das Stückchen Alpenwelt, 
das Du mir in meine trocene Stadtluft geschickt hast, hat 
meine Sehnsucht nach dem Umgange mit einer freien un- 
gebändigten Natur doppelt erregt und ich kann den Tag 
faum erwarten, da ich die von der Cultur glatt gelecte 
Stadtnatur mit ihrem wildgewachsenen Original vertauschen 
und das wimmelnde Gewühl in dem großen Menschenneste 
hinter mir lassen kann. Am Tage Deiner Abreise, an 
welchem wir den guten Lindner begruben, wurde ich franf 
und lag 8 Tage mit geringer Aussicht auf Erfolg und mit 
bösen Erwartungen im Bette. Es geht nun leidlich, doch 
bin ich übel daran. Als Medicin wurde mir auf dem 
Zwangswege ein Landaufenthalt verordnet, welcher mich so- 
weit gesund machen soll, daß ich das Nächstemal wieder mit 
Aussicht auf Lebendigbleiben krank werden kann. So werde 
ich denn nächste Woche nach Aibling gehen, wo ich bereits 
Quartier habe. Von dort will ich in den ersten Tagen eines 
gestärkteren Daseins Dich in Deinem Gebirgsjudenviertel 
aufsuchen und sehen, wie viel Du in Deiner Patentselbst- 
füche an Spe>, Alter und Weigheit zugenommen hast. Vor- 
her werde ich Dir noch schreiben. 
Deine Briefe erhielt ich und kann nur wünschen, daß 
sich Dein Tintenfaß öfter meiner erinnert, als das meinige 
bei allem Andenken und allem guten Willen, den es hat 
1-2
	        
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