Full text: Das Spiegelteleskop in der Astronomie

VIII 
Vorwort zur ersten Auflage 
über die besten Refraktoren der Welt (Barnard arbeitete bekanntlich mit 
einem als den vollkommensten Refraktor der Welt geltenden Instrumente, 
dem Lick-Fernrohr in Kalifornien) auch in visueller Beziehung überzeugt 
sei. „Auch in visueller Beziehung“ ist ein bemerkenswerter Ausspruch, 
da viele der einstigen Gegner beute noch behaupten, daß das Spiegeltele 
skop wohl auf photographischem Gebiete Lberlegenes leiste, aber nicht 
auf visuellem. Wie falsch und irrig diese Ansichten sind, geht nunmehr 
aus dem obigen Ausspruche eines unserer berühmtesten, noch lebenden 
Astronomen deutlich hervor und bedarf keines weiteren Kommentars. 
Und dieses Instrument soll nun zum Gemeingute der Menschheit 
werden! Nicht nur die Berufsastronomen sollen fürderhin in die Wunder 
der Schöpfung mit ihren durch Reflektoren geschärften Sinnen blicken, 
sondern jedermann, ohne Unterschied des Berufes, soll imstande sein, 
Reisen bis in die entferntesten Räume des Universums auf den Flügeln des 
Lichtstrahls mit Hilfe eines solchen Reflektors durchführen zu können. 
Und nicht mehr soll der Amateurastronom abhängig sein von seinen Ein 
künften und materiellen Mitteln und den oft unerschwinglichen Preisen 
der Fachoptiker, sondern selbst mit eigener Hand, geleitet durch eigene 
geistige Überlegung soll er der Urheber und Erbauer, Ingenieur und Meister 
zugleich eines solchen Wunderinstrumentes werden. Intelligente Leser in 
diesen Stand zu setzen, ist die Tendenz und der Hauptzweck dieses Werkes. 
Derjenige aber, der sich der Mühe nicht unterwerfen will, ein solches In 
strument selbst zu bauen, und dessen Mittel hinreichend sind, aus der Werk 
stätte bewährter Künstlerhand ein fertiges Fernrohr zu beziehen, dem 
sollen durch den Inhalt dieses Werkes die hohe Bedeutung, der immense 
Wert und die vielen Vorzüge des modernen Reflektors nahegelegt werden. 
Das Werk soll ihm in der Anschaffung und Auswahl ein treuer Führer sein, 
es soll ihm in den Bau, Justierung und Gebrauch des Instrumentes die 
nötigen Einblicke verschaffen, damit er mit demselben selbständig arbeiten 
könne. Er wird dadurch sich und andern die köstlichsten Stunden geistiger 
Belehrung und Erholung verschaffen. Mathematische Formeln und Ablei 
tungen wurden in dem Werke absichtlich vermieden, da dasselbe nicht nur 
für solche bestimmt ist, die die Sprache der Mathematik beherrschen, son 
dern vielmehr jedermann mit Durchschnittsbildung soll das Buch verstehen. 
Sollte einer der Leser bei dem praktischen Bau eines Spiegelteleskopes 
auf Schwierigkeiten stoßen, so ist der Verfasser stets gerne bereit, alle er 
forderlichen und gewünschten Auskünfte kostenlos zu erteilen. Ebenso 
werden auf Anfrage solche Künstler namhaft gemacht, die nur erstklassige 
und bewährte Teleskopspiegel ausführen. 
Möge nun das Buch hinaussegeln mit dem Wunsche des Verfassers, 
vielen eine neue, bisher ungekannte und ungeahnte Welt von kosmischen 
Wundern erschlossen zu haben. 
E. v. Krudy, Luzern, 1919.
	        
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