elebten gewagte Etymologie entbehren kann; ich muß aber doch sa-
8 Ver. gen, daß ich den Versuch unsrer Sprachwissenschaftler, ganz
Sprach. von griech. yaydaysıy herzuleiten, für ebenso töricht halte als
t, mir des alten Wachter Herleitung von lat. cunctus. Diese Eın-
; schränkung des Begriffes Ganzheit auf eine den lebenden We-
sen innewohnende Einheit und auf die Dinge, denen mensch-
F liches Interesse eine Einheit zuschreibt, trennt in unserm
Sprachgebrauche die Worte ganz und all; ohne Zwang lassen
sich auch 6406 (ovvolos) und 76a5 (Ärmes) so unterscheiden.
h Sagt man „wir haben alles Brot aufgegessen‘, so denkt man
nm ohne die Vorstellung der Einheit an alles vorhandene Brot;
K sagt man „das ganze Brot“, so versteht der Hörer darunter
Hs die Einheit eines Brotlaibes. (J. H. Schmidt: „Synonymik
en der griechischen Sprache“ IV 540.) Schließt also der Be-
griff der Ganzheit den der Einheit in sich, bedeutet er Inte-
grität oder unverletzte Einheit, so wird sein alltägliche An-
wendung auf unorganische Dinge wieder einmal zum Bilde
von einem Bilde. Ein zerbrochener Topf gibt Scherben, ge-
; wiß; aber es hängt doch nur von unsrer Aufmerksamkeit ab,
ı ob wir die einzelne Scherbe als ein Ganzes betrachten wollen
oder nicht. So wie wir jedoch eine Scherbe, einen Brotlaib,
| einen Berg, einen Acker, ein Haus, weiter ein Volk, eine Wis-
) senschaft usw. ein Ganzes nennen, beleben wir, personifizieren:
wir das Ding oder das Gedankending, sprechen wir im Bilde,
auch ohne daran zu denken. Nun ist aber auch die biologische
; Einheit eine tief verhüllte Metapher, hergenommen sicherlich
in (nach einem uralten Instinkte) von dem menschlichen Ich-
= der gefühl, das wir in die Erscheinungen der belebten Natur hin-
Got Wat einlegen. Darum durfte ich den Begriff der Ganzheit ein Bild
gain von einem Bilde nennen,
chnitte“ So hilft auch das plane Wörtchen ganz, dunkle Wörter
we. Dit der Philosophie eigentümlich zu beleuchten. Wir haben (vgl.
Cautit, Art. Entwicklung) den Spencerschen Hilfsbegriff der Integra-
Die Be- tion abgelehnt, weil wir doch eigentlich in der Wirklichkeits-
ni. welt (wenn wir uns von der Sprache zu befreien wagen) nicht
ut Einheiten vorfinden oder Ganze, sondern nur Relationen, rei-
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