Full text: XVII. und XVIII. Jahrhundert bis zum Auftreten Friedrichs des Großen 1740 (21. Band, 2. Abtheilung)

- Allgemeine Werke aus der Zeit vor dem dreißigjährigen Kriege. 92 
Quartier- und Proviant-Meister, Kaplan, Feldschreiber und Feldscherer warb der 
Oberst. Nur 30 Schüßen kamen auf ein Fähnlein, „vnd haben wir selbste 
gesehen, daß die Schweizer anno 83 vber 8 Schützen nit vnder einem Fendlein 
gehabt.“ Allmälig habe sich der Brauch geändert; dem gemeinen Mann sei zwar 
jein Wahlrecht nicht eigentlich entzogen worden; aber man habe sich damit be- 
gnügt, wenn gegen die gleich bei der ersten Musterung vorgestellten gemeine 
Befehl5haber kein Einspruch erhoben worden. In den älteren Zeiten sei da 
deutsche KriegS5volk besser gewesen als jetzt; jeder habe sein eigen Gewehr auf 
den Musterplat gebracht, und je nach dessen Güte und seiner Krieg3erfahrung sei 
ihm der Sold bemessen worden. Nach der Abdankung seien die Knechte wieder 
zu ihrem friedlichen Beruf zurückgekehrt. Die Zahlungsunfähigkeit der Krieg3= 
herren sei Schuld an dem Verfall dieser guten Haltung: man habe genommen, 
wen man bekommen konnte, und die Knechte hätten angefangen, schon auf der 
Reise zum Sammelplaße zu garten, um sich für die Musterung auszustaffieren. 
Den schlimmsten Einfluß hatte die jährliche Abdankung in Ungarn; 
„dann biß der Soldat vß Österreich ins Reich gartet, ist die Frieling8zeit 3 
werben wider vor der Handt gewesen, vnd mögen wir mit warhait schreiben, daß 
der lezte vngerische Krieg die ganze disciplina Militarem vfgehebt vnd 3 
ichte gemacht. Durch dieß kurze abdan>hen haben die Capitani allen Vnge 
horsamb zu sehen.“ Dazu habe sich alle Welt um Obersten-Stellen be- 
vorben; wo 4 oder 5 zu vergeben gewesen, hätten sich 60 bis 70 Herren ge- 
meldet, von denen der größte Teil nichts vom Kriege verstanden. „Dazuma 
var Doctor Peg (?) Kriegspräsident.“ Unter Kaiser Rudolf habe man geradez 
ie jungen unerfahrenen Herren, zumal wenn es hohe Standespersonen gewesen 
den erfahrenen Obersten grundsäßlich vorgezogen, weil sie sich mit geringer Be 
oldung begnügt und den oft fehlerhaften Anweisungen aus Wien nicht wider- 
sprochen hätten. Man habe die Regimenter in der Kopfzahl auf 1000, 800, j 
400 Mann herabgesetzt, um recht viele Oberstenstellen vergeben zu können ; den 
jeder Oberst habe den Kriegsräten für seine Bestallung zu zahlen“ gehabt. Unte 
jolchen Umständen sei der unglückliche Verlauf des ungarischen Krieges begreiflich 
genug; es sei alles mercantia gewesen. -- Unter Maximilian I]. war die 
tärke der Fähnlein auf 300 Mann festgesezt worden, wovon 140 Schüben 
Keinschl. 40 MusSketieren) und 108 Doppelsöldner (darunter 3 Rondarschier, 
6 Schlachtschwerter, 9 Hellebardier) sowie 22 auf das erste Blatt, die aber oft in 
die Doppelsöldner eingerechnet wurden. (Gibt immer erst 270 Köpfe!) DaS ein- 
fache Rohr schoß Kugeln, deren 30 auf ein nürnberger Pfund gingen; die Mu3- 
fetenfugeln waren um die Hälfte schwerer (20 aufs Pfund). Die Rondarschen 
jollten schußfrei sein, wenn auch nicht gegen lange Rohre; die zweischneidigen, zu- 
weilen geflammten Schlachtschwerter sollten 5'/3 Fuß lang und 3 Zoll breit, die 
Hellebarden etwas länger sein. Aus Fahrlässigkeit habe man es hingenommen 
daß die Doppelsöldner sich bald nach der Musterung ihrer Schußwaffen entledi 
nd ihre Spieße verkürzt hätten. 
Zu den schlimmen Sitten der Land3knechte gehörte auch das Mitschleppem 
eines übermäßig großen Weibertrosse3. „ES ist wol zu vermerken, daß die Röme
	        
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