Full text: Geschichte der Geologie und Paläontologie bis Ende des 19. Jahrhunderts (23. Band)

4 Dynamische Geologie. 
Die ältesten direkten Beobachtungen über Niveauveränderungen 
rühren aus Skandinavien her. Schon 1702 hatte Hjärne bemerkt, 
daß an der schwedischen Küste mehrfach in Folge des Rückzuges des 
Meeres eine Vergrößerung des trockenen Landes stattfinde. Dies 
veranlaßte Celsius und Linné zu ihrer denkwürdigen Untersuchung 
über die Strandverschiebungen Skandinaviens. Sie ließen Marken 
bei Gefle und Kalmar in Felsen hauen, um die Veränderungen 
im Wasserstand bemessen zu können. In einer Abhandlung der 
schwedischen Akademie der Wissenschaften erklärte Celsius) (1843) 
der Spiegel der Ostsee sei im Sinken begriffen. Einst vom Wasser 
bedeckte Klippen seien emporgetaucht, flache Küsten zurückgewichen, 
ehemalige Hafenplätze landeinwärts gerückt und trocken gelegt, alte 
Wassermarken hoch heraufgeschoben. Celsius schätzte die Senkung des 
Wasserspiegels in einem Jahrhundert auf 45 Zoll. Linné schloß sich 
den Anschauungen von Celsius vollständig an, dagegen erhoben der 
gelehrte Bischof Browallius (1756), E. O. Runeberg und der 
Däne Jessen (1763) Widerspruch. Letzterer meinte die Veränderungen 
an der schwedischen Küste seien einer Hebung des Bodens in Folge 
von Erdbeben zuzuschreiben. Fast 30 Jahre später (1799) suchte der 
Admiral Nordenankar das Sinken des Wasserspiegels durch einen 
Abfluß von Wasser aus der ursprünglich höher gelegenen Ostsee nach 
der Nordsee zu erklären. Einen sehr gewichtigen Einwurf gegen die 
Celsius'sche Hypothese machte (1802) Playfair?) indem er betonte, 
daß nach hydrostatischen Gesetzen das Sinken des Meeresspiegels 
gleichförmig vor sich gehen müßte, was nach den Celsius'schen Beob— 
achtungen keineswegs der Fall sei. Playfair war darum der Ansicht, 
es könne sich nur um eine Hebung des Festlandes handeln, welche 
er durch die Expansivkraft von in der Tiefe erhitzten Gesteinsmassen 
erklärte. Unabhängig von Playfair war Leop. v. Buch auf seiner 
Reise nach Skandinavien (1807) ebenfalls zu dem Ergebniß gelangt, 
daß ganz Schweden sich langsam in die Höhe erhebe und zwar im 
Norden mehr als im Süden, und daß auch Norwegen an der Be— 
wegung theilnehme. Eine Erklärung dieser Erscheinung wußte übrigens 
v. Buch damals ebensowenig zu geben, wie K. v. Hoff, welcher 
(1822) nach einer kritischen Darstellung aller in historischer Zeit 
erfolgten Strandverschiebungen, anfänglich die angebliche Aufwärts— 
bewegung des skandinavischen Festlandes bestritt und die ganze Er— 
scheinung als einen Versandungsvorgang erklärte, später aber (1834) 
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