12 Die chemischen Kenntnisse im Altertum.
Sammler geben ein Zeugnis davon, doch ist es oft nicht
leicht, sich ein richtiges Bild von dem Zustande der Chemie
in jener Zeit zu machen, da die Bezeichnungen und Benen-
nungen Schwankungen unterworfen sind, und wir häufig nicht
genau wissen, ob wir alle Angaben einwandfrei deuten und
verstehen. Von solchen grossen Sammelwerken seien genannt we
die fünf Bücher De medicinali materia des Diosko- EC]
rides (um 50 n. Chr.), welcher die Bereitung vieler Heil- ge]
mittel beschreibt und eine ganze Reihe typisch chemischer Wi
Manipulationen schildert, wie die Destillation oder die Gewin- ch
nung des Quecksilbers aus Zinnober. Sehr oft erwähnt sind an
auch die 37 Bücher der Historia naturalis des Cajus Gc
Plinius Sekundus (geb. 23 n. Chr.), der bei dem be- A
rühmten Vesuvausbruch im Jahre 79 seinen Tod fand, wo WIC
Pompeji und Herkulanum verschüttet wurden. Besonders im gel
33. bis 37. Buche finden wir eine Aufzählung chemischer Au
Tatsachen und Erfahrungen, von denen uns aber manche Sin
wenig verständnisvoll und kritiklos anmuten. Auch die in seh
jüngster Zeit von Berthelot durchgearbeiteten mittelalter- Me
lichen Handschriften Compositiones ad tinguenda aus gel
dem achten und Mappae clavicula aus dem zehnten Jahr- Mö
hundert sollen ein gutes Bild der altertümlichen Chemie er- die
geben. Me
Abschliessend kann man sagen, dass die Gewinnung und Hnt
Eigenschaften einiger Metalle, des Schwefels, des Essigs, des
Kochsalzes, des Alauns, der Pottasche und des Kupfervitriols, seh
einiger Farben und Beizen, einiger Heilmittel, des Zuckers, in |
der Oele, sowie die Glas- und Seifenbereitung und die Mörtel- SOV
darstellung ungefähr den Kreis chemischer Erfahrungen und EI
Interessen bis in das vierte nachchristliche Jahrhundert hinein de1
umfassen. au
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