Full text: Grundzüge der Geschichte der Chemie

Das Zeitalter der Alchemie. 
(1214—1294?). Sein Beruf als Klosterbruder und seine Vor- 
liebe für das naturwissenschaftliche Experiment brachten ihn 
in mehrfache Konflikte, die ihm Verfolgungen. und Leiden ein- 
trugen. Er gilt durch die Betonung der Bedeutung des Ver- 
suchs zur Erforschung naturwissenschaftlicher Probleme als 
der intellektuelle Vater der. experimentellen Naturwissenschaft. 
Ein erheblich ungewisseres Bild können wir uns von 
Raymundus Lullus machen, der 1235 zu Palma auf 
Majorka geboren war. Er machte grosse Reisen und wurde, 
das Evangelium predigend, wahrscheinlich 1315 in Tunis 
gesteinigt. Manche Berichte melden aber, dass er gerettet 
worden sei und nach Italien gekommen ist, wo er sich mit 
der Darstellung des Steines der Weisen erfolgreich beschäftigt 
haben soll; diese Ueberlieferungen, die wahrscheinlich falsch 
sind, setzen seinen Tod etwa in das Jahr 1333. Wie viele 
von den ihm beigelegten Schriften wirklich auf ihn zurückzu- 
führen sind, kann mit irgend welcher Sicherheit nicht gesagt 
werden. Wenn einleitend von der mystischen und blumigen, 
uns daher sehr unverständlichen Schreibweise der Alchemisten 
gesprochen wurde, so liefern Raymundus Lullus’ Schriften 
dafür den besten Beleg. In seinen theoretischen Ansichten 
schliesst er sich grösstenteils an Geber an; in seinen prak- 
tischen Erfahrungen ist er natürlich über ihn hinausgewachsen. 
An den Ausgang des alchemistischen Zeitalters setzt man 
gewöhnlich Basilius Valentinus; doch hat sich auch hier 
wieder gezeigt, dass zum mindesten ein sehr grosser Teil der 
unter diesem Namen laufenden Schriften erst später geschrieben 
worden ist, so dass man wie einen Pseudogeber auch einen 
Pseudobasilius unterscheiden muss. Dieser steht in seinem 
praktischen Wissen weit über den anderen Alchemisten. Er 
ist ein ganz hervorragender Kenner der Metalle und liefert in 
seinem Currus thriumphalis antimonii eine treffliche 
Schilderung des Antimons und seiner Verbindungen. Auch 
die erste rohe Anleitung zur qualitativen Analyse, z. B. der 
Nachweis von Metallverunreinigungen (etwa Eisen in manchen 
Zinnerzen) wird auf ihn zurückgeführt. 
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