Full text: 1799 - 1800 (1. Abtheilung, 3. Band)

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Denn obgleich die wirkliche Welt ganz aus demselben ursprünglichen 
Gegensatz hervorgeht, aus welchem auch die Kunstwelt, welche gleichfalls 
als Ein großes Ganzes gedacht werden muß, und in allen ihren 
einzelnen Produkten nur das Eine Unendliche darstellt, hervorgehen 
muß, so ist do< jener Gegensatz jenseits des Bewußtseyns nur insoweit 
unendlich, daß durc< die objektive Welt als Ganzes, niemals aber 
dur< das einzelne Objekt ein Unendliches dargestellt wird, anstatt daß 
jener Gegensatz für die Kunst ein unendlicher ist in Ansehung jedes 
einzelnen Objekts, und jedes einzelne Produkt derselben die Unend- 
lichkeit darstellt. Denn wenn die ästhetisc<e Produktion von Freiheit 
ausgeht , und wenn eben für die Freiheit jener Gegensaß der bewußten 
und der unbewußten Thätigkeit ein absoluter ist, so gibt es eigentlich 
auch nur Ein absolutes Kunstwerk, welches zwar in ganz verschiedenen 
Exemplaren existiren kann, aber doh nur Eines ist, wenn es gleich in 
der ursprünglichsten Gestalt no< nicht existiren sollte. Es kann gegen 
diese Ansicht kein Borwurf seyn, daß mit derselben die große Freigebig- 
keit, welche mit dem Prädicate des Kunstwerks getrieben wird, nicht 
bestehen kann. Es ist nichts ein Kunstwerk, was nicht ein Unendliches 
unmittelbar oder wenigstens im Reflex darstellt, Werden wir 3. B. auch 
solche Gedichte Kunstwerke nennen, welche ihrer Natur nach nur das 
Einzelne und Subjektive darstellen? Dann werden wir auch jedes Epi- 
gramm, das nur eine augenblickliche Empfindung, einen gegenwärtigen 
Eindruck aufbewahrt, mit diesem Namen belegen müssen, da doch die 
ebend Unter großen Meister, die sich in solchen Dichtungsarten geübt, die Objekti- 
vität selbst nur durch das Ganze ihrer Dichtungen hervorzubringen 
suchten, und sie nur als Mittel gebrauchten, ein ganzes unendliches 
Neee aus me Leben darzustellen und durch vervielfältigte Spiegel zurüczustrählen, 
Pn 2) Wenn die ästhetis<he Anschauung nur die objektiv gewordene 
» eetrfiee Is transscendentale ' ist, so versteht sih von selbst, daß die Kunst das 
1 auß der uf einzige wahre und ewige Organon zugleich und Document der Philosophie 
x= wmp sey , welches immer und fortwährend aufs neue beurkundet, was die 
RE Philosophie äußerlich nicht darstellen kann, nämlich das Bewußtlose im 
1! intellektnelle (Gorrektur).
	        
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