237: VIIL Die Christenverfolgung
sein, die <hristlichen Sklaven aber, solange sie Christen blieben, nie frei-
gelassen werden können.2* Das waren ungefähr die Vorschriften, welche den
24. Februar des Jahres 303 zunächst in Nicomedien, der damaligen Residenz
des Dioeletian und des Galerius, und dann im ganzen Reiche dur< öffent-
lichen Anschlag bekannt gemacht wurden.
Schon am vorhergehenden Tage, auf welchen das Fest der Terminalien
fiel, hatte in Nicomedien selbst die Verfolgung begonnen, indem der Garde-
präfekt in Begleitung von Offizieren und Beamten die große Kir<e durc<
seine Prätorianer plündern und demolieren ließ.**
Nach der Publikation des Ediktes fiel als erstes Opfer ein angesehener
Christ, der dasselbe abriß und zerfekte, mit dem spöttischen Bemerken, es
seien wieder einmal Goten- und Sarmatensiege angeschlagen gewesen. Er
wurde verbrannt. Ein solcher Troß wäre übrigens ganz sinnlos, wenn man
nicht annehmen will, daß no< in jenem kritischen Augenblie eine geheime
Hoffnung auf allgemeinen Widerstand vorhanden war.
Das Nächste, was erwähnt wird, ist die grausame Tortur und Hinrich-
tung mehrerer Palastbeamten und Pagen, von welchen Petrus, Dorotheus
und Gorgonius mit Namen genannt werden. Euseb sagt zwar nur ganz
kurz, sie hätten um ihrer Frömmigkeit willen gelitten, allein von dieser Seite
hätte sich das Geseß mit ihrer Degradation begnügt. Woher nun diese Grau-
samkeit gegen solche, die bisher troß ihres hefannten Christentums von den
Kaisern „wie Kinder des Hauses waren behandelt worden? Die Kaiser
glaubten offenbar einem Komplott auf der Spur zu sein.
Zwischenhinein kömmt zweimal im Palast zu Nicomedien Feuer aus.
Nach Lactantius hätte Galerius es anlegen lassen, um die Schuld auf die
Christen zu schieben, welche diese Missetat mit den Eunuchen des Hofes ab-
geredet haben sollten, und Dioeletian, der sich immer so klug dünkte, hätte
wirklich den wahren Sachverhalt nicht gemerkt, sondern sich sogleich einer
grenzenlosen Wut gegen die Christen überlassen. Hierüber ist mit einem
Tendenzschriftsteller unmöglich zu rechten; wer aber die Geschichte Dio-
eletians studiert, wird ihm den Verstand zutrauen, vorkommendenfalls
einen so plumpen Betrug zu durc<bli>en. Das Feuer war in demjenigen
Teile des Palastes ausgebro<hen, wo Dioceletian selbst wohnte, Galerius
24 Den Wortlaut des Ediktes kennen wir nic<t. = Über die Inhaltsangaben bei
Euseb und Lactantius vgl. Hunziker, a. a. O.) S. 163.
25 De mort. persSec., Cc. 12. Man mag hier nachlesen, wie die beiden Regenten auf
der Warte ihres Palastes darüber streiten, ob die Kir<e dur< Feuer oder auf eine andere
Weise zerstört werden solle.
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