Full text: Das Hiobproblem

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unechte orthodoxe Zutat. Es handelt sich da um eine kritische 
Methode, nach der behandelt Goethes Faust oder Schillers Don 
Carlos zu einem schwer wiedererkennbaren Gebilde würden. 
Aber um drei große Probleme hat sich die ernste kritische 
Forschung immer wieder bemüht. Das erste ist von uns schon 
ohne weiteres in die Analyse alserledigt aufgenommen. Es handelt 
sich um die Unterscheidung zwischen dem Rahmen einer alten 
Volkssage und der in sie hineingestellten Dichtung. Die Tatsache, 
daß diese beiden wirklich zu unterscheiden sind, drängtsich jedem 
Leser so gewaltsam auf, daß es nicht zu verwundern ist, daß sie 
seit Duhm fast allgemein anerkannt ist, man denke z.B. an die 
ganz verschiedene soziale Stellung, die Hiob in beiden einnimmt. 
Nun gilt es aber auch, aus dieser Unterscheidung die richtigen 
Konsequenzen zu ziehen, was nicht von allen Forschern geschieht. 
Hat der Dichter die alte Sage seiner Dichtung zugrunde gelegt 
und fast wörtlich reproduziert, so hat er sie auch anerkannt. Das 
bedeutet aber, auch er hat eine Restitution des Dulders in sein 
altes Glück angenommen, diese aber besser und tiefer motivieren, 
sie religionspsychologisch unterbauen wollen. Daher hat er den 
Hiob erst innerlich für die Restitution reifen, von Schlacken ge- 
reinigt werden und seine öffentliche Rechtfertigung erst in dem 
Augenblicke eintreten lassen, wo er sich innerlich von jedem 
Rechten mit Gott, von jedem Wunsche nach Wiedergutmachung 
und Vergeltung gelöst hatte. 
Das zweite Problem, um das sehr ernst gerungen ist, ist die 
Echtheit der Elihureden. Bestritten ist diese schon seit Eichhorn 
am Ende des 18. Jahrhunderts. Aber erst am Ende des vorigen 
ist es zu einer ganz gründlichen Auseinandersetzung zwischen 
zwei gleichwertigen Gegnern über dies Problem gekommen. Bei 
ihr hat sich wieder einmal gezeigt, wie oft in der Wissenschaft 
das Gesicht von der Bidassoabrücke eine Rolle spielt. Überall, 
 
	        
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