Full text: Das Schöne und die Kunst (1. Reihe)

E Einleitung. 
finden, aber doch jedesmal etwas. Immer wieder von neuem 
wird er ganze Lichtbündel von Schönheit herausziehen. 
Der zweite Einwurf betrifft das Unbewußte in der 
Empfindung des Schönen. Natürlich ist das so, und wir 
können den Nebel, worin dies Geheimnis s<wimmt, nie ganz 
erhellen. Aber wir können doch Lichtlinien darin ziehen und 
dieser nicht wenige. Das ist doch etwas. 
Cin ganz einfaches Landschaftsgemälde , z. B. eine trübe, 
regnerisc<he Heide, warum reizt sie uns als etwas Schönes? 
Jede Farbe stimmt in ihrer Art. Darf man da nun hoffen, 
daß die Nuancen der Stimmung sich jemals in Begriffe bringen 
lassen? -- Auch die Töne haben seelische Bedeutungen für uns. Es 
knüpft sich an eine bestimmte Reihe von Klängen eine bestimmte 
Stimmungsqualität. Etwas Jdeales ist darin. Das kann man 
wohl nicht in Worten fassen. Man wird nie ganz fertig damit. 
Aber etwas Licht gibt uns eine eigenartige Symbolik, vermöge 
welcher unsere Seele unbewußt gewissen Farben, Tönen etwas 
unterlegt, als brächten sie uns eine Stimmung entgegen, die 
sie an sich nicht haben. In dieser intimen Symbolik muß das 
Geheimnis liegen. In ihr Wesen eingeweiht, wissen wir doch 
etwas mehr, als wenn wir nichts wüßten. Wohl können wir 
auc< damit nicht alles auf Worte reduzieren, aber was wir 
daran haben, ist doh nicht nichts zur Lösung des Rätsels. 
Zum dritten können sich die Gegner auf das Unbewußte 
im künstleris<en Schaffen berufen. Wohl sagt IJ. Paul 
mit Recht: „Das Genie ist in mehr als einem Sinne ein Nacht- 
wandler; in seinem hellen Traum vermag es mehr, als der 
Wache, und besteigt jede Höhe der Wirklichkeit im Dunkeln.“ 
Der begeistertste Freund des Schönen wird vor allem diesen 
Einwurf machen. Aber soll etwas darum unerforschlich sein, 
weil es dem Nacht- und Dämmergebiet im Seelenleben an- 
gehört? Dann wäre überhaupt nichts Psychisches erforshlich. 
Alles, was im Lichte des Geistes liegt, ist ja zuerst in verhüllter 
Form des Instinktes dagewesen ; alles Geistsein ruht ja im 
Grunde der Natur; und seine Entwi>elung verbirgt sich daher 
dem Blit. Es gibt keine Sphäre des Lebens, des Staates, 
.
	        
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