514 III. Materie und Leben
Pflanzen gemacht, welche als reine Selbstbestäuber keine Veranlassung al
zu Bastardierungen geben. ni
Um Johannsens Versuchsergebnisse, die auch für die praktische re]
Züchtung von hervorragender Bedeutung sind, zu verstehen, müssen wir Sic
zunächst den Begriff der sog. fluktuierenden Variation erörtern, M
Vergleicht man die Nachkommenschaft, die aus einer einzelnen ni
Bohne nach einer oder mehreren Generationen (die Bohne ist ein Selbst- L
bestäuber) entsteht, etwa in Hinsicht auf die Länge oder das Gewicht al
der Samenkörner, indem man diese in Klassen einteilt, etwa von je si
1mm zu 1 mm Längenunterschied, so findet man z. B. folgende de
Zahlen“). Von im ganzen 450 Bohnensamen hatten eine Länge von: kı
8910 11 Z2 13 14 15 16 mm Länge de
1223 108 167 106 33 7 1 Exemplare al
(10 mm bedeutet hierbei: zwischen 9,5 und 10,5 usw.) Man sieht un- ul
mittelbar, daß also die mittlere Länge 12 mm weitaus am häufigsten, W.
die größeren oder kleineren aber, die Plus- und Minusvarianten, um St
so seltener sind, je weiter die betreffende Länge sich von dem Durch- X
schnitt_entfernt._ Derartige Zahlenreihen erhält man nun auch durch n
reines Zufallsspiel nach den Gesetzen der u
Wahrscheinlichkeitsrechnung z. B. in dem ;
in Abb. 72 dargestellten Apparat, wenn %
man in diesen von oben durch den Trich-
ter Kugeln hineinrollen läßt, die dann an &
jedem einzelnen der in den Weg gestell-
ten Nägel entweder links oder rechts
ausweichen können. Die Zahlen der unten
in den Fächern sich dabei ansammelnden
Kugeln entsprechen .demselben Gesetz,
das zuerst Quetelet (1871) an Messungen
über Variationen von menschlichen Merk-
malen auffand und das sich leicht in einer
mathematischen Regel(Binomialgesetz) an-
geben und aus der Wahrscheinlichkeitslehre
begründen läßt. Diese fluktuierenden
Variationen sind in erster Linie auf die
Abb. 72. Galtons Zufallsappa-, ungleichen Ernährungsverhältnisse
a WC) der einzelnen Individuen zurückzuführen.
Sie sind aber in keinem Falle erb-
lich, denn die Nachkommen, die aus Minusvarianten gezüchtet
werden, liefern ebenso wie die aus den Mittelvarianten oder
den Plusvarianten stets wieder genau dieselbe Verteilungs-
kurve (gleiche Ernährungsbedingungen vorausgesetzt), dies gilt selbst für
die extremsten Varianten an beiden Enden der Reihe und läßt sich