Full text: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Wolmirstedt

[Gross-] Ammensleben. 
‚Nordammuneslevu, Amenesleve, Ameneslobe.] 
Danneil 1—26. Ders. Visit. II. 59. — Klosterchronik der Äbte Arnold 
Kolnen (1339) und Gregor (1518), Neue Mitt. XIII. 260 — 294 (von F. Winter), 
Urkunden und Regesten von Holstein Geschbl. XIV. 310. 
Pfarrdorf und Stiftsdomäne 7 km westlich Wolmirstedt, 965 zuerst genannt, 
wo Bischof Bernhard von Halberstadt u.a. den hiesigen Zehnt mit Otto I. gegen 
den geronischen Hof in Magdeburg umtauscht. Der Ort selbst war Familiengut 
ler Grafen von Hillersleben-Ammensleben, Die Stiftung eines Familienklosters, 
bereits 1110. durch die Schenkung von 7 Hufen von Graf Dietrich vorbereitet, 
wurde 1124 von seinen Kindern Hermann, Otto, Dietrich und Bia ausgeführt 
und die Gründung von Papst Honorius II. als Chorherrenstift des Augustinerordens 
bestätigt. Indes bewog der fromme Norbert die Stifter dazu, ihm das Stift zu 
übergeben, um es 1129 in ein Benediktinerkloster (ex clericali ordine in monasti- 
sam religionem) zu verwandeln und unter die Aufsicht des Klosters Berge mit 
der strengen Hirsauer Regel zu stellen, derart, daß auch beim Mangel geeigneter 
Kandidaten der Abt aus den Konventualen Berges gewählt werden sollte. Der 
dortige Abt Arnold leitete die junge Pflanzung selbst bis 1140 und setzte dann 
ainen Bergbruder, Berthold, als Nachfolger ein. Dieses Filialverhältnis hat bald 
lockerer, bald fester bis zur Aufhebung der beiden Klöster 1807 bestanden. Die 
inzwischen. neuerbaute Kirche ward am 1. Januar 1140 von Erzbischof Konrad und 
Bischof Anselm von Havelberg mit großem Prunk eingeweiht, die Vogtei dem 
jeweiligen Senior des Geschlechts und die Stiftungsgüter bestätigt. Diese sind 
verhältnismäßig recht bedeutend, 157%, Hufen mit Hofstellen, darunter 22 in 
Ammensleben selbst, die übrigen in umliegenden Dörfern, 12 Höfe in Magde- 
yurg, die Kirchen in Vahldorf, Ostingersleben und Palnitz. So ist dem Land- 
hunger anderer Klöster gegenüber in der weiteren Entwicklung die behagliche 
Sättigung des Konvents zu spüren. Die Neuerwerbungen, namentlich in der 
eigenen Flur, die wesentlich der Abrundung dienten, halten Abgängen, wie 1275 
dem Verkauf von 25 Hufen in Ostingersleben, die Wage. Die Zahl der Brüder 
war auf 12 festgesetzt, die ersten kamen aus Berge, später (nach der Reformation 
besonders) fand starker Zuzug von Westfalen statt. Patron der Kirche war 
zuerst Petrus, seit 1184 wird Paulus mitgenannt. 
Die Vogtei ging mit dem Aussterben des Stiftergeschlechts an die Grafen 
von Regenstein über, von welchen der Konvent, sie 1277 mit aller Gerichts- 
barkeit zu kaufen vermochte, und um den Vexationen der erzbischöflichen 
Beamten ein Ende zu machen, erwarb man auch die Gerichtsbarkeit über das 
Dorf 1387. Dazu kam 1339 das Patronat über Niederndodeleben, 1344 über 
Jersleben, 1303 finden wir das Stift an der Magdeburger Klosterunion beteiligt.
	        
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