Full text: Anpassung der industriellen Arbeit an die psychophysische Beschaffenheit des Menschen

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Zeitlohnsystem zu einer harten Beaufsichtigung durch den Werk- 
meister oder Vorarbeiter führt!‘ 
Leider hat sich die Sozialwissenschaft noch wenig mit der Frage 
beschäftigt, wie die Arbeiterschaft zu den einzelnen Lohnsystemen 
steht, und eine Literatur über die dringende praktische Frage, die 
das tägliche Leben von Millionen beherrscht, fehlt noch ganz. Wie 
dringend notwendig die Lösung dieses Problems ist, mag aus den 
Worten Henry Fords: „,Die Lohnfrage schafft neun Zehntel der 
psychischen Fragen aus der Welt. . .‘ ersehen werden. 
Ein welterer anerkennenswerter Versuch, Arbeitsfreude und 
Leistungswillen des Industriearbeiters zu heben, besteht darin, 
ihn am Gewinn des Unternehmens teilhaben zu lassen. Die Kom- 
pliziertheit der menschlichen Natur bringt es mit sich, daß den 
meisten der aufgestellten Beteiligungssysteme unbestreitbare psy- 
chologische Mängel? anhaften. Der Gewinnbeteiligung steht der 
Arbeiter immer mit einem gewissen Mißtrauen? gegenüber, schon 
aus dem Grunde, weil die Gewinnermittlung nur Sache des Unter- 
nehmers ist und sein kann, und er denkt naturgemäß, daß er letzten 
Endes doch der Betrogene ist. Auch wird der Geschäftsgewinn nur 
zum geringen Teil durch die Tätigkeit des Arbeiters beeinflußt, 
während er in viel höherem Maße von einer Summe schwankender 
Faktoren abhängt, die mit der eigentlichen Werkstättentätigkeit 
nichts zu tun haben, so daß der Gewinnbeteiligung etwas Will- 
kürliches anhaftet. Das spekulativ-organisatorische Moment, das 
sich dem Einfluß des Arbeitnehmers entzieht, wird in den meisten 
Fällen entscheidend für dıe Höhe des Gewinnes sein. Trotz fleißig- 
ster und bester Arbeit kann durch widrige Umstände, etwa durch un- 
günstige Preisentwicklung, der Gewinn nur minimal sein oder ganz 
ausbleiben. Diesen Mangel sucht Eppstein* dadurch zu beheben, 
daß er den Fabrikbetrieb gänzlich von der Verkaufsorganisation 
abgrenzt. So gut der Gedanke an und für sich ist, so schwierig wird 
1 B. Rauecker, Die Berufsfreude im modernen Wirtschaftsleben, S. 38. 
? Frank Watts, Die psychologischen Probleme der Industrie, S. 192. 
3 Deutsche Arbeitgeberzeitung, 23. Jahrg., Nr. 3. 
* I. Eppstein, Die autonome Fabrik, ein Versuch zur Lösung des Problems der 
Gewinnbeteiligung industrieller Arbeiter. 
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