Aesidientorpiaß mit Stadttöchterlchule (abgebrochen 1870)
Söhnen, die Gewerbe und Handel fich fchnell erholen ließ. Freilich zeiste Hannover in jener Zeit keine
aroße Unternehmungslult und ließ fich nicht in bedeutende auswärtige Handelsgefchäfte ein. Auch von
der Anlase größerer Fabriken ift keine Rede. Doch zum Glück gelellte fich dem Mangel an Neisuns der
Mansel an Bedürfnis hinzu. Denn als die Stadt Sib des Hofftaates und der Behörden geworden war,
sekam fie einen [tarken Zuzus von Fremden. Der Hof, die vielen Hof- und Staatsbeamten und die
immer wechlelnden Fremden nahmen das Gewerbe [tark in Anlfpruch und ließen die Kaufleute und
Handwerker den mühelolen Gewinn in der eisenen Stadt fuchen. Handel und Gewerbe ftellte fich jebt
auf den täslichen, unmittelbaren Bedarf und Einzelhandel ein. An den Verkehrsitraßen entltanden bald
Gelchälte, in denen Ciesenltände des Luxus und der Mode verkauft wurden. Auch das Bierbrauerei=
gewerbe hob [ich lanslam wieder, ohne freilich zu einer neuen Blüte zu kommen. Daran waren der Brannt:
wein und andere Genußmittel Cchuld. Das Innunsswelen blieb in der alten Weile beftehen und belchränkte
dadurch die Gewerbefreiheit. Indem man mit zäher Enersie feßlthielt, was Kämpfe und Opfer mit Mühe
errunsen hatten, verltärkte man die Fehler und Schwächen des Syltems immer mehr.
Der hiltoriche Überblick über Hannovers Entwicklungs auf dem Gebiete des Handels und Gewerbes
muß der Einteilung des Werkes entlprechend mit dem Ende des 18. Jahrhunderts, als fich beide in lans=
(amem Niedersange befanden, fhließen. Doch Itehen wir vor der Tür einer neuen Zeit. Das 19. Jahrhundert
orinst Hannover einen wirtlchaftlichen Auffchwuns, den die vorliegende Epoche nicht ahnen läßt, und
macht es zulammen mit Linden fChnell zu einer führenden Indultrieftadt Deutfchlands.