Salpeter — Salpeterſäure.
Salpeter, ein ſalpeterſaures Salz, z. B. Bleijal-
peter, ſalpeterſaures Blei 2c.; im engern Sinne ſal-
peterſaures Kali i (Kalifalpeter, prismatiider ©.);
flammender S., ſalpeterſaures Ammoniak; kubi-
f<her S., ſalpeterſaures Natron.
Salpeteralaun, ſalpeterſaure Thonerde.
Salpeteräther
Salpeterätheriveingeift
Salpeterblumen, aus dent Boden auswitternder
Salpeter.
Salpeterfraß , |. Mauecrfraß.
Salpetergas, joviel wie Sticjtofforyd.
Salpetergeift, verjühter, |. Salpetrige
Salpeterhigel, j. Rrafnoijar.
Salpeterfuchen, derKüditandvonder Daritellung
der Salpeterſäure aus Ntatronjalpeter und Schiwefel-
ſäure, beſteht aus einem wechjelnden Gemijch von
Natriumbiſulfat (daher au< faures Sulfat, Bi-
ſulfat) mit Natriumſulfat u. mancherlei Beimiſchun-
gen. Er wird meiſt mit Kochſalz im Sulfatofen auf
Sulfat, zum Teil auch auf rauchende Schwefelſäure,
Schwefel] äureanhydrid u. auf Glas für Champagner-
flaſchen ee
Salpeterluft, joviel wie Stickſtoff.
Salyeternaphthn, j. Salpetrige Säure.
Salpeterpapier, mit Salpeterlöfung getränftes
und getrocknetes Papier, deſſen beim Verglimmen fich
j j. Salpetrige Säure.
Säure.
entwickelnde Dämpfe als Heilmittel bei Aſthma ein-
geatmet werden.
Salpeterplantagen, j. Salpeterjaures Kali.
Salpeterſalzſäure, |. Königswaſſer.
Salpeterſäure (Scheidewajfer) HNO, findet
fich nicht im freien Zuſtand in E Natur, aber weit-
verbreitet an Baſen gebunden, in großer Menge als
Natriumſalz (Chiliſalpeter), als Kaliumſalz (Sal-
peter), auch al3 Calcium und Magnef tumjalz im na-
türlichen Salpeter, als Ammoniumſalz in den atmo-
ſphäriſchen Niederſchlägen. Kleine Mengen von Sal-
peterſäureſalzen (Nitraten) finden ich in der Acker-
frume, in vielen Quell- und Flußwaſſern. Meiſt iſt
in dieſen natürlichen Nitraten auch ſalpetrige Säure
(HNO0,) nahweisbar. Schlagen elektriſche Funken an-
haltend dux< ein Gemiſch von Sauerſtoff und Stick- |
toff (z.B. atmoſphäriſche Luſt), ſo entſtehen roteDämpfe |
von Stichtoſftrioxyd, bei Gegenwart von Waſſer und
Alkali falpetrige Säure, die dann weiter in ©. über-
geht. Daher ſind beide Säurenim Gewitterregenwaſſer
nachweisbar. S. bildet fih au<, wenn Waſſerſtoff,
Ammoniak und andre Körper in atmoſphäriſcher Luſt
verbrennen. Bei den gewöhnlichen Berbrennungs-
prozeſſen entſteht ſalpeterſaures Ammoniak. Auch bei
Verweſungsprozeſſen wird S. gebildet. Am o
und reichlichſten entſtehen ſalpetrige Säure und S. aus
Ammoniak, z. B. wenn man Kupferdrehſpäne oder
Platinſhwarz mit Ammoniak befeuchtet der Luft aus-
feßt. Bei 300° bildet Platinſhwamm aus Luft und
Ammoniak oder kohlenſaurem Ammoniak oder Chlor-
ammonium S.; auh wenn Ammoniak über erhitztes
Mangan uperoxyd geleitet wird, bei Behandlung von
\<wefelſauxrem Ammoniak mit <romſaurem Kali und
SGweſchänre. bei Einwirkung von Ammoniak und
Luft auf mit Übfalilöfung befeuchtete Kreide bei 100°
entſteht S S. Bei der Fäulnis tieriſcher Stoffe entweicht
deren Stickſtoff in Form von Ammoniak; ſind aber
Baſen oder kohlenſaure Salze der Alkalien oder alka-
liſhen Erden zugegen, fo wird das Ammoniak zu S.
aA So entſteht 3. B. der natürliche Salpeter | 1
beſonders in wärmern Ländern in einem mit organi-
Meyers Konv. - Lexikon, 5. Aufl. , XY. Bd.
161
ſchen Stoffen, Harn oder Exkrementen geſ<hwängerten,
Kalk und Alkalien enthaltenden Boden und an Stall-
mauern. Dieſer Prozeß verläuft unter dem Einfluß
von Bakterien. Tötet man lettere und entzieht der
N jinzutretenden Luft in derſelben enthaltene Keime, ſo
findet keine Salpeterbildung ſtatt. Ozon oxydiert Am-
moniak ſehr leicht, und da es weitverbreitet in dex Na-
tux vorkommt Uu. überall auch Ammoniak ſich E
ſo erich eint die Oxydation des Ammoniaks durch Ozon
als einer der wichtigſten Salpeterbildungsprozef ſe in
der Natur. Jn locern, poröſen Materialien, wo m.
moniak, Feuchtigkeit und Luft mit tohlenſ aurem Kalk
oder Kali zuſammentreffen, entſteht S. Auch die lang-
ſame Verbrennung des Humus veranlaßt, wie die des
mit Ammoniak befeuchteten Kupfers, die Oxydation
des Ammoniaks.
ReineS. HNO, (Salpeterſäuremonohydrat) iſt farb-
los, raucht an der Luft, iſt ſehr hygroſkopiſch, riet
ſ{hwach eigentümlich, it außerordentlich äßend und
erzeugt auf der Haut ſhmerzhafte tiefe 2 Wunden. Das
ſpezifiſche Gewicht iſt 1,559 bei 0°; ſie erſtarrt bei —50°
E ſiedet bei 86° unter E Zerſ egunig in
Stickſtofftetroxyd und Sauerſtoſf. Dabei jt teigt der
Siedepunkt auf 126°, und es deſtilliert dann eine Säure
2HNO,-+-3H,0, welde 60 Proz. en
anhydrid (N„,0,) und 40 Proz. Waſſer enthält (ſpez.
Gew. 1,42). ©. erwärmt fich beim Miſchen mit Waſſéx.
Den Oa t ann ©. bei en ſpezifiſchen Ge-
100 Teile ent-
halten
1100 Teile e ent-
halten
N,05 !HNO3
100 Teile ent-
halten
N,0;|HNO;
Spez.
Gew. N.
0,85
1,62
3,17
4,71
6,22
1
9,15
10,57
11,96
13,31
14,67
16,00
17,34
18,66
19,98
21,29
22,60
23,90
25,18
26,47
27,74
1,00
1,90
3,70
5,50
7,26
8,99
10,68
12,33
13,95
15,53
17,11
18,67
20,23
21,77
23,31
24,84
26,36
27,88
29,38
30,88
32,36
1,210
1,220
1,230
1,240
1,250
1,260
1,270
1,280
1,290
1,300
1,310
1,320
1,330
1,340
1,350
1,360
1,370
1,380
1,390
1,400
1,410
28,99
30,24
31,53
32,82
34,13
35,44
36,75
38,07
39,39
40,71
42,06
43,47
44,89
46,35
47,82
49,35
50,91
92,52
54,20
55,97
57,86
33,82
35,28
36,78
38,29
39,82
41,34
42,87
44,11
45,95
47,49
49,07
50,71
52,37
54,07
55,79
57,57
59,39
61,27
63,23
65,30 | 1,520
67,50
59,83
61,86
64,01
66,24
68,56
71,06
73,76
76,80
80,65
81,50
82,29
82,91
83,58
84,09
84,46
84,78
85,04
85,26
85,35
85,44
69,80
12,
74,68
77,28
79,98
82,90
86,05
89,60
94,09
95,08
96,00
96,76
97,50
98,10
98,53
98,90
99,21
99,46
99,57
99,67
1,512
br:
1,518
Zur Darſtellung von S. deſtilliert man aus einer
Retorte Natronfalpeter mit Schwefelſäure, wobei ſhwe-
felſaures Natron und S. gebildet werden. Der Pro-
zeß verläuft nah der Gleihung 2NaN0, + H,S0,=
Na,S0,+2HNO,. Allein es entitedt zunächſt ſaures
ſchwefelſaures Natron ea wobei nur die Hälfte
des Salpeters zerſegt wird. Das Natriumbiſulfat
wirkt aber auf den noh unzerſ feßten Salpeter erſt bei
jo hoher Temperatur, daß ein 2 Teil der frei EA
5 in Stiditofftetrogyd N,O, und Sauerſtoff zerfällt.
Man nimmt deshalb (nicht t ganz) gleiche Moleküle Sal-
peter und Schwefelfäure, und zwar leßtere von höch-
jtens von 61° B. Pfannen= oder Gloverturmfäure), weil
auch die konzentrierte Schwefelſäure zerjegend auf ©.
wirkt. Nur zur Darſtellung EA vom ſpez. Gew.
1,5 dient Schwefelſäure von 66° B. Zur Darſtellung der
LL