Full text: Russisches Reich (Geschichte) bis Sirte (15. Band)

  
Salpeter — Salpeterſäure. 
Salpeter, ein ſalpeterſaures Salz, z. B. Bleijal- 
peter, ſalpeterſaures Blei 2c.; im engern Sinne ſal- 
peterſaures Kali i (Kalifalpeter, prismatiider ©.); 
flammender S., ſalpeterſaures Ammoniak; kubi- 
f<her S., ſalpeterſaures Natron. 
Salpeteralaun, ſalpeterſaure Thonerde. 
Salpeteräther 
Salpeterätheriveingeift 
Salpeterblumen, aus dent Boden auswitternder 
Salpeter. 
Salpeterfraß , |. Mauecrfraß. 
Salpetergas, joviel wie Sticjtofforyd. 
Salpetergeift, verjühter, |. Salpetrige 
Salpeterhigel, j. Rrafnoijar. 
Salpeterfuchen, derKüditandvonder Daritellung 
der Salpeterſäure aus Ntatronjalpeter und Schiwefel- 
ſäure, beſteht aus einem wechjelnden Gemijch von 
Natriumbiſulfat (daher au< faures Sulfat, Bi- 
ſulfat) mit Natriumſulfat u. mancherlei Beimiſchun- 
gen. Er wird meiſt mit Kochſalz im Sulfatofen auf 
Sulfat, zum Teil auch auf rauchende Schwefelſäure, 
Schwefel] äureanhydrid u. auf Glas für Champagner- 
flaſchen ee 
Salpeterluft, joviel wie Stickſtoff. 
Salyeternaphthn, j. Salpetrige Säure. 
Salpeterpapier, mit Salpeterlöfung getränftes 
und getrocknetes Papier, deſſen beim Verglimmen fich 
j j. Salpetrige Säure. 
Säure. 
entwickelnde Dämpfe als Heilmittel bei Aſthma ein- 
geatmet werden. 
Salpeterplantagen, j. Salpeterjaures Kali. 
Salpeterſalzſäure, |. Königswaſſer. 
Salpeterſäure (Scheidewajfer) HNO, findet 
  
fich nicht im freien Zuſtand in E Natur, aber weit- 
verbreitet an Baſen gebunden, in großer Menge als 
Natriumſalz (Chiliſalpeter), als Kaliumſalz (Sal- 
peter), auch al3 Calcium und Magnef tumjalz im na- 
türlichen Salpeter, als Ammoniumſalz in den atmo- 
ſphäriſchen Niederſchlägen. Kleine Mengen von Sal- 
peterſäureſalzen (Nitraten) finden ich in der Acker- 
frume, in vielen Quell- und Flußwaſſern. Meiſt iſt 
in dieſen natürlichen Nitraten auch ſalpetrige Säure 
(HNO0,) nahweisbar. Schlagen elektriſche Funken an- 
haltend dux< ein Gemiſch von Sauerſtoff und Stick- | 
toff (z.B. atmoſphäriſche Luſt), ſo entſtehen roteDämpfe | 
von Stichtoſftrioxyd, bei Gegenwart von Waſſer und 
Alkali falpetrige Säure, die dann weiter in ©. über- 
geht. Daher ſind beide Säurenim Gewitterregenwaſſer 
nachweisbar. S. bildet fih au<, wenn Waſſerſtoff, 
Ammoniak und andre Körper in atmoſphäriſcher Luſt 
verbrennen. Bei den gewöhnlichen Berbrennungs- 
prozeſſen entſteht ſalpeterſaures Ammoniak. Auch bei 
Verweſungsprozeſſen wird S. gebildet. Am o 
und reichlichſten entſtehen ſalpetrige Säure und S. aus 
Ammoniak, z. B. wenn man Kupferdrehſpäne oder 
Platinſhwarz mit Ammoniak befeuchtet der Luft aus- 
feßt. Bei 300° bildet Platinſhwamm aus Luft und 
Ammoniak oder kohlenſaurem Ammoniak oder Chlor- 
ammonium S.; auh wenn Ammoniak über erhitztes 
Mangan uperoxyd geleitet wird, bei Behandlung von 
\<wefelſauxrem Ammoniak mit <romſaurem Kali und 
SGweſchänre. bei Einwirkung von Ammoniak und 
Luft auf mit Übfalilöfung befeuchtete Kreide bei 100° 
entſteht S S. Bei der Fäulnis tieriſcher Stoffe entweicht 
deren Stickſtoff in Form von Ammoniak; ſind aber 
Baſen oder kohlenſaure Salze der Alkalien oder alka- 
liſhen Erden zugegen, fo wird das Ammoniak zu S. 
aA So entſteht 3. B. der natürliche Salpeter | 1 
beſonders in wärmern Ländern in einem mit organi- 
Meyers Konv. - Lexikon, 5. Aufl. , XY. Bd. 
  
161 
ſchen Stoffen, Harn oder Exkrementen geſ<hwängerten, 
Kalk und Alkalien enthaltenden Boden und an Stall- 
mauern. Dieſer Prozeß verläuft unter dem Einfluß 
von Bakterien. Tötet man lettere und entzieht der 
N jinzutretenden Luft in derſelben enthaltene Keime, ſo 
findet keine Salpeterbildung ſtatt. Ozon oxydiert Am- 
moniak ſehr leicht, und da es weitverbreitet in dex Na- 
tux vorkommt Uu. überall auch Ammoniak ſich E 
ſo erich eint die Oxydation des Ammoniaks durch Ozon 
als einer der wichtigſten Salpeterbildungsprozef ſe in 
der Natur. Jn locern, poröſen Materialien, wo m. 
moniak, Feuchtigkeit und Luft mit tohlenſ aurem Kalk 
oder Kali zuſammentreffen, entſteht S. Auch die lang- 
ſame Verbrennung des Humus veranlaßt, wie die des 
mit Ammoniak befeuchteten Kupfers, die Oxydation 
des Ammoniaks. 
ReineS. HNO, (Salpeterſäuremonohydrat) iſt farb- 
los, raucht an der Luft, iſt ſehr hygroſkopiſch, riet 
ſ{hwach eigentümlich, it außerordentlich äßend und 
erzeugt auf der Haut ſhmerzhafte tiefe 2 Wunden. Das 
ſpezifiſche Gewicht iſt 1,559 bei 0°; ſie erſtarrt bei —50° 
E ſiedet bei 86° unter E Zerſ egunig in 
Stickſtofftetroxyd und Sauerſtoſf. Dabei jt teigt der 
Siedepunkt auf 126°, und es deſtilliert dann eine Säure 
2HNO,-+-3H,0, welde 60 Proz. en 
anhydrid (N„,0,) und 40 Proz. Waſſer enthält (ſpez. 
Gew. 1,42). ©. erwärmt fich beim Miſchen mit Waſſéx. 
Den Oa t ann ©. bei en ſpezifiſchen Ge- 
  
  
100 Teile ent- 
halten 
1100 Teile e ent- 
halten 
N,05 !HNO3 
  
100 Teile ent- 
halten 
N,0;|HNO; 
Spez. 
Gew. N. 
           
  
0,85 
1,62 
3,17 
4,71 
6,22 
1 
9,15 
10,57 
11,96 
13,31 
14,67 
16,00 
17,34 
18,66 
19,98 
21,29 
22,60 
23,90 
25,18 
26,47 
27,74 
1,00 
1,90 
3,70 
5,50 
7,26 
8,99 
10,68 
12,33 
13,95 
15,53 
17,11 
18,67 
20,23 
21,77 
23,31 
24,84 
26,36 
27,88 
29,38 
30,88 
32,36 
1,210 
1,220 
1,230 
1,240 
1,250 
1,260 
1,270 
1,280 
1,290 
1,300 
1,310 
1,320 
1,330 
1,340 
1,350 
1,360 
1,370 
1,380 
1,390 
1,400 
1,410 
28,99 
30,24 
31,53 
32,82 
34,13 
35,44 
36,75 
38,07 
39,39 
40,71 
42,06 
43,47 
44,89 
46,35 
47,82 
49,35 
50,91 
92,52 
54,20 
55,97 
57,86 
33,82 
35,28 
36,78 
38,29 
39,82 
41,34 
42,87 
44,11 
45,95 
47,49 
49,07 
50,71 
52,37 
54,07 
55,79 
57,57 
59,39 
61,27 
63,23 
65,30 | 1,520 
67,50 
59,83 
61,86 
64,01 
66,24 
68,56 
71,06 
73,76 
76,80 
80,65 
81,50 
82,29 
82,91 
83,58 
84,09 
84,46 
84,78 
85,04 
85,26 
85,35 
85,44 
69,80 
12, 
74,68 
77,28 
79,98 
82,90 
86,05 
89,60 
94,09 
95,08 
96,00 
96,76 
97,50 
98,10 
98,53 
98,90 
99,21 
99,46 
99,57 
99,67 
1,512 
br: 
1,518 
  
  
  
  
  
  
  
  
Zur Darſtellung von S. deſtilliert man aus einer 
Retorte Natronfalpeter mit Schwefelſäure, wobei ſhwe- 
felſaures Natron und S. gebildet werden. Der Pro- 
zeß verläuft nah der Gleihung 2NaN0, + H,S0,= 
Na,S0,+2HNO,. Allein es entitedt zunächſt ſaures 
ſchwefelſaures Natron ea wobei nur die Hälfte 
des Salpeters zerſegt wird. Das Natriumbiſulfat 
wirkt aber auf den noh unzerſ feßten Salpeter erſt bei 
jo hoher Temperatur, daß ein 2 Teil der frei EA 
5 in Stiditofftetrogyd N,O, und Sauerſtoff zerfällt. 
Man nimmt deshalb (nicht t ganz) gleiche Moleküle Sal- 
peter und Schwefelfäure, und zwar leßtere von höch- 
jtens von 61° B. Pfannen= oder Gloverturmfäure), weil 
auch die konzentrierte Schwefelſäure zerjegend auf ©. 
wirkt. Nur zur Darſtellung EA vom ſpez. Gew. 
1,5 dient Schwefelſäure von 66° B. Zur Darſtellung der 
LL 
  
  
  
  
  
  
  
  
 
	        
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