1074 Droſte zu Viſchering (Kaspar Maximilian)
dienz — vielleicht die einzige, die es haben werde — fogleich zu benuben, ‘den Kais
ſer ausdrü>li< und dringèndſt zu bitten, dem Papſt ſeine volle Freiheit wiederzu-
geben.“ Der Antrag wurde von vielen Biſchöfen unterſtüßt, und obgleich der prá-
ſidirénde Cardinal Feſch zu erwirken wußte, daß des fraglichen Punktes in der
Adreſſe keine Erwähnung geſchah, ſo hatte der Antrag doch ſehr erhebliche Folgen,
und zunächſt die, daß der Synode die verſprochene Audienz abgeſagt wurde, Auch
de Pradt rühmt, daß der Suffragan von Münſter, „prélat d’une éminenté
piété“, zuerſt Uber die Gefangenſchaft des Papſtes geſprochen. Am 15. Dec.
1825 auf den biſchöflichen Stuhl zu Münfter erhoben, trat er am 10. Jul. 1834
der zwiſchen dem damaligen Erzbiſchofe von Köln und dem königlich preußiſchen Le-
gationsrathe Bunſen am 19. Jun. deſſelben Jahres geſchloſſenen Einigung über
die Angelegenheit der gemiſchten Ehen „unbeſchränkt bei“, na<hdem ihm, wie er
in der Beitrittsurkunde erklärte, „alle darauf ſprechenden Verhandlungen vorgelegt
worden, und er dieſelben in reiflihe Erwägung gezogen, insbeſondere das Breve
vom 25. März 1830 ernſtlich geprüft hatte‘“. Als jedoch die afchaffenburger „Ka:
tholiſche Kirchenzeitung“ unterm 6. Mai 1836 ein Actenftüd veröffentlicht, mel:
ches in der £rierfchen Didcefe einigen Eatholifchen Pfarrern mitgetheilt fein follte
und mehre Beſtimmungen enthielt, die im Weſentlichen mit jener Einigung und
der in Folge derſelben erlaſſenen Jnſtruction übereinſtimmten, ließ D. in Gemein-
ſhaft mit den Biſchöfen von Trier und Paderborn in jene Zeitung unterm 7. Nov.
deſſelben Jahres eine Erklärung einrü>en , daß „jenes Actenſtü> von Anfang bis
zum Ende falſch, kurz, daß das ganze Actenftüd die boshafte Erfindung eines
Verleumders ſei“. Jm folgenden Jahre ſegnete er zu Oldenburg die Ehe des
Königs von Griechenland ein, obgleich derſelbe zuvor feſtgeſtellt hatte, daß alle
ſeine Kinder in der griechiſch - katholiſchen Kirche erzogen werden ſollten. Nach
Entfernung ſeines Bruders von dem erzbiſchöflichen Stuhle zu Köln veröffents
lichte er in der „Allgemeinen Zeitung” eine Erklärung, zufolge welcher er bereits
unterm 20. Sept. 1837 dem Minifter von Altenſtein den Wanſch brieflich aus-
geſprochen habe: „daß dem gegen das Syſtem und die Werke des Profeſſors Her-
mes erlaffenen päpftlichen Breve durch Publication deffelben gefegliche Kraft ver:
liehen werden möge”, und als ihm die päpftliche Allocution vom 10. Dec. 1837
zur Kunde gekommen, zeigte er unterm 2. Jan. 1838 dem Miniſter von Altens
ſtein an , daß auf den Grund jener Anrede, welche die (bereits erwähnte) Conven-
tion und die Inſtruction in Betreff der gemiſchten Ehen ausdrü>li< misbillige, „er
von nun beide al$ aufgehoben befrachte, und das Breve vom 25. März 1830 als
einzige Richtſchnur in Behandlung dieſer Angelegenheit gelten laſſen könne, dürfe
und iverde“‘, Auf dieſe, und ähnliche Erklärungen des Biſchofs von Paderborn und
des Bisthumsverweſers von Trier, verfügte eine königliche Cabinetsordre vom
28, Jan. 1838, „daß Se. königliche Majeſtät die Bifchöfe und ihre Amtsfolger
der durch den Beitritt zur Übereinkunft vom 19. Jun. 1834 übernommenen Ver-
pflihtungen nicht enthebe; es liege im Intereffe der Bifchöfe, durch möglichft milde
Auffaſſung des Breve vom 25. März 1830 dem Geiſte der dieſen Gegenſtand be-
treffenden Übereinkunft treu zu bleiben; dieſe ſei es, die Se. Majeſtät von den Bi-
\chöfen erwarte, ohne Übrigens in der Auffaſſung einzelner Beſtimmungen der
Inſtruction, die dem Gewiſſen der Biſchöfe Überlaſſen bleibe, dieſelben einengen
zu wollen”. Eine officielle Declaration des Oberpräſidenten von Binde vom
20. März diefes Sahres erklärte jene Gabinetsordre naher dahin‘, daß „der katho:
liſche Pfarrer von den Verlobten verſchiedener Confeſſionen ein förmliches Verfpres
chen über Erziehung der Kinder in der katholiſchen Confeſſion weder abnehmen,
Noch ſich ſchriftlich vorlegen laſſen ſolle. Beſcheidene Erkundigungen ſeien ihm nicht
verboten. Trage er dann Bedenken, die Ehe kirchlich einzuſegnen, #0 entſcheide
Uber die Frage: ob der katholiſche Pfarrer die Ehe kirchlich einzuſegnen verpflichtet
ſei, auf Anrufen des Eatholifchen Brauttheils, der Bifchof ausfchlieglich und in