Full text: Kurze Geschichte des Evangelischen Kirchenliedes so wie der Kirche in ihrem Liede, oder Wegweiser durch die guten alten und neueren Gesangbücher

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zerbrochen zu Boden. Ein späterer Kaiser, Theodosius der Große, gab 
um das Jahr 380 ein Gesetz, daß alle Völker sich zu Christo, dem 
Gekreuzigten, bekennen sollten, und daß die, welche das nicht thäten, 
nicht blos göttliche Strafen in der Ewigkeit, sondern auch bürgerliche 
Strafen zu erwarten hätten. Er verbot allen Götzendienst und zerstörte 
alle Götzentempel. 
Schwerer als die leiblichen Verfolgungen waren die geistigen 
sKämpfe, welche die christliche Kirche in dieser Ze (und auch in der 
Folge bis auf die gegenwärtige Stunde) zu beehen thatte, „die Gefahr 
oon den falschen Brüdern“, wie sie Paulus nennt, und schon in seinen 
Briefen so vielfach zu bekämpfen haätte. Es konnte ja nicht fehlen, 
daß viele begabte Männer, wenn sie aus dem Heidenthum sich bekehr— 
ten, noch nicht ganz aufrichtig allen alten heidnischen Sauerteig von sich 
warfen, daß noch hier und dort, wie wir's bei Simon dem Zauberer 
sehen (Apostelg. C. 8), eine Wurzel der Ungerechtigkeit übrig blieb, 
und daß sie dann in irrige Lehre theils selbst geriethen, theils Andere 
verstrickten. Die gefährlichsten unter diesen Irrlehrern waren nun 
nicht sowohl diejenigen, welche heidnische Fabeln unter die Wahrheit 
mengten, als vielmehr die, welche lehrten, Christus sei nicht wahrhaf— 
tiger Gott gewesen, sondern nur ein erleuchteter Prophet; oder die da 
lehrten, er sei wohl wahrer Gott, aber nicht wahrer Mensch gewesen 
J. Joh. 4). Steht doch unser Heil und Seligkeit im Leben, wie im 
Sterben nur darauf, daß wir glauben, der Herr Christus ist wahr⸗ 
haftiger Gott vom Vater in Ewigkeit geboren, und auch wahr— 
haftiger Mensch von der Jungfrau Maria geboren, beides in Einer 
Person. Die Irrlehrer brachten tausende von theuer erkauften Christen 
auf ihre Seite, und die Kirche, die alle Angriffe aus dem Heideunthum 
siegreich bestanden hatte, war eine Zeit lang in großer Gefahr, unter 
diesen innern geistigen Kämpfen zu erliegen. — VDer Herr aber erweckte, 
wie nach Josua die Richter, so in dieser Zeit nach den Aposteln die 
sogenannten Kirchenväter, Männer von großer Frömmigkeit und Gelehr— 
samkeit, welche in vielen Schriften den Irrthum der Ketzer aufdecklen 
und siegreich bekämpften, bis die erste allgemeine Kirchenversammlung 
zu Nicaͤa (325), eine Versammlung von 318 Bischöfen aus der ganzen 
Christenheit, die Lehre von der heil. Dreieinigkeit endgültig festsetzte. 
Das von diesem Concil aufgestellte Glaubensbekenntniß hat Hr. Luther 
in deutschen Reim gebracht in dem Liede: Wir glauben all' an Einen 
Gott *). 
*) Anm. Unter den zu Nicäa Versammelten waren noch Männer zu— 
gegen, die Narben zeigen konnten, welche sie als Märtyrer erworben hatten. 
Auch Constantin d. Gr. wohnte in vollem Kaiserornate den Versammlungen 
bei; aber er nahm einen niedrigeren Sitz ein, weil er als Laie über der Lehre 
nicht zu Gericht sitzen wollte. Der Hauptentscheid der Kirchenversammlung 
war gegen die Irrlehre des Arius gerichtet, welcher lehrte, der Herr Christus 
habe nur göttlichen Namen, nicht wahrhaft göttliches Wesen gehabt und sei dem 
Bater nur ähnlich, nicht gleich von Natur gewesen. Die Versammlung erkannte 
aber sehr wohl, daß, wenn der Herr Christus nicht wahrhaftiger Gott, vom 
Vater in Ewigkeit geboren, wäre, nicht die ganze Welt durch sein Blut erlöst, 
noch der Teufel durch seine Macht bestegt worden wäre; deshalb wurde des Arius 
dehre verworfen, und gegen dieselbige das nicanische Glaubensbekenntniß festge⸗ 
stellt, welches unserm apostolischen sehr ähnlich klingt, und aus welchem spater⸗ 
hin das sogenannte athangfianische entwickelt worden ist. Die Irrlebre ves 
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