Full text: W - Wegzwitschern (13. Band)

903 WAHRHEIT 11 13. 
natur erkennet, dasz uns die täuschung unserer augen 
gleichsam hbetriegt. man sagt auch wahrheit von dem aus- 
drucke und den farben. JACOBSSUN 4, 574°; man sagt von 
einem der natur sehr nahe kommenden gemählde: es seye 
voll wahrheit. F. C. Moser beherzigungen (1761) 13; ein an sich 
gleichgültiger in der natur vorhandener gegenstand, den ein 
mahler nach der völligen wahrheit geschildert hat, macht 
allemal vergnügen. SuLzen theorie der schönen künste? 720; das 
gemälde in der kirche schwebte vor seinen augen: er fühlte 
seine wahrheit noch mehr. MiıLLErR Siegwarl? ı, 42; welch 
meisterwerk von zeichnung ist der körper des gekreuzigten! 
wahrheit bis in die kleinsten theile. HEInse 1, 234 (Ardingh. 3); 
ich habe sehon oben bemerkt, dasz der karakter, der ihm 
mit Praxiteles gemein war (nehmlich, dasz sie sich der 
wahrheit oder der natur mehr näherten als ihre vorgänger), 
dem Lysipp auf eine ganz besondere weise zukam. WiELAND 
24, 210; unter der stirn der streit zwischen schmerz und 
widerstand, wie in einem punkte vereinigt, mit groszer wahr- 
heit gebildet, SCHILLER 10, 161, 17 (vom erhabenen); so flüchtig 
auch seine zeichnung sein mag, so sticht doch der dünkel 
des portraitirten mit zu vieler wahrheit vor, um nicht ähn- 
lich zu sein. v. THÜMMEL reise 10, 255 (1805); seine (des malers} 
bäume hatten wahrheit, aber ein kleinliches blätterwerk. 
GÖTHE 24, 138 (aus meinem leben 1, 3); der original-ausgusz 
von Schillers büste, der eine solche wahrheit und ausführlich- 
keit hat, dasz er wirklich erstaunen erregt. 43, 85 (reise 1. d, 
Schweiz); der zeichner machte ... ein bildcben von mir; für 
mich hat es bedeutung, er hat wahrheit, aber kein geschick 
für's äuszere, wenig menschen finden es daher ähnlich. 
BETTINE briefe 2, 140. 
wahrheit und leben, wahrheit und dasein: beide tafeln 
stellen ebendenselben schwerbewaffneten kriegsmann vor; 
auf der einen ist er in vollem lauf begriffen, auf der andern 
legt er seine rüstung ab, um auszuruhen; in beiden herrscht 
ein so hoher grad von wahrheit und leben, dasz man ihn 
auf jener schwitzen zu sehen und auf dieser keuchen zu 
hören glaubt. WIELAND 34, 84 (Aristipp 2, 14); da Pyginalions 
Elise, die er sich ganz nach seinen wünschen geformt, und 
ihr soviel wahrheit und daseyn gegeben hatte, als der 
künstler vermag, endlich auf ihn zukam. GörTBE briefe 8, 38 
Weim. ausg. 
y) in der dichtkunst. ein gedicht, auch eine schilderung, 
eine charakterzeichnung hat wahrheit, etwas mit wahrheit 
darstellen x. dgl.” freunde denen er (Rousseau) es (das tage- 
buch) vorlas, versichern, dasz er ulle geheimnisse seines 
herzens mit einer fürchterlichen wahrheit entfaltet. Sturz 
l, 171; gerade nur das rührt in Klopstock und wird ewig 
bleiben, was walhrheit ist, menschliche und biblische wahr- 
heit. Herder an Luvuter (aus Herders nachlasz 2, 205); deu 
französischen tragikern macht es ihre angebetete dezenz 
vollends ganz unmöglich, die menschheit in ihrer wahrheit 
zu zeichnen. SCHILLER 10, 151, 21 (vom erhabenen); die trockene 
wahrheit, womit er den gegenstand behandelt, erscheint 
nicht selten als unempfindlichkeit. 10, 446, 27 (über naive u. 
sentim. dichtung); jene individuelle wahrheit und lebendigkeit, 
womit der naive dichter seinen gegenstand schildert, 10, 472, 9; 
Tasso ist ein dichter, oft ein lyrischer und immer ein religiös 
schwärmerischer dichter. hier konnte nun unser verfasser, 
der dies alles ebenfalls ist, mit seiner ganzen individualität 
hervortreten und dem charakter seines helden eine über- 
raschende wahrheit geben, Heine 7, 164 Elster; dabei erzählte 
sie (die märchen frau) belächtig, sicher und ungemein lebendig... 
‚manches ist auf diese weise wörtlich beibehalten, und wird 
in seiner wahrheit nicht zu verkennen sein. Grimm märchen 
L, XIX; 
? blos aufschriften ja sind epigramme , die treue der wahrheit 
aber verleiht ofimals kleinen gesängen gehalt, 
PLATEN 139 (epigr.). 
wahrheit und natur, wahrheit und leben: auch hierinn ist 
Terenz ohne tadel, und er hat alles so vortrefflich motiviret, 
bei jedem schritte natur und wahrheit so genau beobachtet, .. 
dasz man nicht aufhören kann, ihn zu bewundern, LEssING 
7, 320 (Hamb, drumat. 71. stück); 
wir ehren die vernunft, wie Opitz auch gethan. 
warum blieb Lohenstein nicht gleichfalls auf der bahn 
der wahrheit und natur? was hat ihn doch getrieben, 
den wind der Spanier, der Welschen dunst zu lieben? 
GOTTSCHED gyed. (1736) 571, 
du selbst (Gölhe), der uns von falschem regelzwange 
zu wahrheit und natur zurückgeführt. SCHILLER 11,322; 
WAHRHEIT II 13. 904 
tasz nun In unsrem gedicht die äuszern und inneren formen 
;o eng auf einander passen ..., dadurch wird der charakter 
desselben ...: einfachheit , wahrheit und natur. W. v. Hun- 
30LDT über Hermann u. Dorolhea 175. auch in zusammen- 
;etzungen? naturwahrheit (theil 7, 469) , lebenswahrheit w. dgl. 
mit abhängigem genetiv: in folgender stelle gefällt mir der 
schluszgedanke ... wegen der einfalt und einleuchtenden 
wahrheit des bildes. WIELAND suppl, 6, 124; (der hauptpunkt) 
St: dasz es bey sittengemählden dieser art... blosz auf 
wahrheit der darsteliung ankommt. Lucian 3, 366 anm.; ein 
Gesznerischer hirte z. b. kann uns nicht als natur, nicht 
durch wahrheit der nachahmung entzücken, denn dazu ist 
zr ein zu ideales wesen. ScHILLER 10, 488, 6 (über naive u. 
‚enlim. dichtuny); ein individuum wie er musz ... durch die 
ichonungslose wahrheit ihrer naturgemählde beleidigt werden. 
ın Göthe 1. märz 1795 (briefwechsel 1, 123). 
&$) vom vortrag und der schauspielkunst: die rolle der gleich- 
zültigkeit mit vieler wahrheit spielen. AvDELunG; geberden- 
iprache, deren beweglichkeit und wahrheit einen theil der 
yantomimenwunder begreiflich macht. Sturz 1,12; als man 
n einer geselschaft von künstlern vom ausdruck der leiden- 
schaften sprach, so individualisirte er eine nach der andern 
auf seinen} gesicht mit einer fürchterlichen wahrheit. 1, 14; 
bey jenem (dem schauspieler) sollten sie (die hände) „.. durch 
hre beweguugen, als natürliche zeichen der dinge, den ver- 
ıbredeten zeichen der stimme wahrheit und leben verschaffen 
aelfen. Lessing 7, 19 (Hamb. dramat.); so brachte alles diesz, mit 
der lebhaftigkeit und wahrheit der deklamazion und panto- 
nime und mit der schönheit der stimme und des vortrags 
/ereinigt, einen grad von täuschung bey den guten Abderiten 
3ervor, wie sie noch in keinem schauspiel erfahren hatten. 
NIELAND 19, 351 (Abderiten 3,11); er trug das lied mit soviel 
cben und wahrheit vor, dasz es schien, als hätte er es in 
diesem augenblicke und bei diesem anlasse gedichtet. GÖTHE 
18, 204 (W. Meisters lehrj. 2, 11); die forderungen, die wir an 
den schauspieler machen, sind: 1. wahrheit der darstellung 
ünd 2. schönheit der darstellung. nun behaupte ich, dasz 
der Schauspieler, was die wahrheit der darstellung anbetrift, 
alles durch kunst und nichts durch natur hervorbringen 
müsse, weil er sunst gar kein künstler ist; und ich werde 
‚ln bewundern, wenn ich höre oder sehe, dasz er, der einen 
wüthenden Guelfo meisterhaft spielte, ein mensch von sanfıem 
karakter ist. SCHILLER 10,85, 1s. 19 (über anmulh und würde); 
nit hinreiszender wahrheit schilderte sie die tugend Annas, 
hre leiden, ihren tod. Mößıke 2, 287. vom funz: mit welcher 
wahrheit sie (die Länzerin) ihre (der Dafne) verwandlung aus- 
lrückt! WıELANnD 1, 203 (Agathon 4,6); zwar habe ich freilich 
‚on dem eigentlich groszen tanz... noch keinen begriff, 
lie Vigano halte allerdings etwas, das daran grünzte, eine 
yahrheit und natur, die in der that hinrisz. W. v. HuMBoLDT 
ın Körner 68 (1797) Jonus, 
b) wahrheit, wie sie von dem künstler gefordert wird, erhebt 
jich aber über blosze nuchahmung der natur. schon vor G. F. 
EIER, der zuerst von ästhetischer wahrheit spricht (s. wahr 
1, 7, c), wird auf eine wahrheit des künstlers hingewiesen, die 
ıuf beobuchtung und vereiniguny der in der nulur getrennten 
‚chönheiten beruht: also find man under den geschlechten 
ler menschen allerley art die zu mancherley bilden nutz 
zu brauchen sind ... aber das leben in der natur gibt zu er- 
kennen die warheyt diser ding. darum sich sie fleysig an, 
äicht dich darnach, und gee nit von der nalur ..., denn 
warhalfftig steckt die kunst inn der natur, Dürer von mensch- 
icher proportion T 3°; die andere manier der einbildungs-kraflt 
linge hervorzubringen, die sie niemahls gesehen, bedienet 
;ich des satzes des zureichenden grundes, und bringet bilder 
ıervor darinnen wahrheit ist. hierher gehüret das bild, dar- 
ınter sich ein bildhauer eine statue vorstellet, und darin er 
ılles gebracht, was er schönes an der art menschen .. an- 
zemercket. Ca. WoLFF vern, gedancken von goll elc. 117. 
die ästhetische wahrheit erfordert nicht ängstliche nachbil- 
lung der wirklichkeit, sondern beruht auf der bloszen wahr- 
scheinlichkeit oder möglichkeit der durgestellien dinge: die wahr- 
1eit, in soferne sie undeutlich und zugleich schön erkant 
wird, ist also eine schönheit der erkentnis, welche die aesthe- 
ische wahrheit genennet wird (verilas aesthelica). G. F. MEIER 
ınfungsgründe der schönen wiss.? 1 (1754) 54; diejenigen wahr- 
ıeiten, die nicht mit einer volkommenen gewisheit erkant 
werden oder werden können, deren umnrichtigkeit wir aber 
905 
auch 
heiten 
aesthei 
tica). € 
wahrs« 
absolu 
in ch 
(1767) * 
wenn 
zu gen 
(Iris 1. 
stehe‘ 
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des ku: 
und u. 
natur 
wahrh 
wisse] 
überei 
stelluı 
oder ı 
heiten 
der aı 
künste 
sache 
müsse 
binde 
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unsre 
det, ı 
kunst) 
eigens 
sie, € 
schei: 
wahrk 
idee 
sich 
gerät! 
unge 
nicht 
zeine 
lichk: 
lichk« 
musz 
einsti' 
nenn: 
setze 
stud. 
subjec 
ihrer 
zie m 
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Schill 
heit, 
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