Full text: Theogonie und Goetter (1. Band)

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Sicilien, wo solche bald sitzende, bald stehende Figuren, deren Haupt 305 
mit einem grofsen Modius geschmückt ist, während eine Taube auf 
ihrem Schoofse sitzt oder von ihren Händen getragen wird, die ery- 
cinische Venus darstellten‘). In Griechenland bildet die ältere Kunst 
Aphrodite stets völlig bekleidet, häufig auch mit dem Schleier. ge- 
schmückt, der namentlich auf den Bildwerken des fünften Jahrhun- 
derts ”) selten zu fehlen pflegt. Von bedeutenden Künstlern des sech- 
sten Jahrhunderts hat Kanachos (S. 357), von solchen des fünften 
Kalamis, Phidias (S. 357) und Alkamenes die Göttin gebildet, und zwar 
zeigte die auf der athenischen Akropolis befindliche Statue des Kalamis, 
die auch den Beinamen Sosandra führte, die Göttin mit Schleier und 
dichten Gewändern, auf den Lippen ein verstohlenes Lächeln ®), dahin- 
gegen das von Alkamenes für das Heiligihum „in den Gärten“ gefer- 
tigte Cultbild der Urania, das uns die gewöhnlich als Venus genetrix 306 
gedeuteten Statuen veranschaulichen“), mit einem enganschliefsenden 
durchsichtigen Chiton, der von der linken Schulter und Brust herab- 
glitt, und einem leichten von der rechten Hand über die Schulter empor- 
gezogenen Obergewand bekleidet war, während die linke Hand eine 
Frucht hielt. Ihre gröfsten Triumphe aber feierte die Kunst mit solchen 
Bildern der Aphrodite, wo der weibliche Reiz in seiner ganzen sinnlichen 
Wirkung, also bei völliger Entblöfsung erscheinen konnte, wie denn 
besonders seit Praxiteles und Apelles das Bild des liebeathmenden und 
auf der taurischen Halbinsel u, s., meist in Terracotten. Ein alter Typus der 
bekleideten Göttin mit der Taube auf attischen Tetradrachmen b. Beule p. 255, 
mit Taube und Modius s. Bursian Ber, d, sächs. Ges. d. W. 1860, 223, der der 
Aphrodite Spes auf sikyonischen Münzen Alex. d. Gr. Auf paphischen Münzen 
der Kopf der Aphrodite mit der Mauerkrone. 
i) S. Kekule Terracotten von Sicilien t. IL 
2) So auf dem Parthenonfries, Michaelis Parthenon t. XIV 41, den Vasen mit 
dem Parisurtheil, z. B. der des Hieron Gerhard Trinksch. u. Gef. t. XI. XII u. 6. 
Auch die sog. Hestia Giustiniani, die gleichfalls den Schleier trägt, ist wahrschein- 
lich Aphrodite, vgl. Conze Beitr. z. Gesch. d. griech. Plast, 18, der aber von 
dieser Deutung wieder zurückgekommen ist. Ein alterthümlicher Aphrodite- 
kopf in Villa Ludovisi M, d. /. X 1, vgl. Kekule A. d. I, 1874, 38 sqq. 
3) Paus, I 23, 2, Lukian imag. 4. 6, vgl. Preller Arch. Zeit, 1846, 344; 
Michaelis ebend. 1864, 190; Blümner Arch. Stud, zu Lucian 17. 
4) Plin. XXXVI 16, Paus. 119, 2, Luk. Imag. 4. 6. Vgl. Furtwängler a. a. 0. 
413. Die beste Replik der Statue ist die im Louvre befindliche Clarac III 339, 
1449. Eine ausgezeichnete Replik des Kopfes im Berliner Mus. Verz. d. ant. 
Skulpt. 608, abgeb. Mitchell hist. of anc. sculpt. 320. Dieselbe Statue etwas 
amgebildet, mit Schwert an der Seite, aus Epidauros ’Zg, dox. 1886 miv. 13.
	        
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