Full text: Französische Wirtschaftsgeschichte ([5], 2. Band)

—Z — 
gangen. Obgleich der entschiedenste Vorkämpfer des Staats- 
bahnsystems durch Gambettas Tod schon 1882 von der politischen 
Bühne verschwand, ist das Staatsbahnsystem nicht 
wieder aufgegeben worden. 
Hatten vorher die Eisenbahngesellschaf- 
ten ihre finanzielle Leistungsfähigkeit über- 
schätzt, so geriet jetzt der Staat durch sein 
Bauprogramm in Schwierigkeiten. An Stelle der 
Etatsüberschüsse war ein Defizit entstanden, das unter allen Um- 
ständen vermindert werden mußte!). Die neugebauten Linien 
wurden durch die Wirtschaftskrise von 1882 unrentabel, die weitere 
Ausgabe der für die Fortführung des Baues bestimmten 3% 
Amortisationsrente stieß auf Schwierigkeiten. Es wurde deshalb 
durch das Gesetz vom 20o. Nov. 1883 ein mit den Eisen- 
bahngesellschaften getroffenes Abkommen sanktioniert, durch das 
der ganze Bau der 11 485 km neuer Bahnen (des ‚,dritten Netzes“) 
von den Gesellschaften übernommen wurde. An Stelle der 
Staatsanleihen traten z Milliarden von den 
Gesellschaften auszugebende Obligationen, 
dafür wurde die 1859 übernommene Zinsgarantie 
durch einestaatliche Dividendengarantie von 
6—10%, je nach den bisherigen Erträgen, er”- 
setzt. Darüber hinausgehende Überschüsse sollten im Verhältnis 
2:1 zwischen Staat und Aktionären geteilt werden. Das Aufsichts- 
recht der Regierung wurde schärfer geregelt und eine Tarifherab- 
setzung gefordert, die aber erst zusammen mit dem Schutzzoll- 
gesetz vom 12. Jan. 1892 durchgeführt wurde. 
Die Regierung hat dann 1909 nochmals ein- 
gegriffen. Die Staatsbahnen bildeten einen Block im Dreieck 
Tours, Nantes und Bordeaux, der mit Paris nur durch ein Mit- 
benutzungsrecht auf der Orleans- und Westbahn verbunden war. 
Die Westbahn erforderte dauernd erhebliche Zuschüsse und 
deshalb konnte Cle&menceau sie 1909 billig erwerben, 
da der Übernahmepreis auf Grund der Erträge berechnet wurde. 
Die Verstaatlichung der Westbahn ließ nun auch das Staats- 
bahnnetz unmittelbar von Paris ausgehen. Es 
1) Oben S; 310. 
36$
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.