Belastungsannahmen.
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für die Bauausführung ungeeignet. So kann nach Abb. 726 das Zopfende des Brettes
mit dem Stammende a—a die Lage b—b haben, die sich durch sehr einseitige Vertei-
‘ung der Jahrringe kennzeichnet.
Auch Wildschaden kann für die Brauchbarkeit des Holzes von ungünstigem
Einfluß sein. Holz mit durch Wild verursachten Schälstellen ist größtenteils noch von
zuter Beschaffenheit und für den Verbrauch geeignet, sofern nicht schon Erkrankungen
des Holzes veranlaßt worden sind. Bei Insektenschaden muß auch von Fall zu
Fall geurteilt werden. Tiefe Bohrgänge von Käfern machen natürlich das Holz für
den Gebrauch ungeeignet. Bei Holz aus Nonnenfraßgebieten ist Vorsicht am Platze.
Bekanntlich kommen durch Nonnenfraß große Waldgebiete zum Absterben; unter
Umständen kann dann das Holz für den Gebrauch ungeeignet werden.
Die Ausbeute an Holz kann sehr verschieden sein. Bei den auf S. 263 besprochenen Gleisanlagen
in Stuttgart war die Gesamtausbeute an Holz verschiedener Art die folgende (Konstr. 1924, S. 142):
Kiefer vH | Eiche vH
Konstruktionsglieder . . .
Gurte, Bretter. .....
Latten, Ausschußbretter,
Rahmenschenkel, Fenster- |}
HOlZz
Nebenware ....... ZT
Knotenplatten. ..... 32
Brennholz. ....... 14 20
Sägemehl und Hobelspäne . 27 20
Schwund . . 3 1
1. Belastungsannahmen.
Maßgebend für die Querschnittsbestimmung muß immer derjenige Belastungsfall
sein, der den größten Querschnitt ergibt. Notwendig ist die Untersuchung des Ein-
Musses einseitiger Belastung. Die Belastungswerte selbst sind den amtlichen Bestim-
mungen zu entnehmen. Bei Wahl der zulässigen Beanspruchungen ist zu berücksich-
‘igen, ob es sich um einen dauernden oder einen vorübergehenden Bau handelt. Eine
Ausstellungshalle, die einen Winter zu überstehen hat, um im nächsten Jahre noch
ainmal Verwendung zu finden, sollte nicht als ein vorübergehender. Bau angesehen
werden. Dem Winddruck ist ganz besondere Aufmerksamkeit zu
schenken. Für die Mitte der Pfosten, Sparren oder Sprossen, sowie
der Schalungsbretter ist eine Einzellast von 100 kg — bei Vernach-
lässigung von Schnee- und Winddruck — anzunehmen und dem
Momentenwert aus Eigengewicht, Schnee und Wind gegenüber-
zustellen.
Die Windbelastungen sind durch die preußischen Hochbaubelastungsvor-
schriften festgelegt und in der Größe nach der jeweiligen Höhe der betreffenden
Bauwerke bemessen. Die Untersuchung des Winddruckes bedingt oft den gleichen
Baustoffaufwand wie die Gesamtheit der Eigengewichtskräfte.
Bezüglich der Wirkung des Windes gehen die Meinungen auseinander. Es er-
scheint fraglich, ob eine Abhängigkeit des Winddruckes von der Windgeschwindig«-
keit besteht. Unbeantwortet sind auch noch die Fragen, wie die Verteilung des A
Winddruckes auf die Fläche erfolgt, wie der Einfluß der Dachneigung zu berück-
sichtigen sei und ebenso die Größe der Dachfläche. Zweifelsohne spielt die Form “Abb. 727. Zunahme
des Bauwerkes in allen diesen Fragen eine wesentliche Rolle1). der Windgeschwin-
Die bisher bekannt gewordenen Erfahrungssätze für die Größe des Wind- digkeit v mit größer
druckes sind z. T. errechnet worden aus den Wirkungen, welche der Wind an Üerdender Bau-
den Bauwerken hervorgerufen hat. Von irgendeiner einwandfreien Genauigkeit höhe % (Bauing.
kann hier natürlich keine Rede sein, zumal die Art der Bestimmung in den ein- 1924, S, 447).
!) In der Frage der Bestimmung des Winddruckes ist noch mancherlei zu ergründen. Es hat sich
in der Deutschen Gesellschaft für Bauingenieure ein besonderer Ausschuß für Winddruck ge-
bildet, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, alle Erfahrungen der Versuchsergebnisse einheitlich zu bear-
beiten. Das Arbeitsprogramm dieses Ausschusses ist im Bauing. 1924, S. 451 mitgeteilt worden. — Außer-
lem sei auf die Arbeiten der ärodynamischen Versuchsanstalt in Göttingen aufmerksam
yemacht.