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Holz als Baustoff.
Je langsamer aber das Holz trocknet, desto weniger leidet es durch Schwinden
und Reißen.
Risse nach Abb. 725a, b sind Alterserscheinungen. Sie sind nur an der Hirn-
Mäche erkennbar und darauf zurückzuführen, daß sich im Alter der Saftumlauf mehr
ınd mehr vom Mark entfernt. Kernrissiges Holz kann noch als Schnittholz Verwen-
dung finden; für Bauholz kommt weder kern- noch sternrissiges Holz in Betracht.
Bei schalrissigem Holz (Abb. 725c) werden an der Hirnfläche kreisförmige Risse im
Innern erkennbar. Sie werden veranlaßt
durch Bildung ganz dünnwandiger Früh-
lingszellen, die durch Sturm noch mehr ge-
';ockert werden, so daß schließlich die Jahres-
ringe sich voneinander trennen.
Das Schwindmaß spielt für die Berechnung
statisch unbestimmter Binderformen eine große Rolle.
Bemerkenswert sind Untersuchungen, die Professor
Kayser in Darmstadt vorgenommen hat!). Geprüft
wurde die Längenänderung des Holzes bei ver-
schiedener Lagerung. Man stellte bei einer Probe,
die abwechselnd in Wasser lag und dann wieder in einen gleichmäßig erwärmten, trockenen Raum gelegt
wurde, eine größte Längenänderung von 0,14 vH fest, ein Maß, das dem Schwindmaß des Holzes in der Faser-
ichtung vom grünen bis zum lufttrockenen Zustand ungefähr gleich ist. Das in Wasser gelagerte Holz er-
°eichte seinen Rauminhalt, den es in grünem Zustande hatte, wieder, und zwar in etwa 21/, Monaten.
Jarüber hinaus nimmt es wohl noch Wasser auf, ohne aber seinen Rauminhalt zu ändern. Die Längen-
inderungen werden geringer, wenn ein ungehinderter Luftzutritt erfolgt, eine Tatsache, die für Holz-
vauten im Freien, die ungeschützt vor Wind und Wetter sind, besonders bemerkenswert ist. Jedenfalls
weist das für Bauzwecke verwendete, trocken gelagerte Holz geringere Schwindmaße auf, als solche für ge-
wöhnlich in den Tabellen angegeben sind. Bei Tannenholz, das erst nach seiner Trockenlagerung verarbei-
tet wird, kann man mit einem praktischen Schwindmaß in der Faserrichtung von 0,08—0,10vH rechnen.
Bedeutungsvoll ist der Zusammenhang der Festigkeitseigenschaften mit dem
Jahrringbau. Es ist nicht richtig, wenn man sagt, daß das engringige oder fein-
'ährige Holz eine höhere Festigkeit besitze als das weitringige. Für die Festigkeit ist vor
allem der anteilige Gehalt des Spätholzes an der Jahrringbreite maßgebend. Das Spät-
holz wird immer höhere Festigkeiten besitzen, ganz unabhängig von der Jahrring-
breite. Man sollte deshalb in Ausführungsbedingungen für Holzbauten keine Vor-
schriften bezüglich der Jahrringbreite machen.
Man verwende möglichst astreines Holz, obwohl das Astholz selbst eine
höhere Festigkeit aufweist als das Stammholz, und auch das den Ast umgebende
Stammholz zeigt höhere Festigkeiten als das übrige Stammholz.
Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß die Ästigkeit als
eine Störung des gleichmäßigen Faserverlaufes angesehen und
als ungeeignet für größere Ausführungen bezeichnet werden
muß. Namentlich für die auf Zug beanspruchten Bauglieder
st asthältiges Holz von schlechtem Einfluß; vgl. S. 109. Bei
ıntergeordneten und in der Festigkeit nicht voll ausgenutzten
3auteilen braucht man natürlich nicht so ängstlich zu sein.
Man kann schließlich auch die zulässigen Beanspruchungen des
Adolzes von der Stärke des Astwuchses abhängig machen und
hierbei die Tatsache berücksichtigen, daß eine mäßige Anzahl
kleinerer und fest verwachsener Äste bei weitem nicht so un-
günstig ist wie eine Anzahl größerer oder gar lose sitzender
Astansätze. Die letzteren sind von der Verwendung natürlich ausgeschlossen.
Das Holz drehwüchsiger Stämme, d. h. solcher Stämme, bei denen die Holz-
{aser nicht parallel zur Stammachse, sondern schraubenförmig verläuft, sind ebenfalls
&
1) Vgl. Bauingenieur 1921, S. 237.