Full text: Freitragende Holzbauten

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Die geschichtliche Entwicklung des freitragenden Holzbaues. 
und. so einen die Biegungssteifigkeit anstrebenden Bogen bildeten. Ein Bild der 
Verwendung solcher de l’Ormescher Bogen aus späterer Zeit bietet Abb. 331). Die 
de l’Ormeschen Bogen bildeten, nachdem sie — zunächst im wesentlichen ihrer 
Anpassungsfähigkeit an gewünschte Architekturformen wegen — verbreitet worden 
waren, einen Gegenstand lebhafter Aussprachen vor etwa 100 Jahren, als nach 
Beendigung des Siebenjährigen Krieges und der Napoleonischen Kriege eine starke 
Bewegung zur Ersparnis von Baustoffen einsetzte. Diese Bewegung, die übrigens 
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Maßangaben nacıu ur 
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Abb. 35. Wagenschuppen in Bosmont 
(de POrme); vgl. hierzu die Ansicht 
in Abb. 513. 
mit unseren jetzigen Bestrebungen viel Ähnlichkeit hat, zielte zumeist auf eine 
sparsamere Verwendung des Holzes ab. Es wurden damals die verschiedensten 
Vorschläge auf Verminderung der Holzabmessungen bei Fachwerken, auf Einschrän- 
kung des Eichenholzverbrauchs für Bauhölzer usw. gemacht, und unter anderem 
wurden auch Erwägungen über die billigsten und am meisten Holz sparenden Dach- 
lormen und Dachstuhlausbildungen angestellt. Gilly, Böttcher in Göttingen, 
Hesse und noch andere haben sich damals literarisch mit diesen Fragen beschäftigt. 
Um einzelnes hervorzuheben, wurde in diesem Zusammenhange als holzsparend 
gegenüber den bisher üb- 
lichen Legenden Stüh- 
len der stehende Stuhl 
empfohlen, wozu Böttcher 
die Begründung gibt, es 
sei doch offenbar, daß das 
Abstützen eines Punktes 
durch eine gerade Stütze 
weniger Holz bedürfe als 
durch eine schräge. Da- 
mals wurde von ver- 
schiedener Seite, insbeson- 
dere von Gilly, der de l’Ormesche Bogen für landwirtschaftliche Bauten, für 
Scheunen, Brauereien, Speicher u. dgl. empfohlen. In Abb. 34 (s. Böhm, S. 367) 
sind. diejenigen Maßteilangaben angegeben, wie sie Gilly in Vorschlag brachte: Beträgt 
die Lichtweite 10 Teile, so nehme man für die Lichthöhe 6 Teile und für den Bogen- 
radius 7,5 Teile. Bogenabstand etwa 50 cm. Bemerkenswert ist es, wie Böttcher in 
1) Aus Caspar Walter, „„Zimmerkunst“ 1769.
	        
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