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den Flußlauf, seinen als Mühlgraben dienenden Nebenarm und für das ausge—
uferte Hochwasser 310 qm benetzte Querschnittsfläche bietet. Die letzte, noch
oberhalb der Ulstermündung befindliche Brücke des Oberlaufs, die steinerne Wege—
brücke bei Philipppthal, mit 8 zusammen 45,6 mm weiten Oeffnungen kann bei sehr
großem Hochwasser umfluthet werden.
Im Ganzen ist der Oberlauf nebst dem Quellbach an 73 Stellen über—
brückt; von 2,5 bis 3 mm in Nähe des Ursprungs nimmt die Lichtweite allmählich
auf 60 m und mehr zu. Für Eisenbahnlinien dienen 9 Brücken, für Straßen
und Wege 59 Brücken, ausschließlich für den Fußgängerverkehr 5 Stege. Die
Hälfte der Brücken (37) sind in Stein gebaut, 19 mit hölzernem und 14 mit
eisernem Ueberbau auf Steinpfeilern, nur 3 Fußgängerstege ganz in Holz. Von
den Eisenbahnbrücken abgesehen, liegen bei den meisten Brückenanlagen die
Zufahrtwege mindestens streckenweise so niedrig, daß sie vom großen Hochwasser
überfluthet werden können, wie an den erwähnten Beispielen dargelegt ist.
Letztere Bemerkung trifft auch für die meisten Brückenanlagen des Mittel—
laufs zu, deren Zahl jedoch nur 14 beträgt, hiervon 1 Eisenbahnbrücke, 5 Straßen—
und 8 Wegebrücken. Außer der Brücke der Thüringischen Eisenbahn bei Hörschel sind
nur die Straßenbrücken bei Heimboldshausen, Herleshausen und Kreuzburg ganz
in Stein gebaut. 5 Brücken haben eisernen Ueberbau auf Steinpfeilern, 5 Brücken
hölzernen Ueberbau auf steinernen Landpfeilern und hölzernen Mitteljochen.
Oberhalb der Hörselmündung beträgt die Lichtweite der Brücken bei Heimbolds—
hausen, Lengers, Heringen, Widdershausen, Dankmarshausen, Berka, Gerstungen,
Sallmannshausen, Herleshausen und Wartha 30,4 bis 54,8 m und ihr Hochfluth—
querschnitt 154 bis 271 qm. Unmittelbar unterhalb der Mündung ihres wasser—
reichsten Nebenflusses wird die Werra von der Thüringischen Eisenbahn mit einer
gewölbten Brücke überschritten, deren 12 Oeffnungen 139,6 m Lichtweite und 388 qm
Hochfluthquerschnitt besitzen. Im Durchbruchthale liegen die Brücken bei Spichra,
Kreuzburg und Mihla mit 34,0 bis 52,5 mm Lichtweite und 136 bis 231 qm
Fluthquerschnitt. Den für die Abführung des größten Hochwassers nicht aus—
reichenden Flußbrücken kommen zwar bei Spichra und Mihla noch Ueberbrückungen
der Mühlgräben und kleine Fluthbrücken zu Hülfe; jedoch ist bei ungewöhnlich
großen Hochfluthen die Hörscheler Eisenbahnbrücke die einzige, die für ihre Ab—
führung vollständig genügt.“*)
*) Nach einer dankenswerthen Mittheilung aus den Akten des Gothaischen Staats—
archivs haben laut Verzeichniß vom Jahre 1512 damals bereits zwischen Barchfeld und
Kreuzburg, auf welcher Strecke jetzt 20 Straßen- und Wegebrücken über die Werra führen
(außerdem 2 Eisenbahnbrücken und einige Kahnfähren für den Fußgängerverkehr), an
9 Orten feste Brücken bestanden, nämlich bei Barchfeld, Allendorf (oberhalb Salzungen),
Vacha, Heringen, Widdershausen, Dankmarshausen, Berka, Gerstungen und Kreuzburg,
also 8 am letzten Theile des Oberlaufs und 6 am Mittellaufe. Daneben war aber durch
31 Fuhrten, die in Kriegszeiten ebenso bewahrt und bewacht wurden wie die Brücken
und Straßen, für den Uebergang des Landverkehrs gesorgt. Diese große Zahl von
Fuhrten macht verständlich, daß zu jener Zeit der Wasserverkehr erst unterhalb Kreuzburg
beginnen konnte (vergl. S. 373).