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Die architektonische Behandlung kommt nun an den Veranden von mehr
hallenartiger Erscheinung zunáchst an den tragenden Pfosten, sodann an der
Brüstung und an dem oberen Abschluss zur Geltung.
Die Pfosten, denen man früher gern die Gestalt von schlanken Renaissance-
Pilastern gab, wobei die ausladenden Kapitelle und Füsse durch angenagelte
und entsprechend profilierte Leisten hergestellt wurden, werden im modernen
Holzbau wesentlich anders behandelt. Von der Anlehnung an italienische Werk-
steinformen sieht man ganz ab. Kapitelle, Füsse und allerhand Abbindungen
des Sehaftes selber werden durch kräftig unterschnittene Rundstábe, Wulste und
Kehlen angedeutet. Alle Profile sind dabei aus dem vollen Holze heraus-
geschnitten, was weit solider erscheint. Die Stärken dieser Pfosten sind natür-
lich dementsprechend weit grössere, etwa 18 bis 22 cm. Die Hauptwirkung
gewinnen derartige Pfosten dann erst durch die Farbengebung. Allerhand grüne,
rote und rotbraun gebrochene Farbentöne, ab und an wohl auch mit ganz dunklen
Streifen durchsetzt, kommen hier zur
Verwendung. Nuten und rillenartige Aus-
schnitte hebt man durch hellere Farben
hervor, z. B. durch hellgrün oder auch
durch weisslichgelb (Neapelgelb). Vergl.
die Fig. 276 bis 286. In einzelnen Fällen
wird eine Deckleiste dem Kapitell noch
beigegeben, wenn es, wie auch hier der
Fall, den Werksteinformen nachgebildet
ist (Fig. 282 und 284a). Diese an das
romanische Würfelkapitell erinnernde
Form hat sich seit jeher in der Holz-
architektur eingebürgert, so dass sie
eine gewisse Berechtigung dadurch ge-
wonnen zu haben scheint.
Wie man aber hierbei auch ohne
die den romanischen Abakus nach-
ahmende Deckleiste auskommen kann,
zeigt die in Fig. 285 gegebene Lösung.
Sehr beliebt ist es heutzutage,
durch kräftige schräg laufende Kinker-
bungen den Schaft der Pfosten zu be-
leben. Er gewinnt hierdurch das Aus-
sehen der gewundenen oder gedrehten
Säulen, wie sie im Barockstile üblich
sind. Hervorgehoben werden diese Ein-
kerbungen natürlich durch die Farben- EI
gebung (Fig. 274, 276 bis 279). re mes e——
Es mag auch sein, dass gerade diese Behandlung des Schaftes sich ver-
hàltnismássig gut mit den unvermeidlichen Rissen verträgt. Zunächst ist immer
festzuhalten, dass für solche Pfosten nur ausgesuchtes Holz zur Verwendung
kommen darf; denn es macht in der That einen fast komischen Eindruck, wenn
man an zahlreichen Holzbauten sieht, wie die kunstreiche Horizontal-Profilierung
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