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12 Bamberger, Krankheiten der Mund- und Rachenhöhle.
Abscessbildung. Niemals zerfliesst das ganze Exsudat eitrig, sondern im-
mer bilden sich nur ein oder wenige umschriebene Heerde, während der
übrige Antheil resorbirt wird oder sich zum Theile organisirt. Die Abs-
cessbildung findet fast stets in den Tonsillen, weit seltener an den Gau-
menbögen,. an der Uvula oder der hinteren Rachenwand statt. Bei ein-
tretender Abscessbildung bemerkt man an einer umschriebenen Stelle der
Tonsillen eine gelbliche Entfärbung, verminderte Resistenz oder selbst Fluc-
tualion, endlich zeigt sich ein vorspringender Eiterpunkt. Gewöhnlich
platzt der Abscess beim Husten, Räuspern, Gurgeln von selbst und es
entleert sich ein gelblich-grüner oder gelbröthlicher, anfangs consistenter,
später dünnerer Eiler in verschiedener, doch meist nicht sehr beträcht-
licher Menge. Nicht selten geschieht die spontane Eröffnung im Schlafe
und der Eiter wird ohne Wissen der Kranken herabgeschluckt oder durch
den Mund entleert. Manchmal aber fliesst er in die Kehlkopfhöhle herab,
und kann heflige und gefährliche Suffocationsanfälle herbeiführen, wess-
halb er stets wichtig ist den Abscess zeitig zu eröffnen. Selten geschieht
es, dass der Eiter sich zwischen das Halszellgewebe senkt und zu Fistel-
gängen Veranlassung gibt, was in der Regel nur bei gleichzeitiger Entzün-
dung des Halszellgewebes der Fall ist; doch beobachtete Londe einen
tödtlichen Ausgang durch Eitersenkung in der Brusthöhle; Andral sah
den Tod durch Verschwärung des Kehlkopfes und Glotlisoedem erfolgen.
Mayo beobachtete Arrosion der Arteria lingualis. Bildet sich der Abs-
cess am Pharynx, so können die Wirbel cariös zerstört werden. Nach
Bouillaud sollen Blutgerinnungen in den Venen entstehen, die sich
selbst bis zum Herzen fortpflanzen können.
Mit der Entleerung des Abscesses tritt fast immer auffallende und
plötzliche Besserung ein, der Schmerz lässt nach, das Schlingen wird wie-
der möglich, die Entzündung der übrigen Schleimhaut zertheilt sich allmäh-
lich, aus der Abscessöffnung entleert sich meist nach einigen Tagen dünnerer
Eiter, endlich schliesst sie sich und heilt mit Hinterlassung einer unschein-
baren, an der unebenen Oberfläche der Tonsillen oft schwer erkennbaren
Narbe. Eine mehr oder weniger beträchtliche Anschwellung und Ver-
grösserung der Tonsille bleibt aber fast steis durch längere Zeit, manch-
mal selbst für immer zurück.
Nicht selten geht auch die Krankheit in den chronischen catarrha-
lischen Zustand des Rachens und Pharynx über. Es zeigen sich dann
jene Symptome, die bei der chronischen Form der erythematösen Rachen-
entzündung erwähnt wurden, nur ist gewöhnlich die Hypertrophie der
Tonsillen, besonders nach öfters wiederholten phlegmonösen Entzündungen
eine bedeutendere. Das Schlingen ist unter solchen Umständen nicht oder
nur wenig erschwert, aber eine reichliche, schleimige oder schleimig-eitrige
Secrelion manchmal eine wahre Blenorrhoe des Rachens und Pharynx
vorhanden. Die Stimme ist oft etwas verändert, die Kranken werden bei
der geringsten Anstrengung der Sprechorgane, bei der leichtesten Verkäl-
tung oder Witierungswechsel leicht heiser und bekommen dabei Schmer-
zen im Rachen und Austrocknung desselben, sie müssen häufig räuspern
und entleeren besonders des Morgens manchmal mit Würgen und Erbre-
chen zähe, graugelbliche oder gelblichgraue Schleimmassen, und behalten
eine grosse Disposition zu neuen acuten Anfällen der Krankheit. Die
nach solchen Entzündungen rückbleibende Vergrösserung und Verhärtung
der Tonsillen ist oft die Ursache von Schwerhörigkeit (durch Verschlies-
sung der Mündung der Eustachischen Ohrtrompete), von einem unangeneh-
men näselnden Klang der Stimme, von Schlingbeschwerden und selbst Be-
einträchtigung des Athmens. Bei kleinen Kindern sah Balassa in Folge