Mercurielle Entzündung. 33
Spitälern zur Zeit der Herrschaft des Hospitalbrandes, bei anderweitig her-
abgekommenen und kachectischen Individuen beobachtet. In manchen
Fällen, wo die gangränöse Zerstörung noch nicht weit gediehen war, wo
es gelingt, der weiteren Verbreitung derselben Schranken zu setzen und
die Kräfte des Kranken zu heben, kann noch Heilung eintreten, indem die
gangränösen Partieen abgestossen werden und auf dem Grunde derselben
und in ihrer Umgebung eine gutarlige Eiterung eintritt, doch werden durch
die hinterlassenen tiefgreifenden Narben manchmal Entstellungen und Ver-
ziehungen des Gesichts, Verwachsungen der Wangenschleimhaut mit dem
Zahnfleische und Beschwerden der Mastication bedingt.
$. 47. Die durch Salivation entleerte Mundiflüssigkeit, deren Menge
bis zu vielen Pfunden des Tags über steigen kann ist so wie der normale
Speichel ein Gemenge des Secrets der Mundschleimhaut und der Spei-
cheldrüsen, im Anfange der Krankheit soll nach Lehmann das erstere,
später das letztere überwiegen. Sie stellt eine etwas zähflüssige, schwach-
schaumige, anfangs trübe, später etwas klarere, grauweisse oder opalisi-
rende, manchmal durch beigemengtes Blut schwachröthlich gefärbte Flüs-
sigkeit von fadem oder eckelhaftem Geruch dar. Das specifische Gewicht
übertrifft stets das des gesunden Speichels. Die chemischen Untersuchun-
gen von Gmelin, Thomson, Bostok, Simon, Wright, L’Heritier
und Lehmann siimmen im Wesentlichen darin überein, dass der Spei-
chel der Mercurialsalivation sich durch einen höheren Gehalt von Fett,
Schleim und Eiweiss auszeichnet. Seine Reaction ist meistens alkalisch
(ausnahmsweise saure Reaction, die ich in einigen Fällen sah, schien von
Fettsäuren herzurühren). Nebst dem geringen Gehalt an eigentlichen Ptya-
lin, ist insbesondere die bedeutende Verminderung, gewöhnlich sogar die
vollständige Abwesenheit des Rhodankaliums um so mehr von Interesse
als diess bei physiologischer Vermehrung der Speichelsecrelion keines-
wegs der Fall ist. Nach Kletzinsky findet sich als Zersetzungsproduet
desselben stets Ammoniumsulfhydrat (und Spuren von Harnstoff) vor, und
scheint das erstere wohl die Ursache des widerlichen Geruchs der ent-
leerten Massen zu sein. Charakteristisch und von diagnostischer Wichtig-
keit ist für diese Form des Ptyalismus die Gegenwart des als Albuminat
vorhandenen Quecksilbers *).
Das die Mundhöhle bedeckende Exsudat unterscheidet sich seinen
mikroskopischen Bestandtheilen nach nicht wesentlich von dem croupösen
oder diphtherilischen. Man findet nebst zahlreichen Epitelien: Kerne, Zel-
len, Fetitröpfehen,, moleculäre Massen und nicht selten Blutkugeln. Den
Hauptbestandtheil bilden meist Eiterkörperchen und diesen ähnliche Zel-
len. Einige Male fand ich in demselben auch Sporen und Thallusfäden in
beträchtlicher Menge, die jedoch gewiss keine specifische Bedeutung ha-
ben, sondern als zufällige, die Zersetzung begleitende Erscheinung anzu-
sehen sind.
*) Der Nachweis des Quecksilbers gelingt am leichtesten auf galvanischem Wege. Ein
mit verdünnter Schwefelsäure gefülltes ein einfaches Kupfer-Zinkelement enthalten-
des Gefäss wird mit dem, die zu untersuchende, vorher mit Salzsäure schwach
angesäuerte Flüssigkeit enthaltenden Glasgefässe derart verbunden, dass die an
das einfache Element befestigten Metalldrähte in die zu untersuchende Flüssigkeit
eingetaucht werden. ‘In das freie, eingetauchte Ende des vom Zinkpole ausge-
henden Drahtes wird ein kleines blankes Kupferplättchen befestigt, an welchem
sich nach 12—24 Stunden das Quecksilber als weisser Spiegel EN ei» der
durch Erhitzen über der Weingeistlampe wieder verschwindet.
Spec. Path. u. Therap. Bd. VI. Abth.1. 3