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852 NUSSBAUM,
Aufgabe heranzugehen, desto schwerer wird das Versäumte nachzuholen
sein. Dieselbe muß als volkswirtschaftliche Notwendig-
keit angesehen werden, deren Triebfeder weit weniger
das Mitgefühl für die wirtschaftlich schwächeren Mit-
bürger als der Erhaltungstrieb der wirtschaftlich
stärkeren ist oder doch sein sollte. Denn gelingt es nicht
in kurzer Frist Mittel und Wege zu finden, welche wenigstens das
Allernotwendigste in dieser Hinsicht erfüllen lassen, dann wird eine
stete Lohnerhöhung die unabweisliche Folge sein. Die mittelbar hier-
durch hervorgerufene Geldentwertung hat der weitaus größte Teil aller
Kulturstaaten zu fürchten, zum mindesten werden durch sie vorüber-
gehend schwere Schädigungen der auf ein fest bestimmtes Einkommen
angewiesenen Leute herbeigeführt werden.
Zur Beschaffung preiswerter Wohnungen für den wirt-
schaftlich schwächsten Teil der Bevölkerung sind bisher verschie-
dene Wege eingeschlagen, die jedoch nicht alle in gleicher Weise von
Erfolg gekrönt waren. Wenn es auch an dieser Stelle zu weit führen
dürfte, jene Arten des Vorgehens und die mit ihnen gemachten Er-
fahrungen eingehend zu besprechen, so erscheint doch eine knappe
Angabe derselben erforderlich, um die sicher zum Ziele führenden Wege
erkennen und künftig betreten zu können.
Am thatkräftigsten und erfolgreichsten sind bislang in dieser Rich-
tung die größeren Werke vorgegangen, welche in kleineren Orten
oder völlig abgesondert — ein eigenes Gemeinwesen bildend — gelegen
sind. Sie bieten in richtiger Erkenntnis des eigenen Vorteils ihren
Angestellten und Arbeitnehmern nicht selten alles, was für deren körper-
liches und geistiges Gedeihen förderlich ist.
Im allgemeinen stellen die Arbeitgeber die Woh-
nungen her, behalten dieselben dauernd im Besitze und
vermieten sie an ihre Arbeitnehmer oder stellen sie
denselben unentgeltlich zur Verfügung. In der über-
wiegenden Mehrzahl der Fälle würde eine Entäußerung
der Wohnungen an die Arbeitnehmer dahin führen, daß
die Wohnungen ihrem ursprünglichen Zwecke entzogen
werden, und dem Werke hierdurch die unwillkommene Aufgabe er-
wachsen, stets von neuem für geeignete Unterkunft seiner Leute Sorge
tragen zu müssen. Es würde ferner die Gefahr entstehen, daß sich
allmählich für diesen Zweck brauchbares Bauland in der Nähe der
Arbeitsstätten nicht mehr oder nur zu hohen Preisen beschaffen läßt.
Nur dort, wo ein einzelnes Werk fern von anderen Arbeitsgelegen-
heiten errichtet wird oder eine durchaus seßhafte Bevölkerung seit einer
Reihe von Jahren im Dienste einer bestimmten Industrie (z. B. des
Bergbaues oder der Forstwirtschaft) steht, bietet sich Gelegenheit, die
Grundstücke oder wenigstens die Gebäude in den Besitz der Bewohner
übergehen zu lassen, ohne das Eintreten jener Mißstände befürchten zu
müssen.
In dieser Richtung wirken seit einer Reihe von Jahrzehnten die
größeren staatlichen Bergwerke Preußens in segenbringender
Weise und vermögen infolge der Eigenart der hierbei in Frage kom-
menden Bevölkerung auf durchaus günstige Erfolge zurückzublicken.
(Vergl. Meißner, Füller und Saeger im 8. Bd. und Knauff und
Weyl im 6. Bd. dies. Hdbchs.)
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