Full text: A bis Arad (Band 1)

   
    
Afrika 
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völkern zu erzielen, und es bleibt wol iiberhaupt zweifelhaft, ob die äthiop. Raſſe im ganzen 
auf eine höhere Culturſtufe gehoben werden könne. Bei den hellfarbigen Nordafrikanern ift 
die arab. Bildung tiefer eingedrungen; unter den Tuareg z. B. beſchäftigen ſi<h ſelbſt die 
Frauen der höhern Stände mit Literatur und Muſik. Das Chriſtenthum, das vor der Mitte 
des 7. Jahrh. über ganz Nordafrika verbreitet war, hat ſi nur in verzerrter Geſtalt in Abyſ- 
ſinien erhalten; ſonſt wurde es überall von dem Islam ausgerottet. Erſt in neuerer Zeit ge- 
gr 
wann es durch die europ. Anſiedelungen an den Küſten wieder einigen Boden. Juden gibt es 
beſonders in den Atlasländern, in Aegypten und Abyſſinien in größerer Anzahl. 
An geiſtigen Fähigkeiten ſtehen die Neger und negerartigen Völker den übrigen Bewohnern 
As entſchieden nah. Roheit, Sinnenluſt, Trägheit, Vorherrſchen des Thieriſchen vor dem 
Geiſtigen überwiegen bei ihnen; doch entbehren ſie nicht der induſtriellen Geſchi>lichkeit. AU- 
gemein ift das Inſtitut der Sklaverei; nur tritt daſſelbe im Junern in milderer Form auf. 
Die Sklaverei gibt Veranlaſſung zu fortwährenden Fehden und Naubzügen, macht friedliche 
fociale Zuftände unmöglid), und wird namentlich in der Nähe der Ki 
ten wie an der Grenze 
des Islam, wo Sklaven zur Ausfuhr begehrt werden, zum fur<tbaren Fluche. Sklaven 
ſind ſeit den älteſten Zeiten bisjet der Hauptausfuhrartifel des Negerlandes. Nur dieſer 
gewinnreiche Handel unterhält Hauptfächlich den Karavanenverfehr durch die Sahara, er ver- 
lot Europäer, Amerikaner, Araber und andere Drientalen zır großen Unternehmungen am 
obern Ni, in den Ländern an der Oftküfte, von wo noch alljährlich ungefähr 19000 Sklaven 
nah Zanzibar gebracht werden. Beſonders großartig war ehedem die 
Amerika an der Weſtküſte. Obſchon England die größten Anſtrengungen gemacht hat, dieſen 
Menſchenhandel zu unterdriü>en, werden doch von der Weſtküſte aus jährlih noc viele Tauſende 
von Negern über den Atlantiſchen Ocean geſchleppt. Die Entwi>elung eines legitimen Han- 
dels iſt ohne Zweifel das ſicherſte Mittel, um den Sklavenhandel allmählich auszurotten, und 
namentlich verſpricht in dieſer Beziehung der Aufſhwung, welchen in neueſter Zeit der Palm- 
ölhandel an der Küſte von Guinea genommen, die beſten Erfolge. Schon 1823 wurde von 
der American-Coloniſation-Society an der Weſtküſte die Negerrepublik Liberia (f. d.) gegrün- 
det, welche (nah K. Ritter's Ausſpruch) das Eingangsthor einer beginnenden Civiliſation 
für die ſhwarze Bevölkerung von A. werden ſollte. Man brachte Tauſende befreiter Sklaven 
aus Amerika und von gekaperten Sklavenſchiffen in die Colonie, welche die ſociale Grundlage 
für den neuen Staat bildeten. Iſt der Aufſhwung dieſes philanthropiſhen Werkes bisher 
auch weniger rafch und glänzend vor fich gegangen, als man erwartet hatte, ſo darf doch der 
Einfluß deffelben nicht unterfchägt werden. Die Gründung des Staats Liberia hat weſentlich 
dazır beigetragen, den Mienfchenhandel von Cap Lahu bis nah Sierra-Leone: hin verſhwinden 
zu machen. Soweit die Einwirkung Liberias reicht, ſind die innern Kriege beigelegt und die 
Völker der Civiliſation und dem Chriſtenthum entgegengeführt worden. Troß der verjchieden- 
artigen Beſtandtheile, aus” denen die Bevölkerung der Colonie zuſammengeſetzt iſt (etwa 12000 
eingewanderte Ameriko -Liberianer und 250— 300000 Eingeborene verſchiedener Stämme), 
herrſcht ein Grad von Ordnung, Ruhe und verhältnißmäßigem Wohlſtand, der alle Anerken- 
nung verdient. Außer Sklaven und Palmdl find afrif. Hauptausfuhrartifel; Elfenbein, das 
no< immer in großen Quantitäten erbeutet wird, Gummi, Straußenfedern, deren hoher Preis 
ſogar den Transport durch die Wüſte verträgt, Gold, Pfeffer und andere Gewürze. Für den 
innern Handelöverfehr ift neben Induftrieerzeugniffen, wie baummollene Kleidungsitüce, Leder- 
und Eiſenwaaren, von größter Bedeutung das Steinſalz, das von feinen Fundſtellen (Vilma, 
Taodenni, Sebcha Jdjil, Teghaſa u. |. w.) aus durd) große Karavanen weithin verführt wird 
und eins der allgemeinſten Tauſchmittel abgibt. Andere Tauſchmittel ſind beſonders: Baum- 
wollſtreifen, Hemden, Eiſenwaaren, Glasperlen, Muſcheln (Kauris), Durra und andere Lebens- 
mittel. Gemünztes Geld curſirt, außer in den Colonien und dem türk. Gebiet, nur im öſtl. 
und einigen Theilen des mittlern Sudan ſowie in Abyſſinien und am Rothen Meer, und zwar 
nur der Mariä - Thereſiathaler. 
flavenausfuhr nach 
Geſchihtlihes. Entde>ungsreiſen. Wie wir in unſerm Jahrhundert die aus- 
gedehnten Fellatahreiche im weſtl. Sudan errichten, den Negus Theodor faſt ganz Abyſſinien 
unterwerfen, die Hottentotten und Betfchuanen von ©. weit gegen N. vordringen, die Fran- 
zofen Algerien erobern, das titrf. Gebiet am Nil fich über den öftl. Sudan ausdehnen fahen, 
ſo hat A. zu allen Zeiten ein bewegtes Bild von Kämpfen, ſtaatlichen Umwälzungen und Völfer- 
wanderungen gegeben. So erſcheinen z.B. am Niger die Neihe Ghanata (300—1200 n. Chr.), 
Melle (1200—1488) und Sonrhay nacheinander als mächtige, weithin erobernd umſichgrei- 
   
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
    
 
	        
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