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mit auf den Neichstag nad) Worms und 1497 auf jenen von Lindau. Dem Kriegsgefchäft
aus Neigung und Gewohnheit zugethan, diente ev anfangs dem Kurfürften Sriedrid) von Branr
denburg, hierauf, als zwiſchen Rupert von der Pfalz und Albreht V. von Baiern - München
der landshuter Succeſſionskrieg ausbrach, ſuchte er hier ſeinen heißen Durſt nach kriegeriſchen
Thaten zu befriedigen, trat aber, ſeinem Rechtsgefühle folgend, nicht auf die Seite der Pfalz,
ſondern zu Albrecht's Partei. In dieſem Kampfe war es, wo er bei der Belagerung von
Landshut die rehte Hand verlor, die künſtlich durch eine eiſerne, die jezt noh in Jagſthauſen
gezeigt wird, erfegt wurde, AS dur Kaiſer Maximilian I. der allgemeine Landſriede zu
Stande gekommen war, zog ſih B. auf ſein Schloß zurü>. Deſſenungeachtet gerieth er bei
dem unruhigen Geiſt der damaligen Zeit mit ſeinen Nachbarn, den Neichsſtädten am Ne>ar
und den Burgrittern am Kocher, auch jezt wieder in immer ſih erneuernde Händel und Feh-
den, in denen er ſtets ebenſo viel Tapferkeit als ritterlichen Biederſinn zeigte. 1519 ſtand
er dem Herzog Ulrih von Würtemberg gegen den Schwäbiſchen Bund bei und vertheidigte
Mö>mühl. Nach tapferfter Gegenwehr bedingte er fich freien Abzug, der ihm auch zugeſagt
wurde. Allein verrätherifcherweife wurde er überfallen, gefangen genommen und nad) Heil-
bronn geſchleppt, und erjt 1522, nad) Austellung einer Urfehde und Bezahlung eines Löſe=
geldes, erhielt ew ſeine Freiheit zurü>. Auch am großen Bauernfriege, 1525, nahın er, wie er
ſelbſt jagt, gezwungen thätigen Antheil und wurde, weil er bekannt war als ein Freund der
Freiheit und Beſchützer der Nechte des Volks, zum Hauptmann gewählt und Oberſtfeldhaupt-
mann der Bauern genannt. Als ſolcher verhütete ex viel Unglü>, indem er mit perſönlicher
Aufopferung dem Morden und Brennen der zügelloſen Schar Einhalt that. Der dem unglüd-
lichen Ausgange dieſes Kriegs war er zwar anfangs entkommen. Als er aber ſodann, auf Ein-
ladung des ſ{<hwäb. Bundeshauptmanns Truchſeß, nah Stuttgart ritt, überſielen ihn unter-=
wegs Bündiſche, warfen ihn nieder und nahmen ihm das Gelübde ab, ſih vor dem Bunde zu
ſtellen, ſobald er gefordert werde. Er ſtellte fich auch wirklich, troß des Abrathens jeiner
Freunde nah Augsburg, woſelbſt er zwei Jahre in Haft blieb. Endlich, am Freitag nah
St.-Kunigundentag 1530, wurde das Urtheil gefällt, der Gefangene losgeſprochen und ent-
laſſen, nachdem er vorher den Eid abgelegt, auf Schloß Hornberg gleichſam ſein eigener Ge-
fangener zu ſein. Er ſollte die Markung nie verlaſſen, nie mehr ein Pferd beſteigen, keine
Nacht außer dem Schloſſe zubringen, ſih an niemand des Gefängniſſes halber rächen, auh
ſeine Freunde nie dazu brauchen, im Falle dex Verleßungen dieſer Bedingungen aber ſih zu
einer Geldbuße von 25000 Fl. anheifchig machen. Zudem ſollte er wegen des zugefügten
Schadens Mainz und Würzburg Genugthuung leiſten. Viele ſeiner Freunde verbürgten
fich mit Hab und Gut für Erfüllung des Vertrags. So lebte nun Göß von B. 11 9. und
ſah ſich erſt nah Auflöſung des Schwäbiſchen Bundes begnadigt. 1541 forderte Kaiſer Karl V.
den tapfern Ritter auf, mit 100 Reitern zu den kaiſerl. Fahnen zu ſtoßen, um gegen Sultan
Soliman zu fechten. Göt ſammelte auch einige hundert wohlgerüſtete Krieger, darunter viele
vom Adel, die um die Ehre wetteiferten, unter ſeiner Führung zu kämpfen. Drei Jahre darauf
zog er mit den Kaiſerlichen gegen König Franz I. uach Frankreich, half St. = Dizier in der
Champagne belagern und rüd>te bis Château-Thierry. Nah Abſchluß des Friedens von Crespy
(18. Sept. 1544) zog er ſih auf Schloß Hornberg zurü>, wo er ſeine lezte Lebenszeit in Ruhe
verbrachte. Er ſtarb 23. Juli 1562. Obſchon er der Neformation zugethan war, wurde er
doh im Begräbniß der Familie im Kreuzgange des Kloſters Schönthal beigeſeßt, wo er auch
ein fchönes Denkmal hat. Er hinterließ eine von ihm ſelbſt verfaßte Lebensgeſchichte (zuerſt
von Piſtorius, Nürnb. 1731, ſeitdem ſehr oft herausgegeben), die als ein treues Gemälde des
geſelligen Lebens und der Sitten jener Periode des Mittelalters zu betrachten iſt. Goethe ent-
nahm daraus den Stoff zu ſeinem berühmten Erſtlingswerke «Göß von B,», wih aber von
der hiſtor. Wahrheit mannihfah ab. — Das Geſchlecht der Herren von B. blüht noh
gegenwärtig in zwei Linien, in der zu Jagſthauſen und in der zu Noſſach, von denen die leßtere
Göß von B,, die erſtere deſſen Bruder, Hans von B. (geb. 1476, geſt. 1553), zum Ahnherrn
hat. Die Linie Jagſthauſen wird gegenwärtig durh den Freiherrn Göh von B,, geb. 7. Jan,
1811, repräſentirt, während die Linie B.-Roſſach den Freiherrn Karl Guſtav Göbß von B,,
geb. 20. Nov. 1819, zum Haupte hat. Der Bruder des leßtgenannten, Friedrih Wolf-
gang Gößt von B,, geb. 26. Juni 1826, Major in der Armee und Abgeordneter des grund-
herrlichen Adels in der bad. Erſten Kammer, wurde 17. Juli 1859 in den würtemb. Grafenſtand
erhoben und hat ſich literariſh durch eine urkundliche «Geſchichte des Ritters Göß von B. und
ſeiner Familie» (Lpz. 1861) bekannt gemacht.
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Converſations - Lexiko