Full text: A bis E (1. Band)

645 Deutſche Literatur im Auslande 
fleißigen und verdienſtlihen Freundin und Verpflanzerin deutſcher Poeſie, Eduige 
be Scolari(f.d.) in Verona, die „Iigenia in Tauride“ (Verona 1832), bie 
Treue und genaues Studium des Originals mit Feinheit und Geſchma>> des Aus- 
dru>s vereinigt. Jhr ſchließt ſich als Anhang die ſchon früher auf einem Flugblatte 
gedrudte „Canzona del brav’ uomo, ballata di Bürger“ an, welche, obwol im 
Ganzen etwas zu breit ausgefallen, doch in manchem Einzelnen nicht minder ver: 
dienſtlich iſt. Eine neue Poeſie wird ſich auch in Stalien an der deutſchen anzu- 
zünden beginnen, und daß die italieniſchen Dichter in dieſer Hinſicht auf dem 
richtigen Wege ſind, beweiſt ihr vorzugsweiſes Anſchließen an die deutſche Ro- 
mantik, der ſie ſih gegenwärtig immer lebhafter zuwenden. — Nach Spanien iſt, 
ſo viel uns bekannt geworden, nur der „Fauſt“ durch eine Überfegung übergegan: 
gen, die, ſeltſam genug, in Amerika durch einen Creolen aus Havanna angefertigt 
wurde. Der „Fauſt“ wurde auh ins Schwediſche übertragen, fowie die „Jphiz 
genia“ ins Neugriechiſche , ‘ lebtere duch Johannes Papadopulos. Wir tiber: 
gehen die namentliche Anführung von Überfegungen Göthefcher Werke in andere 
Sprachen. Göthe's Wort und Name iſt faſt zu allen Völkern gedrungen, und 
ſelbſt die Chineſen ſollen Scenen aus „Werther's Leiden“ auf ihren Glasgemälden 
darſtellen. Auch der Tod unſers Meiſters hallte im Auslande bedeutſam wieder, 
und die Fremden ſtellten tiefſinnige Betrachtungen über das Dahinſcheiden eines 
Mannes an, dem nicht nur die Seinigen aus feinem Volke, fondern auch die 
duch Nationalität und Sprache von ihm Getrennten einen unfchägbaren Theil ih: 
rer Bildung verdanken. Wir nennen hier nur den Aufſaß von St.-Marc Girardin 
über Göthe’s Tod im „Journal des débats“. 
Neben Göthe nennen wir hier, wie billig, ſogleih auch S Hiller in feinem 
literariſchen Verhältniß zum Auslande. Auch ihm find von vielen Seiten her 
) Überfegungen zu Theil geworden, am tiefſten haben jedoch ſeine Schriften ohne 
/ Zweifel in die franzöſiſche Literatur eingegriffen , ‘und es läßt ſich nicht verkennen, 
daß die neueſte romantiſche Schule der Franzoſen ihren Anhalt und Ausgangs- 
punkt, ja ihre eigentlichſte geiſtige Nahrung aus ihrem enthuſiaſtiſchen Studium 
der Schillerſchen Dramatik: entnommen. Schon lange vor dieſer Periode wider- 
fuhr ſeinem „Wallenſtein“ eine in manchem Betracht geiſtreiche Bearbeitung, in 
Frankreich durh Benjamin Conſtant de Rebecque, unter dem Titel: „Wallstein, 
tragedie en cing actes et en vers, précédée de quelques réflexions sur le 
théâtre allemand, et suivie de notes historiques“ (Paris 1809). Dev Überſeger 
nahm ſich jedoch zu viel Freiheiten mit dem Original, das er wol zu ſehr nach fran- 
zöſiſch-claſſiſcher Theaterregel anſah, obwol man den Anderungen, die er damit vor- 
genommen, durchaus nicht nachſagen kann, daß ſie des deutſchen Dichters Geiſt 
und Charakter als ſolchen gefährdet hätten. Dies muß aber von der neueſten, völlig 
verunglü>ten Bearbeitung des „Wallenſtein“ von P. Ch. Liadières (Paris 1829) 
gelten, in der von Schiller ſelbſt keine Spur wahrzunehmen iſ. Der Überfeger ging 
nämlich von der Meinung aus, daß die „Nacktheit des Hauptcharakters“ einer ei- 
gentlichen „dramatiſchen Färbung“ entbehre, und entfi chloß ſich deshalb aus chriftli= 
cher Keirmberzigkeit, fich der Blöße Waltenftein’s anzunehmen und ihn „mit einem 
wenig mehr ritterlicher Phyfiognomie” zu bekleiden, wie er ſich ſelbſt daruber offen 
ausſpricht. Er machte den Schiller ſchen Wallenſtein daher nicht nur zu einem re- 
nommirenden franzöſiſchen Theaterhelden, ſondern zog auch die ganze Tragödie ein- 
fach in fünf Afte zuſammen, aus dem Grunde, weil ſie als Trilogie, ſowie ſie da ſei, 
‘nur dem deutſchen Phlegma erträglich ſcheinen dürfe. Mit dieſem abgefhmacten 
Verfahren des Franzoſen kann nur das treffliche Urtheil ausföhnen, das andere geift: 
reiche Männer in Frankreich: über den „Wallenftein“ haben laut werden laſſen, be- 
ſonders auh Benjamin Conſtant ſelbſt in ſeinen,,Mélanges de littérature et de 
politique“, worin ex eine tief eingehende Entwicefung der Schilferfchen Trilogie 
 
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.