Full text: Die Thonwaaren-Industrie (Heft 24)

  
6 Dr. Emil Teirich. 
fchon Eingangs erwähnt, die Terracotta damals verwendet. Farbige Terracotten 
fchmückten die Balken und fonftigen Theile des noch archaiftifchen 7 empels von 
Metapont. Die Wände des Palaftes des Königs Maufolus in Halikarnallus waren 
allerdings nur aus ungebranntem Ziegelmateriale ausgeführt, aber immer rein 
geglättet und wahrfcheinlich mit enkauftifchem Firnifs überzogen. Jedenfalls 
fand die polychrome Behandlung des gebrannten Bauornamentes ftatt. Oft finden 
wir die glatten Glieder des Gefimswerkes, theils auf der Töpferfcheibe erzeugt, 
theils gezogen und mit Ergänzungsformen bemalt. er 
Semper nennt die Terracotta in ihrer häufigen Anwendung zur Bekleidung 
der Balken und Säulen fchon des griechifchen archaiftifchen Tempels, den eigent- 
lichen Vermittler zwifchen dem alten und neuen Stile und leitet das korinthifche 
Steincapitäl geradezu aus dem Töpferftile ab. 
Nach Italien gelangte die Kunft der vollendeten Töpferei aus Griechenland. 
Eine enorme Verbreitung wurde damit der Thonwaaren-Induftrie gegeben, denn 
das weltbeherrfchende Rom trug diefe Technik nicht allein zurück wieder in den 
Orient, nach Kleinafıen und Egypten, es verpflanzte fie bis an die Küfte der Nord- 
fee, bis in die germanifchen Wälder. Die Töpferfcheibe gibt dem römifchen 
Gefäfse feine Grundform, aber der Plaftiker fetzt mit bildender Hand Henkel 
daran und ein Reliefornament, zu deffen rafcherer Herftellung er fpäter fich d 
gravirten Stempels, der auszudrückenden Form bedient. 
Ift das Werk vollendet und foll es gebrannt werden, fo vergifst der Künftler 
felten, zuletzt noch feinen Namen der weichen Thonmaffe einzuprägen. 
Glafur wird felten gegeben und fcheint nur wenig gelungen gewefen zu 
fein, aber der Luftre römifcher Waaren, wie jener der fogenannten famifchen 
Terracotta, ein reiner, rofenrother, warmer Farbenton, war prächtig und genügte. 
Auch hier findet fich Bemalung, doch nie ein Einbrennen derfelben. In 
der Stilrichtung folgt die römifche Töpferei den griechifchen Formen. 
Aus frühefter Zeit datiren die römifchen Terracotten, welche dem Todten- 
cult gewidmet waren. 
Grofse, farkophagähnliche Afchenbehälter, Ampeln und Lampen, Thränen- 
krüge und Urnen finden fich faft in jedem der geöffneten römifchen Gräber; 
fonftige Terracotten, Darftellung aus dem Thierleben, Figuren und dergl. in vieler 
Exemplaren unter den ausgegrabenen Reften von Pompeji. 
Unterdeffen hat der Ziegelbau fich völlig eingebürgert und der gebrannte, 
künftliche Stein fich feine dauernde und fpäter fo unendliche Wichtigkeit in der 
Baukunft gefichert. Die Conftrudion der Gewölbe wurde neu erfunden, der 
Ziegel decorirt und mit ornamentalen Terracottaftücken vereint zu Bauzwecken 
  
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verwendet. 
Wo die, fiegreich an die Peripherie der damals gekannten Welt vordringen- 
den römifchen Legionen vorübergehend oder dauernd Halt © 
römifche Colonie entftand, dorthin wurde auch die römifche Thonwaaren-Induftrie 
getragen und Ziegeleien gegründet, die das Material zur Befeftigung des ver- 
fchanzten Caftrums gaben. 
So läfst fich beifpielsweite die Entftehung der heutzutage gröfsten Ziegelei 
der Welt, der zu Inzersdorf am Wienerberge, auf die Epoche der Gründung Wiens 
alsrömifches Lager durch die Legionen pia, fidelis und gemina zurückführen. Mannig- 
faltige Gefäfse und römifche Ziegel werden jetzt noch alljährlich bei den fort- 
fchreitenden Abgrabungen dort gefunden und tragen das Zeichen der genannten 
Legionen. 
Es würde trotz der eingehaltenen fkizzenhaften Darftellungsweife dennoch 
zu weit führen, wollten wir hier, von den erften Anfängen beginnend, der Entwick- 
lung und des Aufblühens der alten Thonwaaren-Induftrie bei anderen Culturvölkern 
ebenfo gedenken wie bei den hellenifchen und italienifchen. 
Gewils ift, dafs China fchon lange vor der clafifchen Zeit Thonfiguren mit 
Göttergeftalten modellirte und brannte, dann aber auch in der Gefä 'sbildnerei 
machten, wo 
  
 
	        
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