Full text: F, G, H (4. Band)

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369 Fouthé 
{weren Metallkugel, an einem mindeſtens 20 m. langen Faden aufgehängt 
ſei. Ein Pendel von ſolcher Schwere und Länge kann nämlich, einmal an- 
geſtoßen, tagelang fortſhwingen, ehe es vom Luftwiderftande endlich zur 
Ruhe gebracht wird. Die Säule des zur Aufhängung nöthigen galgen- 
artigen Geſtelles ſtehe (Nr. 2887) unweit des Poles auf dem 90. Meridian 
(von Ferro aus gerechnet) und das Pendel ſhwinge in der Richtung vom 
0. bis zum 180. hin u. her. Bei dieſer Annahme denke ſich der Leſer als 
Beobachter des Pendels an die Säule gelehnt, welche das Pendel trägt. 
Nach Zeit von 6 Stunden iſt nun die Erde mit dem Pendelgeſtell in die 
aus Nr. 2888 erſichtliche Lage gekommen. Die Schwingungsebene des 
Pendels nimmt an dieſer Drehung keinen Theil, ſie bleibt immer dieſelbe 
und die Kugel ſchwingt daher jezt gegen den an die Säule gelehnten Be- 
obachter zu zwiſchen den Meridianen 270° u. 90° hin und her. Nach 
12 Stunden, von der erften Schwingung an, ift die Erde mit dem Pendelge- 
ſtell in die Stellung Nr. 2889, nach 18 Stunden in die Stellung Nr. 2890 
gefommen, nad) 24 Stunden endlich wieder in die Stellung Nr. 2887 
zurückgelangt, ſo daß nad) 12 Stunden das Pendel wegen der Beharrung in 
jeiner Schwingunggebene wieder am Beobachter vorbei, nad) 18 Stunden 
wieder aufihn zu Shwingt. Ir den 24 Stunden aljo, während welcher der 
Beobachter dem Pendel zugeſehen hat, hat fich ſheinbar die Shwingungs- 
ebene deſſelben einmal durch den ganzen Kreis oder durch 360 ° gedreht. 
Scheinbar, ſagen wir, denn die Thatſache ſteht feſt, daß das Pendel immer: 
fort in derſelben Ebene ſhwingt. Wenn ſi< aber die Shwingungs8ebene 
nicht gedreht hat, ſo kann nur die Drehung der Erde ſeine Abweichung 
hervorgebracht haben. Das wird durch das Experiment ganz zweifellos 
bewieſen, wenn man daſſelbe nicht über einem dex Pole, ſondern an irgend 
einem andern Orte anſtellt. Es dreht ſich dann zwar die Pendelebene ſchein- 
bar noch, aber langſamer, weil hier auch der Aufhängungspunkt des Pendels 
einen Theil der Drehung übernimmt, nur um ſo langſamer, je weiter 
man fih vom Pole entfernt. Am Aequator iſt endlich die Drehung der 
Pendelebene geradezu Null. Die Größe der Abweichung läßt fi für 
jeden Breitengrad berechnen, für Leipzig 3. B. braucht die ſcheinbare 
Drehung der Pendelebene durch 360° ungefähr 31 Stunden, in dem noch 
ſüdlicher gelegenen Paris ſhon 32 Stunden u. j. w. Dieſe Betrachtungen 
wurden, wie geſagt, zuerſt von Foucault angeſtellt u. ihre Richtigkeit 
durch den Verſuch mit einem in der Kuppel des Pantheon zu Paris auf- 
gehängten Pendel nachgewieſen. Seitdem hat man den intereſſanten Ver- 
ſuch, bei dem man die Erde fich gleichjam unter der Pendelebene wegdrehen 
fiegt, auch anderwärts vielfach wiederholt. 
Fouché (ſpr. Fuſcheh), Joſeph, Herzog v. Otranto, geb. 29. 
Mai 1763 bei Nantes, war in dieſer Stadt Advokat, als er 1792 
in die Nationalverſammlung gewählt wurde, wo er für des Königs 
Tod ſtimmte. Ende 1793 gehörte er zu den Kommiſſaren, die der 
Wohlfahrtsausihug nach Lyon fandte Zwar trug au<h F. 1794 
zu Robespierre's Sturz bei, ward aber trobdem als ſog. Schre>en8- 
mann im Aug. 1795 aus dem Konvent geſtoßen u. bis zum 4. Brumaire 
(26. Okt.) gefangen gehalten. Jm Sept. 1798 ging er als franz. 
Geſandter bei der Cis8alpiniſchen Republik nad Mailand u. von dort 
zu Anfang des nächſten Jahres in gleicher Eigenſchaft nah Holland. 
Im Juli deſſelben Jahres wurde er zum Polizeiminiſter ernannt. 
Nachdem er zunächſt die politiſchen Klubs geſchloſſen und die Preſſe 
gezügelt, unterſtüßte ex den Staatsſtreih vom 18. Brumaire (9. Nov.) 
u. verftärfte dann die Volizeiherrichaft durch ein ganzes Heer geheimer 
Agenten. Damit ward aber F. au< dem Erſten Konſul hinderlich, ſo 
daß dieſer ihn nach kaiſerliher Belohnung für ſeine Dienſte im Dez. 
1802 entließ. F. war es geweſen, der hinſichtli<h der Hinrichtung des 
Herzogs von Enghien das geflügelte Wort ausgejprochen: „C’est bien 
pis qu’un crime, c’est une faute (das iſt weit ſ{<limmer als ein 
Verbrechen, das iſt ein Fehler)!“ Schon 1804 aber ernannte ihn Na- 
poleon wieder zum Polizeiminiſter; ſpäter machte er ihn zum Grafen 
u. zum Herzog v. Otranto. Da ſi< aber F. dadurch nicht abhalten 
ließ, das Schrankenloſe in Napoleon's Planen zu bekämpfen, ſo fiel er 
beim Kaiſer in Ungnade. Diesmal verbannte dieſer ihn ſogar aus 
Paris u, bediente ſich ſeiner erſt 183 wieder, indem er ihn zur Ueber: 
wachung Murat's nah Rom u. Neapel ſchi>te. Ihm kam der Sturz 
Napoleon'3 nicht unerwartet, wie er auh nah deſſen Rückkehr von 
Elba, da der Kaiſer für ſeine Rathſchläge taub blieb, den Ausgang 
der Dinge vorausſah. F. ſelbſt betrieb die zweite Abdankung Napo- 
leon’s, ſtellte jih an die Spike der Proviſoriſchen Regierung u. ver- 
mittelte die Kapitulation von Paris. Auch von Ludwig XVII. auf 
Wellington's Veranlaſſung zum Polizeiminiſter ernannt, trat er als 
entſchiedener Feind des Ultraroyalismus im Sept. 1815 zurü>, um 
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Foulards — Fouqué 270 
als franz. Geſandter nah Dresden zu gehen. Doch verlor er dieſe 
Stelle dur< das au< ihn betreffende Verbannungsdekret vom 
12. Jan. 1816 gegen die ſog. Königsmörder. Er ſtarb 26. Dez. 1820 
zu Trieſt. Seine „Mémoires“ (Paris 1828—29, 4 Bde. ; deutſch 
von Dambmann, Darmſt.) enthalten authentiſche Mitheilungen. 
Foulards (ſpr. Fulahrs), ſind urſprünglich oſtindiſhe buntgedru>te 
ſeidene Hals - u. Taſchentücher. Gegenwärtig bezeichnet dieſer Name we- 
nigſtens Kleiderſtoffe aus ungezwirnter Rohſeide mit floretſeidenem Schuß 
od. auh ganz aus Seide gewebt, die ſi<h ſhon länger in Gunſt halten, 
dabei aber natürlich einen mannihfachen Wechſel der Druckdeſſins zeigen, 
auch ftreifig, carrirt, einfarbig u. |. w. vorkommen. Sie werden in fran- 
zöſiſchen, engliſchen u. deutſchen Seidenmanufakturen angefertigt. 
Fould (ſpr Fuhl), Achille, franz. Finanzminiſter, geb. 31. Okt. 
1800 zu Paris aus jüd. Familie, war bereits als gewandter Finanz- 
mann (Chef des Bankhauſes F. u. Oppenheim in Paris) bekannt, als 
er 1842 in die Kammer gewählt wurde, wo er ſi< in der Behand- 
lung kommerzieller u. wirthichaftlicher Tragen hervorthat. Nachdem 
er in der Nationalverfammhung u. in der Legislative zur Rechten 
gehalten, übernahm er 1849 in dem vom Prinz Präfidenten gebildeten 
Kabinet das Finanzminifterium, in welcher Stellung er mancherlei 
gefchiekte Operationen zuwege brachte u. die Gründung des Crédik- 
Mobilier anregte. Nach der Konfiskation der Orleans*ſchen Güter im 
Jan. 1852 ſchied er aus der Regierung aus, trat jedoh im Okt. des- 
ſelben Jahres wieder als Staats- u. Hausminiſter ein. Seine Denk- 
rift vom 29. Sept. 1862, in welcher er ſich ſehr ſcharf über die zer- 
rüttete Lage der franz. Staatsfinanzen ausſprach, hatte ſeine Wieder- 
ernennung zum Finanzminiſter zur Folge, als welcher er bis zum 
19. Jan. 1867 thätig war. Seine bewegliche, aber in den Mitteln 
durchaus nicht wähleriſhe Finanzverwaltung war eine Hauptjtüße der 
Politik des zweiten Kaiſerreiches. Er ſtarb 5. Okt. 1867 zu Tarbes. 
Fouqué (ſpr. Fukeh), Heinri<h Auguſt, Baron de la Motte, 
geb. 1698 im Haag, ſtammte aus einer franz. Emigrantenfamilie der 
Normandie u. gehörte zu den geachtetſten Generalen Friedrichs d. Gr. 
während der Schleſiſchen Kriege. Jm Feldzuge von 1760 übertrug der 
König, während er ſelbſt Dresden belagerte, F. die Behauptung Schle- 
ſiens u. die Vertheidigung des Landshuter Paſſes gegen Laudon. F. 
vertheidigte dieſe Stellung auf den ausdrüclichen Befehl des Königs 
gegen die beinahe dreifache Mebermacht in der blutigen Schlacht bei 
Landshut (23. Juni) mit außerordentlichem Heldenmuthe u. trat erſt 
dann, als der Infanterie die Munition ausging, den Nüczug an. Diefer 
aber wurde ſehr gefahrvoll, meil die feindliche Reiterei die Stellung 
bereits umgangen hatte, ſo daß ‘faſt das ganze F.'ſche Corps bei dem 
Verſuche, ſi durchzuſchlagen, aufgerieben wurde od. in Gefangenſchaft 
gerieth. F. ſelbſt ſtürzte ſ<hwer verwundet mit dem Pferde u. gerieth in 
Gefangenſchaft. Nach dem Kriege zum Gouverneur von Glaß u. General 
der Infanterie ernannt, ſtarb er 2. Mai 1774. — Heinrich Karl F-, 
Baron de la Motte, Enkel des Vorigen, geb. 12. Febr. 1777 zu 
Brandenburg, trat 1794 als Kornet in das preuß. Küraſſierregiment 
„Herzog von Weimar“ u. machte den Feldzug gegen Frankreich mit. 
Seine Neigung führte ihn mehr u. mehr zu poetiſcher Beſchäftigung, 
beſonders nachdem er 1802 in Weimar Schiller u. Goethe kennen ge- 
lernt u. fi vom Militärdienſte zurückgezogen hatte. Seitdem lebte 
er, anhaltend mit dichterifchen Arbeiten beſchäftigt, auf feinem Gute 
Nennhauſen bei Rathenow. Später überſiedelte er nach Halle, wo 
er Vorleſungen über Poeſie u. Geſchichte der neueren Zeit hielt. 
Dieſe Thätigkeit ſeßte er au< in Berlin fort, wohin er -1842 durch 
Friedri<h Wilhelm IV. berufen wurde; er ſtarb aber {hon 23. Jan. 
1843 infolge eines Schlagſluſſes. Jn ſeiner Dichtweiſe zeigt fich F. 
ganz von den Jdeen der romantiſchen Schule erfüllt. Seine Werke 
gehören zu dem Lebens- u. Empfindungsvollſten, was die Romantik 
hervorgebracht, u. fanden Anfangs viel Gunſt. Nachdem jedoch die rit- 
terliche Begeiſterung der“ Beſfreiungskriege mit dem Sturze Napoleon's 
verrauſcht war, trat ein Umſhwung im öffentlichen Urtheil ein. Seine 
Werke ſtellten ſi< mehr u. mehr in Gegenſaß zur Zeitſtrömung u. 
waren von feudalsariftofratiichen Tendenzen getragen. Die Stoffe zu 
ſeinen Dramen u. Romanen wählte er theils aus der nordiſchen Sage, 
wie in feiner Trilogie „Der Held’ des Nordens” („Sigurd der 
Swhlangentödter“, Heldenſpiel in 6 Abenteuern, „Sigurd's Rache“, 
gleichfalls in 6 Abenteuern, u. „Aslanga” in 3 Abenteuern), theils 
 
	        
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