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1517 Czermak — Czichaczew
Cziráky 1518
Gebiete machte ex fich durch Einführung einer rationellern Bewirth-
ſchaſtung verdient, da dieſe, wie die von ihm errichteten Fabriken u.
Volks\culen, die Lage der Landbevölkerung ſeines Bezirks weſentlich
heben half. Seit 1867 Vertreter der Stadt Jaroslau im galiz. Land-
tag, ward er hier der Führer dex föderaliſt. Partei in Galizien u. 1873
auch in den öſterr. Neichsrath gewählt. 1861 vermählte ſich der Prinz
mitMarie Czermak, der Tochter eines Wiener Arztes.
Czexmak (ſpr. Tſchécrmak), Jaroslav, böhm. Hiſtorien-u. Genre-
maler, geb. 1. Aug. 1831 in Prag, trat 1847 in die dort. Afademie u.
erregte ſchon durch ſeine erſten Bilder „Marius auf den Ruinen Kar-
thago’8“ u. „Ermordung der BegleiterWallenſtein's“ Auſſehen. Dann
jeßte ex feine Studien in Antwerpen unter®appers u. in Brüſſel unter
Gallait fort, von denen nam. leßterer großen Einfluß auf E. gewann.
Seit feiner Rücfehr entnahm er feine Stoffe meist den Huffitenkriegen,
ipäter verwerthete er feine Reifen nach Kroatien, Dalmatien, die Her-
zegowina u. Montenegro zur Darſtellung von Scenen aus den Volks-
leben, die zum Theil nicht frei von politiſcher Tendenz u. durchweg ſtark
idealiſirt ſind. Von ſeinen hiſtor. Bildern nennen wir: „Huſſiten“
(unter Prokop in das Baſeler Konzil eintretend), „Ziska u. Prokop“
(auf dem Marſche die Bibel leſend), „Lomnißky von Budecz auf der
Prager Brücke“ (1860), „Die bettelnden Hofpoeten Rudolf's II.“,
„Der Ueberfall der Huſſiten“, „Die Gegenreformation in Böhmen“
u. die höchſt wirkung8vollen „Huſſiten vor Naumburg“ (1875); von
feinen bald tief ergreifenden, bald finnlich erregenden nationalen
Genrebildern: „Slowenijche Auswanderer", „Der jterbende Woj-
wode", ‚Montenegrinerin mit ihrem fchlafenden Rinde‘ (1860), „Eine
Herzegowinerin von Bafchi-Bozuf3 geraubt"u., Montenegrinerindvor
einer Höhle Wache haltend“, in der ihr verwundeter Gatte liegt, u. an-
dere Epiſoden aus dem Montenegrinerkriege des J. 1862. Alle dieſe
Bilder, deren leßbtes (1877) eine „Gräuelſcene aus dem leßten ruſſ.-
türk. Kriege! war, ſind von energiſcher Auffaſſung, ſcharfer Charakte-
riſtif der Geſtalten u. glänzendem Kolorit, erheben fich aber nicht zur
wirklich großartigen hiſtoriſchen Darſtellung. Mehrere Jahre hindurch
malte ex auh treffliche Porträts. C. ſtarb zu Paris 23. April 1878.
Czernowiß (ſpr. Tſchernowiß), rutheniſ<h Czernâuz, Hauptſtadt
des öſterr. Herzogthums Bukowina mit 33884 E. (31. Dez. 1869),
liegt in 220 m Seehöhe maleriſh am Pruth, über welchen hier eine
232 m lange Gitterbrücde führt, u. an der Eiſenbahn Lemberg-C.=-
Jaſſy. Die freund!., reinl. Stadt mit neuer grie<h. Domkirche iſt Siß
des Landespräſidenten dex Bukowina, eines Landgerichts u. eines
griech.-orient. Metropoliten, hat eineam 4. Oft. 1875 eröffnete deutſche
Univerſität (Franz Sofefs-Univerfität) mit griech.oriental.=theolog.,
vecht3= u. ftaatSwiffenschaftl. u. philofoph. Fakultät, eine theolog.Lehr-
anſtalt, Obergymnaſium u. Oberrealſchule. Die aus Ruthenen, Deut-
ſchen, Rumänen u. Polen beſtehende gewerbthätige Bevölkerung treibt
Maſchinen-, Bronze- u. Papierfabrikation 2c. u. hat anſehnl. Handel
mit Getreide, Branntwein, Vieh, Holz, Häuten, Wolle 2c. beſ. nah der
Moldau u. nah Beſſarabien. Der in der Nähe gelegene 500 m hohe
Berg Cecina iſt als Fundſtätte von Alterthümern bekannt geworden.
Czexny (ſpr. Tſchérny), Vinzenz, hervorragender Chirurg, geb.
19. Nov. 1842 zu Trautenau, beſuchte das Gymnaſium in Gitſchin u.
ſtudirte darauf Medizin erſt in Prag, dann in Wien, wo er Aſſiſtent
von Arlt, Oppolzer u. Billroth wurde u. ſih na<hgehends als Dozent
der Chirurgie Habilitirte. 1871 wurde er Profeſſor dex Chirurgie u.
Direktor der chirurg. Klinik in Freiburg i. B. u. wirkt ſeit 1877 in
gleicher Stellung in Heidelberg, mit dem Titel Geh. Hofrath. Sein
literar. Hauptwerk ſind die „Beiträge zur operativen Chirurgie“
(Stuttg. 1878). Eine Anzahl von Operationen, wie: Exſtirpation
des Kehlkopfes, des Schlundrohres, der Milz, der Niere, der Gebär-
mutter, die Heilung dex Brüche, daun der Kothfiſteln durch die Darm-
naht 2c., wurden durch ihn weſentlich gefördert.
Czichaczew (\pr.Tſchichatſcheff), Peter, ruſſ. Reiſender u. Publiziſt,
geb. 1822 in Petersburg, beſuchte, nachdem ex bereits 1841—44 als
Attaché bei der ruſſ. Botſchaft in Konſtantinopel ſungirt hatte, dieBerg-
afademie zu Freiberg u. ging von dort nah Berlin, Paris u. London.
St Berlin ließ ex fich durch Alexander v. Humboldt für eine Erfor-
ſchung Kleinaſiens intereſſiren, die er auch ausführte. Er bereiſte 8 J.
Kleinaſien, ging von dort nah England u. lebte dann bis zum Schluſſe
des deutfch-frang. Krieges in Paris; fpäterfiedelteer nach Florenz über.
1877 bereifte er Algerien u. Tunis. Von feinen Werfen erwähnen mir:
„Voyage scientifique dans l’Altai et les parties adjacentes de la
Chine“(28de. 1846) ; „L’Asiemineure, ou description physique
de cette contrée“ (8 Bde.). Ueberdies überſeßte C. ins Franzöſiſche:
„Lord Bacon“ von Liebig u. „Die Vegetation der Erde“ von Griſebach.
C. veröffentlichte auch eine Reihe polit. Schriften: „La Paix de Zu-
rich etle nouveau Congrès européen“; „Nouvelle phase de la
Question d’Orient“; „La Turquie-Mirès“; „I/Italie étudiée
sur les lieux-mêmes“; „Chances de paix et de guerre“; „La
Paix de Paris“ u. „La Paix de Zurich“ wurden in Frankreich ver-
boten, weil fie rücfhaltlos die Politik Napoleon's TIT. bekämpften. —
C. iſt forrefpond. Mitglied des Institut de France, Mitglied der
Berliner, Münchener u. Petersburger Akademie 2c.
Cziráky (ſpr. Ziráki) v. Cziräk u. Dénesfalva, Johann, Graf,
ungar. Staatsmann u. hervorragender Vertreter der konſervativen
Partei, geb. 29. Dez. 1818 in Ofen, beſuchte das Gymnaſium u. die
Univerſität in Peſt, wurde 1839 Vizenotärdes ODedenburger Komitats,
1840 Konzipiſt bei der kgl. ungar. Hoffanzlei, 1842 k. k. Kämmerer,
1843 Hofſekretär, u. auf dem damaligen Landtage zum erſten Male als
Regaliſt in der Magnatentafel erſcheinend, vertrat er mit Entſchieden-
heit die fathol.-kir<l. Anſichten im Gegenſaß zur Staatsſuprematie.
1845 wurde C. Beiſiber der kgl. Tafel aus dem Magnatenſtande(Paro
tabulae) in Peſt u. ging 1847 wieder zum Landtage in Preßburg.
Nach den Märztagen 1848 beſchränkte er ſich auf die Ausübung ſeines
richterlichen Berufes u. blieb, zumeiſt das Präſidium der kgl. Tafel
führend, den damaligen Verhandlungen der Magnatentafel jowie den
ſtürmiſchen Vorgängen jener Zeit gänzlich fern. Nach der Siftirung
der Gerichtsfigungen, die auf die Ermordung des Grafen Lamberg im
Oft. 1848 exfolgte, lebte ex bis Ende Februar 1849 zurückgezogen in
Preßburg, worauf er wieder das Präſidium der kgl. Tafel führte. Po-
litiſhe Miſſionen, mit welchen Fürſt Windiſchgräß ihn betrauen wollte,
lehnte er ab u. übernahm nur die Auſgabe, als kgl. Kommiſſär die Ver-
hältniſſe dex Univerſität in Peſt u. des Joſefspolytehnikums in Ofen
zu regeln, konnte aber wegen Abzugs der kaiſerl. Truppen keine Wirk-
ſamkeit entfalten u. entfernte jich mit den leßteren. Nach dem 14. April
1849 ſtellte C. ſeine Dienſte dex Monarchie zur Verſügung u. wurde
zunächſt Regierungskommiſſär im Wieſelburger Komitat, dann k. k.
Armeekommiſſär bei dem Anfangs vom Feldmarſchallleutnant Baron
Wohlgemuth, ſpäter durch Fürſt FranzLichtenſtein befehligten Armee-
forps u. begleitete daſſelbe von Ung. Altenburg in das Banat. Anfang
Auguſt 1849 zum Diſtrikts-Obergeſpan ernannt, organiſirte C. bis
Ende deſſ. J. die Komitate Preßburg, Wieſelburg, Dedenburgu. Eiſen-
burg, reſignirte aber, als öſterr. Beamte nah Ungarnentſendet wurden.
1850 wurde er zum Ober-Gerichtspräſidenten in Peſt ernannt, welche
Stelle er jedoch wegen Entſendung deutſch-öſterr. Gerichtsbeamten,
Einführung des öſterr. bürger!. Öefeßbuches u. der deutſchen als aus-
\chließlicher Gerichts\ſprache 1854 niederlegte. Erſt unter den Auſpizien
des Oktoberdiploms trat C. wieder ins öffentl. Leben. Damals zum
Oberſt-Landesrichter von Ungarn (Judex Curiae) ernannt, befür-
wortete C. die Wiederherſtellung des geſchlichen Rechtszuſtands unter
gewiſſen Beſchränkungen u. lehnte, da dies niht genehmigt ward, 1861
dieStelle ab; doh übernahm er, zum Obergeſpan ernannt, die Leitung
des Stuhlweißenburger Komitats u. betheiligte ſi in dieſer Eigen-
ſchaft an den Verhandlungen der Magnatentaſel. Bald nah Schluß
des 1861er Landtags wurde C. auf ſein Anſuchen der Leitung des
Stuhlweißenburger Komitats u. 1862 auch der Vbergeſpanswürde
enthoben. 1865 wurde C. zum Oberſtkämmerer u. zum zweiten Prä-
fidenten der Magnatentafel ernannt, welch leztere Eigenſchaft exdurch
drei Reichstagsperioden (9 Jahre) hindurch bekleidete, jpäter auch zum
Reichs-Oberſchaßmeiſter (Tavernicorum Regalium Magister).
C. iſt ſeit 1867 auch Ritter vom goldenen Vließ.
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Ende des Buchſtaben E,