458 Saframentat — Säfularipiele,
Saframental, ein Sakrament bildend, ſolchem
gemäß, unauflöslih, unantaſtbar.
Sakramentalen (lat.), ſoviel wieEideshelfer (\. d.).
Sakramentalien (lat.), in der kath. Kirche ge-
weihte Gegenſtände, wie Weihwaſſer, Öl, Salz, Pal-
men, auch die Beſhwörungen und Segnungen der
Kirche. Sie heißen S., weil ſie den Sakramenten
ähnlich, wenngleich von ihnen durch ihre Wirkung
weſentlich verſchieden ſind.
Saframentarium (lat.), in der römifch=Fath.
Kirche ein liturgiſhes Buch, das nur die bei der Meſſe
vom Prieſter zu ſprehenden Gebete umfaßt. Die
wichtigſten Sakramentarien ſind das ſogen. Sacra-
mentarium Leonianum (hrs8g. von Feltoe, Cam-
bridge 1896), das ſogen. S. Gelasianum (hr8g. von
Wiljon, Oxf. 1894) und das ſogen. S. Gregorianum.
Vgl. Probſt, Die älteſten römiſchen Sakramentarien
und Ordines erklärt (Münſt. 1892).
Saframenteid, joviel wie Teſteid (f. Teftakte).
Saframentierer (neulat.), im Reformationzzeit-
alter lutheriſche Bezeichnung derjenigen Gegner, welche
die wahre und weſentliche Gegenwart des Leibes und
Blutes Chriſti im Abendmahl in Abrede ſtellten.
Saframentshanschen (Tabernalel),einardi-
teftonijch verziertes, meiſt in Geſtalt eines Türmchens
gebildetes Behältnis für die Monſtranz ſamt der
Hoſtie (daher au< Ciborium genannt), das bei den
reichen Formen der Gotik bald von der Mitte des
Altars weg als eigner Bau an der Evangelienſeite
des Altars aufgeſtellt wurde. Die größern Sakra-
mentshäuſer waren aus Stein gemeißelt und wurden
an Pfeiler gelehnt. Das berühmteſte, im reichiten
gotiſchen Stil ausgeführt und 19 m hoch, ein Werk
von Adam Krafft, beſit die Lorenzkirche in Nürnberg.
Andre reich ausgebildete, zum Teil noch höhere befin-
den ſich in der Sebalduskirche daſelbſt, in der obern
Pfarrkirche zu Bamberg, im Münſter zu Ulm, in St.
Severin zu Köln, in der Georgsfirche zu Nördlingen 2c.
Sakramentstag (Festum sacramenti), joviel
wie Fronleichnamsfeſt.
Sakrieren (lat.), heiligen, weihen; fluchen.
Sakrilegiſch (lat.), Heiliges ſhändend, ein Sakri-
fegium (f. d.) enthaltend oder darauf bezüglich.
Safrileginm (lat.), Gottesraub, die Verlegung
oder Berunehrung einer heiligen Sache. Das fatho-
liche Kirchenrecht unterſcheidet ein perſönliches, ört-
liches und ſachliches S., je nachdem eine gottgeweihte
Perſon (Prieſter, Nonne), ein heiliger Ort (Kirche,
Friedhof) oder eine heilige Sache (Sakrament, Reli-
quien, Gefäße) verleßt wird.
Sakriſtei (mittellat. sacristia), in den Kirchen
der Ort, wo die heiligen Bücher und Gerätſchaften
aufbewahrt werden, und wo ſich die Geiſtlichen und
Kirchendiener an= und auskleiden und aufhalten, jo-
fange fie niht fungieren (daher auch Revestiarium
genannt). Safkrtitan, ſoviel wie Küſter, Mesnevr;
in den Domkirchen auch ein zur Aufſicht über die ©.
und das Kirchenperſonal beſtellter Prieſter.
Sakroſánkt (lat.), hochheilig, unverleblich.
Sakrotſchim, Stadt im ruſſiſh-poln. Gouv. War-
hau, Kreis Plonfk, rehts an der Weichſel, mit (1897)
4222 Einw.
Sakrow-Paretzer Kanal, Schiffahrtskanal zur
Abkürzung der Havelwaſſerſtraße zwiſchen Sakrow
und Paret, nördlih von Werder und Potsdam , iſt
16 km lang und hat eine mittlere Tiefe von 1,1 m.
Sakjanl (Salzjtraud), j. Haloxylon.
Säfular (lat.), auf das »Säfulum« (f. d.) be-
züglich; vgl. die folgenden Artikel,
Säfularabt, der vom Landesherrn in den Nieh-
brauch einer Abtei eingejebte Laie.
Säfularänderungen der Schiefe, j. Ekfiptit,
Säfnlare Störungen, Störungen der Vlane-
tenbahnen, die fich in Jahrtauſende umfaſſenden Pe-
rioden wiederholen und daher für längere Zeit alg
gleihmäßig mit der Zeit fortichreitend angeſehen wer-
den können.
Säkulare Verſuche, Verſuche, die ſchr viele Jahre
oder Jahrzehnte in Anſpruch nehmen.
Säkularfeier, »Jahrhundertfeier«, Gedächtnis-
feier für Begebenheiten, die fich vor hundert Jahren
zugetragen, für große Männer, die vor Hundert Jah-
ren geboren wurden oder ſtarben 2c.
Säkulariſation (lat., »Verweltlihung« ; über die
Wortbedeutung vgl. Säkulum), die vom Staat ein-
ſeitig vorgenommene Umtwandlung geiſtlicher Länder,
Güter und Rechte in weltliche. Das Recht hierzu ſuchte
man wohl zuweilen aus dem ſogen. Dominium emi-
nens, d. h. dem Obereigentum des Staates, herzu-
leiten, das ihm das Recht gab, in Fällen höchſter Not
ohne Entſchädigung ſich Privateigentum zuzueignen.
Richtiger iſt es, die S. als einen durch politiſche Ver-
hältniſſe gebotenen Not- und Zwangsakt des Staates
aufzufaſſen. So fand in Deutſchland zur Entſchädi-
gung weltlicher Fürſten eine S. infolge des Weſtfäli-
\chen Friedens\{<hluſſes 1648 ſtatt, auf Grund deſſen
die geiſtlichen Stifter Magdeburg, Halberſtadt, Bre-
men, Minden, Schwerin 2c. in weltliche Länder und
Beſitzungen verwandelt wurden. Die zweite war das
Ergebnis des Lüneviller Friedens vom 9. Febr. 1801,
in deſſen Ausführung der Reichsdeputationshaupt-
ihluß vom 25. Febr. 1803 ergangen ijt. Mit weni-
gen Ausnahmen wurden fäntliche reichSunmittelbare
Güter der katholiſchen Kirche in Deutſchland (23 Bis-
tümer: Brixen, Trient, Salzburg, Eichſtätt, Würz-
burg, Bamberg, Freiſing, Augsburg, Paſſau, Hildes-
heim, Paderborn, Osnabrück, Lübecé, Fulda, Korvei,
Konſtanz, Speyer, Baſel, Straßburg, Mainz, Worms,
Trier und Köln) ſäkulariſiert, und die in den Terri-
torien belegenen mittelbaren Kirchengüter der Dis-
poſition der Landesherren überwieſen. Jn Frankreich
hatte 1789 die Nationalverſammlung ſämtliche Kir-
chengütex für Nationaleigentum erklärt. Das neueſte
Beiſpiel der S. bietet die Annexion des Kirchenſtaates
1870 dar, nachdem ſchon zuvor, 1860, ein Teil des
leßtern und die meiſten Klöſter nebſt deren Gütern
in den damals von Ftalien annektierten Landesteilen
ſäkulariſiert worden waren. | Vgl. Kleinſchmidt,
Die S. von 1803 (Berl. 1878); Scheglmann, Ge-
\chichte der ©. im rechtsrheiniſhen Bayern (Regensb.
1903 — 06, 3 Bde.); Anglade, De la sécularisa-
tion des biens de clerg& sur la Revolution (Bar.
1901). — S. heißt in der katholiſchen Kirche auch die
Verſetzung, bez. Nückkehr einer Ordensperſon in den
weltlihen Stand.
Säkularklerus, |. Weltgeiſtliche.
Säkularkongregation (Congregatio saecula-
ris), |. Kongregation.
Säkularſpiele (Ludi saeculares), ein in Nom
249 v. Chr. auf Geheiß der Sibylliniſchen Bücher ein-
gerichtetes, alle 100 Jahre zu feierndes Sühnefeſt,
bei dem am Altar der Totengötter Dis und Proſer-
pina auf dem ſogen. Tarentum (daher urſprünglich
ludi Tarentini genannt), auf dem Marsfeld in dret
Nächten mit ſ{<hwarzen Tieren geopfert wurde. Durch
Auguſtus wurde 17 v. Chr. die Zeit des Säkulum
auf 110 Jahre feitgefegt und die Feier ſelbſt aus
einer Totenfeier zu dem Eröffnungsfeit eines neuen