Full text: Hautgewebe bis Ionicus (9. Band)

   
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urſprünglichen Reinheit wieder zu beleben. Auch der 
Bau des mit Balkon und Säulen aus Gußeiſen ge- 
ſhmüd>ten Plattnerſchen Hauſes in Nürnberg fällt in 
dieſe Zeit. Unter den außerhalb Bayerns nach ſeinen 
Plänen ausgeführten Bauten zeichnen fich das Lujt- 
\{<loß Reinhardsbrunn, der Ritterſaal in der Feſte 
Koburg, das Schloß Landsberg und die Begräbnis- 
fapelle bei Meiningen, das Schlößchen Roſenburg bei 
Bonn, die Reſtauration des durch Hauffs Erzählung 
berühmten Schloſſes Lichtenſtein, die Kirche zu Sonne- 
berg, die zierliche Kapelle des Schloſſes Rheinſtein bei 
Bingen und die Ritterkapelle in Haßfurt aus. Von 
Heideloffs zahlreichen Schriften ſind hervorzuheben: 
»Die Lehre von den Säulenordnungen« (Nürnb. 
1827); »Der kleine Vignola« (daſ. 1832, 7. Auſl. 
1903); »Die architektoniſhen Glieder, deren Kon- 
ſtruktion, Zuſammenſtellung und Verzierung« (daſ. 
1831, 2 Hefte); »Nürnbergs Baudenkmäler der Vor- 
zeit« (daſ. 1838 — 43, 2. Ausg. 1855); »Die Orna- 
mentik des Mittelalters« (daſ. 1838—52, 24 Hefte). 
Heidels8heim, Stadt im bad. Kreis Karlsruhe, 
Amt Bruchſal, an der Saalbach und der Staatsbahn- 
linie Bruchſal—Bretten, 140 m ü. M., hat eine evan- 
geliſche und eine fath. Kirche, Synagoge, Malzfabrik, 
Lumpenſortieranſtalt, Tabak- und Zichorienbau und 
(1900) 2162 meiſt evang. Einwohner. — H. wird zuerſt 
828 genannt, erſcheint 1307 als Stadt, kam nach der 
Schlacht von Seckenheim (1462) an die Pfalz, wurde 
1689 vom franzöfiihen General Mélac ganz zerſtört 
und fiel 1803 an Baden zurüd. 
Heidemann, Julius, deutſcher Geſchichtsfor- 
ſcher, geb. 20. Juli 1834 in Regenwalde, geſt. 22. 
Juli. 1901 in Berlin, beſchäftigte ſih beſonders mit 
märkiſcher Geſchichte; ſeine bedeutendſten Werke ſind: 
»Die Mark Brandenburg unter Jobſt von Mähren« 
(Berl. 1881) und »Die Reformation in der Mark 
Brandenburg« (daſ. 1889). 
Heidemppr, |. Moor. 
Heiden (Ethnici, Pagani), Gejamtbezeichnung der 
Bekennex andrer Religions - und Kultusformen als 
der monotheiſtiſchen. Nach der herkömmlichen Auf- 
faſſung nannten die Chriſten etwa ſeit der Mitte des 
4. Jahrh. die Anhänger des alten Götterdienſtes pa- 
gani (von pagus, Dorf), weil dieſer als eine Bauern- 
religion nur auf dem Lande noch ein kümmerliches 
Daſein friſtete. Dieſer Etymologie iſt vielleicht die 
andre vorzuziehen, wonad urjprünglich paganus 
(Ziviliſt) im Gegenfage zu miles (nämlich Chriſti, 
Streiter Chriſti) gebildet wurde. Die zum Chriſten- 
tum befehrten Deutjchen übertrugen den Ausdrud in 
ihre Sprache und nannten diegdgendienerischen Nicht- 
chriſten H., Bewohner der Heiden, bei denen ſih auh 
dex altgermaniſche Kult am längſten erhielt. Noch jet 
gibt es trot der Miſſion (ſ. d.) mehr als 800 Mill. H. 
S. die »Religions- und Miſſionskarte der Erde«. 
Heiden, Luft- und Molkenkurort im Bezirk Vor- 
derland des jchweizer. Kantons Appenzell - Außer- 
Rhoden, 811 m ü. M., mit reformierter Kirche, kath. 
Kapelle, Realſchule, Kurhaus, großen Hotels und 
vielen kleinern Gaſthöfen und Penſionen, ſeit 1854 
ſtark beſucht, zählt (1900) 3756 meiſt prot. Einwohner, 
deren Haupterwerbsquellen neben dem Fremdenver- 
ſchr Baumwoll - und Seidenweberei, Stickerei und 
Landwirtſchaft bilden. Seit 1875 führt eine Zahn- 
radbahn von Rorſhah nah H., 5,5 km lang mit 
9 Proz. Steigung. Vgl. Szadrowſky, H. und die 
Rorſchach - Heidener Bahn (2. Aufl. , Zürich 1877). 
Heiden, 1) Feodor, Graf, ruſſ. Militär und 
Staatsmann, geb. 27. Sept. 1821 in Sveaborg 
  
   
   
  
  
  
    
  
  
  
  
  
  
  
   
   
  
  
  
  
  
  
   
  
  
  
  
  
   
  
   
  
  
  
  
  
   
   
  
  
  
  
  
  
  
   
   
  
  
  
  
  
   
  
   
  
  
  
  
  
  
    
   
  
  
  
  
  
  
    
     
Heidelsheim — Heidengebirge. 63 
(Finnland), geſt. 31. Aug. 1900 in Zarskoje Selo, 
diente 1844—47 als Offizier im Kaukaſus mit Aus- 
zeichnung, wurde 1849 Oberſt und Flügeladjutant, 
1855 Generalmajor und befehligte im Krimkrieg die 
Truppen an der kuriſch-liviſhen Küſte. Seit 1861 
Generalleutnant und Generaladjutant, erwarb er fich 
im ruſſiſh= türkiſchen Krieg 1877/78 als Chef des 
Großen Generalſtabs (ſeit 1866) große Verdienſte. 
Als Generalgouverneur von Finnland (1881—97) 
förderte er anfangs die Beſtrebungen der Fennoma- 
nen (\. d.), ging aber Ende der 1880er Jahre ins 
panſlawiſtiſhe Lager über und war, ſeit 1897 auh 
Mitglied des ruſſiſhen Reichsrats, an den Ruſſifizie: 
rungsmaßregeln 1m Großfürſtentum hervorragend 
beteiligt. 
2) Eduard, Agrikulturchemiker, geb. 8. Febr. 1835 
in Greifswald, geſt. 20. Dez. 1888, ſtudierte ſeit 1854 
inGreifswald und Eldena Staatswiſſenſchaſten, dann 
Naturwiſſenſchaften, insbeſ. Agrikulturchemie, wurde 
1857 Aſſiſtent des chemiſchen Laboratoriums der Afa- 
demie in Eldena, ward 1862 an die landwirtſchaft- 
liche Akademie Waldau verjegt und ging von dort 
1867 nach Berlin; 1868 wurde er Vorſtand der Ver- 
ſuchs\ſtation in Pommriß bei Baugen und 1871 zum 
Profeſſor ernannt. Er ſchrieb: »Die Phosphorſäure 
in ihren Beziehungen zur Landwirtſchaft« (Berl. 
1864); »LXehrbuch der Düngerlehre« (Bd. 1 u. 2, 
Stuttg. 1867 —68; 2. Aufl. , Yannov. 1879—87; 
dazu al83. Band: »Statik des Landbaues«, daſ.1871); 
» Leitfaden der geſamten Düngerlehre und Statik des 
Landbaues« (3. Aufl. von Gräfe, daſ. 1892); »Die 
Düngerlehre« (Berl. 1875); »Bericht über die Ar- 
beiten der landwirtſchaftlihen Verſuchsſtation zu 
Pommriy 1868—1869« (Stuttg. 1870); »Die land- 
wirtſchaftlichen Verſuchsſtationen« (2. Aufl., Leipz. 
1874); »Unterſuchungen über die zweckmäßigſte Er- 
nährung des Schweines« (Hannov. 1879); »Die 
menſchlihen Exkremente« (daſ. 1882); »Wie wird 
\{<werer, roher Boden (Neuland) fruchtbar gemacht ?« 
(daſ.1883) ; »Die Verwertung der ſtädtiſchen Fäfalien« 
(mit Müller und v. Langsdorff, daj. 1885). 
Heidenab, Fluß, \. Rab. 
Heidenachtigall, |. Lerche. 
Heidenäker, \. Hochäcker. 
Heidenau, Gemeinde in der jüch]. Kreish. Dres- 
den, Amtsh. Pirna, am Einfluß der Mügliß in die 
Elbe, an dex Staatsbahnlinie Dresden — Bodenbach, 
hat eine Zementwarenfabrik, Dampſſchiſfahrt und 
(1900) 4116 Einw. 
Heidenbeet, j. Hochäder. 
Heidenchrijten heißen im allgemeinen alle aus 
dem Heidentum zum Chriſtentum Ubergetretenen. 
In der Geſchichte des Urchriſtentums nennt man H. 
diejenigen Gläubigen, die, ohne zuerſt Proſelyten des 
Judentums zu werden, vom Apoſtel Paulus als mit 
den Judenchrijten (f. d.) gleichberechtigte Glieder der 
chriſtlichen Gemeinde und Bürger des Gottesreichs 
behandelt wurden. Der Kampf um die Berechtigung 
dieſes Schrittes füllt noh das Leben des Paulus aus, 
während bald nachher die H. ſo ſehr die große Mehr- 
heit bildeten, daß das Judenchriſtentum ſich entweder 
ihnen fügen oder aus der Kirche ausſ\cheiden mußte. 
Heidenelfe, j. Dianthus. 
Heidenen (Heider), j. Zigeuner. 
Heidengebirge, die nad) dem Ausgehenden zu 
gelegenen Teile des Salzgebirges Im Salzkammergut, 
die infolge natürlicher Äuslaugung oder älterer, von 
den heidniſchen (daher der Name) Ureinwohnern be- 
triebenen Gewinnungsarbeiten ſalzarm ſind (\. Haſel- 
  
  
  
 
	        
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