Erstes Kapitel.
Die Wellenstrahlungen.
In diesem Kapitel wollen wir im Zusammenhänge alle jene
Strahlungsarten behandeln, zu deren Erklärung man die Annahme
eines besonderen übertragenden Mediums heranziehen zu müssen
glaubte; denn es ist hier augenscheinlich nicht die gewöhnliche Materie,
wie etwa bei den elastischen und den Schallschwingungen, welche diese
Übertragung übernimmt, da jene Strahlungsarten die ihnen inne
wohnende Energie auch durch das Vakuum hindurch fortzupflanzen
vermögen. Die Materie ändert die Geschwindigkeit dieser Fortpflanzung
in bemerkenswerter Weise, so daß die Übertragungsgeschwindigkeit
in dem von Materie freien Raume als bestimmter Grenzwert erscheint,
den wir wieder gleich der „Lichtgeschwindigkeit c“, also sehr groß
finden werden.
Hierher gehören die Wellenzüge elektromagnetischer Energie (wohl
auch, wenn auch recht ungenau, „Strahlen elektrischer Kraft“ genannt),
die sog. „Wärmestrahlen“, die „Lichtstrahlen“ und die Strahlen von
besonders starker chemischer und sonstiger auslösender Wirkung, die
ultravioletten- und die Röntgen strahlen. Wir werden sehen, daß alle
diese Strahlungsarten durchaus einheitlichen Charakter besitzen, daß
sie durch die Ausbreitung elektromagnetischer Schwingungen (vgl. III,
4 C) mit endlicher Geschwindigkeit zustande kommen, und daß die
sie bedingenden (periodisch mit Zeit und Ort variierenden) Vektoren
senkrecht zu der Fortpflanzungsrichtung stehen, wodurch die ihnen
zugrunde liegende Wellenbewegung als „transversale“ gekennzeichnet
ist (§ 258, S. 296, sowie für das Folgende auch § 738, S. 649,
Fig. 509).
Allein durch die Länge der Wellen und die Natur des Agens,
auf das wir sie wirken lassen, unterscheiden sich diese Strahlungsarten.
Die elektromagnetischen besitzen die längsten Wellen; sie eignen sich
daher zur Einführung in dieses Kapitel am meisten, weil bei ihnen
alle strahlengebenden und strahlenempfangenden Organe so groß aus-
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