Full text: Die strahlende Energie (2. Band, 2. Teil)

Erstes Kapitel. 
Die Wellenstrahlungen. 
In diesem Kapitel wollen wir im Zusammenhänge alle jene 
Strahlungsarten behandeln, zu deren Erklärung man die Annahme 
eines besonderen übertragenden Mediums heranziehen zu müssen 
glaubte; denn es ist hier augenscheinlich nicht die gewöhnliche Materie, 
wie etwa bei den elastischen und den Schallschwingungen, welche diese 
Übertragung übernimmt, da jene Strahlungsarten die ihnen inne 
wohnende Energie auch durch das Vakuum hindurch fortzupflanzen 
vermögen. Die Materie ändert die Geschwindigkeit dieser Fortpflanzung 
in bemerkenswerter Weise, so daß die Übertragungsgeschwindigkeit 
in dem von Materie freien Raume als bestimmter Grenzwert erscheint, 
den wir wieder gleich der „Lichtgeschwindigkeit c“, also sehr groß 
finden werden. 
Hierher gehören die Wellenzüge elektromagnetischer Energie (wohl 
auch, wenn auch recht ungenau, „Strahlen elektrischer Kraft“ genannt), 
die sog. „Wärmestrahlen“, die „Lichtstrahlen“ und die Strahlen von 
besonders starker chemischer und sonstiger auslösender Wirkung, die 
ultravioletten- und die Röntgen strahlen. Wir werden sehen, daß alle 
diese Strahlungsarten durchaus einheitlichen Charakter besitzen, daß 
sie durch die Ausbreitung elektromagnetischer Schwingungen (vgl. III, 
4 C) mit endlicher Geschwindigkeit zustande kommen, und daß die 
sie bedingenden (periodisch mit Zeit und Ort variierenden) Vektoren 
senkrecht zu der Fortpflanzungsrichtung stehen, wodurch die ihnen 
zugrunde liegende Wellenbewegung als „transversale“ gekennzeichnet 
ist (§ 258, S. 296, sowie für das Folgende auch § 738, S. 649, 
Fig. 509). 
Allein durch die Länge der Wellen und die Natur des Agens, 
auf das wir sie wirken lassen, unterscheiden sich diese Strahlungsarten. 
Die elektromagnetischen besitzen die längsten Wellen; sie eignen sich 
daher zur Einführung in dieses Kapitel am meisten, weil bei ihnen 
alle strahlengebenden und strahlenempfangenden Organe so groß aus- 
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