310 PROBLEME DER ARABISCHEN KULTUR
erhebt. Seine Priester unterscheiden sich seelisch wenigstens in
nichts von den christlichen. Proklos, ebenfalls ein echter Kirchen-
vater, empfängt in Träumen Erleuchtungen über eine schwierige
Textstelle und möchte außer Platons Timaios und dem chaldäischen
Orakelbuch, die für ihn kanonisch sind, alle Philosophenschriften
vernichtet sehen. Seine Hymnen, Zeugnisse der Zerknirschung
eines echten Eremiten, flehen Helios und andere Helfer um Schutz
gegen böse Geister an. Hierokles schreibt ein Moralbrevier
für Gläubige der neupythagoräischen Gemeinschaft, das man
genau ansehen muß, um es nicht für christlich zu halten. Der
Bischof Synesios wird von einem neuplatonischen zu einem christ-
lichen Kirchenfürsten, ohne daß eine Bekehrung &tattgefunden
hätte. Er behielt seine Theologie bei und veränderte nur die
Namen. Der Neuplatoniker Asklepiades konnte es unternehmen,
ein großes Werk über die Gleichheit aller Theologien zu schreiben.
Wir besitzen heidnische so gut wie christliche Evangelien und
Heiligenleben. Apollonios hat das Leben des Pythagoras, Marinos
das des Proklos, Damaskios das des Isidoros geschrieben: es
besteht gar kein Unterschied zwischen diesen Schriften, die mit
einem Gebet anfangen und schließen, und christlichen Märtyrer-
akten. Porphyrios bezeichnet als die vier göttlichen Elemente
Glaube, Liebe, Hoffnung und Wahrheit.
Zwischen diesen Kirchen des Westens und Ostens entwickelt
sich, von Edessa aus gesehen nach Süden, die talmudische (die
„Synagoge“) mit aramäischer Schriftsprache. Die Judenchristen
(z. B. Ebioniten und Elkesaiten), Mandäer und Chaldäer waren
nicht imstande, gegen diese großen Gründungen aufzukommen,
wenn man nicht die Kirche Manis als neue Verfassung der chal-
däischen Religion betrachtet. Sie sanken zu Sekten herab, die zahl-
los im Schatten der großen Kirchen dahindämmerten oder in ihren
Verbänden aufgingen, wie die letzten Marcioniten und Montanisten
im Manichäertum. Es gab um 30C außer der heidnischen, christ-
lichen, persischen, jüdischen und manichäischen Kirche keine
magische Religion von Bedeutung mehr.
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Mit der Hochscholastik beginnt seit 200 auch das Streben,
die sichtbare und immer strenger gegliederte Gemeinschaft