Digestoren; Platinkessel u. s. w. 195
Entwickelung von Chlorgas, beschrieben in dessen Chemischen Mitthei-
lungen II. Theil, S.69; E. A. Letts jn Edinburgh einen gläsernen
Digestor, um Substanzen unter Druck zu erhitzen ?2). Derselbe besteht
aus einem gut gekühlten Glascylinder von etwa 600 cbem Inhalt und
!/g Zoll Wandstärke, der an einem Ende geschlossen ist und am ande-
ren in eine Röhre von !/, Zoll Höhlung ausgeht. Auf die Oeffnung |
seh passt eine geschliffene Glasplatte, die durch eine Schraube angepresst N
u wird. Der Cylinder ist von Messinggeflecht umgeben und wird mittels |
ia eines Oelbades erhitzt. Derselbe hat zur Darstellung von Bromessig-
” säure gedient. — Finen sehr gut gearbeiteten Digestor von Guss-
en stahl®), 41 enthaltend, aus dem Etablissement von Fr. Krupp in ı
| Essen, hatte das chemische Laboratorium der polytechnischen |
Schule zu Aachen ausgestellt. — Apparat von T. Bosscha in ı
ee Delft zum Destilliren von Quecksilber *) nach A. Weinhold’s System N
ulg (Carl’s Repert. d. Physik IX, 69), verfertigt von T. Kipp & Sohn li
cum in Delft. Derselbe liefert per Stunde ungefähr 500 g destillirtes Queck-
silber.
Sehr bemerkenswerth war ein grosser Platinkessel zur Concentra-
tion von Schwefelsäure von Johnson, Matthey & Co. in London 5).
Derselbe ist gegen die bisherigen erheblich verändert und muss ohne
Zweifel wesentliche Vorzüge besitzen. Er besteht aus einer länglich-
viereckigen Pfanne, deren Boden stark wellenförmig gebogen ist und
dadurch eine grosse Heizfläche besitzt. Die zu verdampfende Kammer- ul
säure tritt an einem Ende durch einen Zulauf ein, und fliesst am an- 4
deren durch eine in bestimmter Höhe angebrachte Platinröhre, welche
| im Innern bis nahe an den Boden reicht, im concentrirten Zustande ab,
und gelangt in den Kühler. Bei diesem continuirlichen Betrieb bleibt
daher der Kessel stets bis zu derselben Höhe gefüllt. Die grossen Blei-
pfannen für die erste Concentration der Kammersäure, welche starken
Abnutzungen unterworfen sind und Verunreinigungen herbeiführen,
fallen ganz fort. Das Einsetzen der Platinkessel geschieht auf eisernen
Rahmen über einem horizontalen Heizkanal; ihre obere Oeffnung wird
durch einen Platinhelm geschlossen. Die Vorzüge dieser neuen Appa-
rate gegenüber den früheren bestehen in rascherer Verdampfung, höhe-
rem Grad von Reinheit der Säure und grösserer Haltbarkeit. — Von
derselben Firma war ferner ein Ofen zum Schmelzen von Platin nach
Deville’s Verfahren ausgestellt, bestehend aus zwei übereinander
gelegten und inwendig ausgehöhlten Scheiben (Durchmesser ungefähr
35cm) von gebranntem Kalk, welche an der Peripherie von eisernen
Bändern gehalten werden. Der grosse eiserne Knallgasbrenner war
durch eine in der oberen Scheibe befindliche centrale Oeffnung einge-
hy
!) Nr. 3385. 2) Nr. 3944. 3) Nr. 3371. #) Nr. 3473. 5) Nr. 3630.