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Anhang.
Prüfung unserer Lriangelkette gemacht
hatte. Die Messung der letzteren war
zwar eine Arbeit von mehr als zwei vol
len Monaten; dafür übertraf das Ergeb
niß aber auch unsere kühnsten Erwar
tungen. Unsere Bergspitzcn bildeten mit
dem Kirchthurme zu Tornea, dem süd
lich enEndpuncte des zu messenden Ber
ges, eine geschlossene Figur, in welcher
der Horrilakero eine Art von Centrum
abgab, wo die Triangel zusammenliefen,
in welche sie zerfiel. In der Nahe des
Centrums hatten wir die Vortheilhafteste
Lage zur Messung unserer Basis ausge-
mittelt: sie sollte, nach Eintritte des Fro
stes, auf dem Eise der Tornea-Elf, die
sich allda (zwischen dem Avasara und
Cuitaperi), angeführtcrmaßen, zu einem
See ausbreitet, also auf der möglichst
ebenen Flache genommen werden, und ihre
verhältnißmäßig außerordentliche Länge
ließ uns eine große Genauigkeit in den
linearen Bestimmungen erwarten.
Die unerwartet glückliche Wendung,
welche sonach der trigonometrische
Theil unseres Geschäftes bis daher ge
nommen hatte, erfüllte uns mit Muth
zur Beginnung des astronomischen. Ich
sage nichts von der unsäglichen Mühe,
welche es uns kostete, unseren Sector
auf den Gipfel des Kittis zu schaffen;
genug, er ward aufgestellt, und unsere
Beobachtungen begannen mit dem 1. Oc-
tober, konnten aber erst nach der Mitte
des Monats beendiget werden. Unterdeß
hatten wir aber schon am 19. Septem
ber Eis, und am 21. den ersten Schnee
gehabt ; der Strom war im October schon
an mehreren Stellen leicht gefroren, und
wir mußten uns am 23. zur unverzüg
lichen Einschiffung entschließen, wenn wir
sie nicht überhaupt unmöglich machen
wollten; hatten auch daß Glück, am 28.
zu Tornea anzulangen, wo man uns
mit der Versicherung empfing, daß das
Wasser, seit Mcnschen-Gedcnken, nicht so
lange offen gewesen sey. Unser Sector
ward nun unverzüglich auch hier aufge
stellt und die Beobachtungen wurden wie
derholt. Jetzt handelte es sich also noch
darum, auf dem Strome, wenn er hin
reichend fest zugefroren seyn würde, eine
Lange von beiläufig 1*/2 Meile mit der
Kette zu übermesscn; allein dieß sollte
in Lappland geschehen, wo die Kälte in
wenigen Tagen unerträglich zu werden
drohete.
Unterdeß trat am 1. November auch
wirklich schon ein heftiger Frost ein, so
daß der ganze Strom glatt zufror, und
die noch vor wenigen Tagen mit Schaa-
ren von Wasservögeln bedeckten Gewäs
ser in ein Eisfeld verwandelt wurden;
zugleich fiel aber ein mannshoher Schnee,
der unserm Unternehmen sehr hinderlich
zu werden drohete. Da aber an keine
Aenderung zu denken war, so machten
wir uns endlich am 10. December aus
den Weg nach Oefwep-Tornea, in der
Nähe unserer Basis, um zu versuchen,
ob die Messung nicht aus dem Schnee
auszuführen seyn möchte; kamen aber
mit den Vorbereitungen erst am 20. zu
Stande.
Es war Freitag, den 21. December
des Jahres 1736 , gerade am Winter-
Solstitio, einem, für eine solche Unter
nehmung in diesen Gegenden gewiß höchst
merkwürdigen Tage, als wir uns, Mor
gens 11 Uhr, ans der Wohnung des
Predigers zu Oefwer - Tornea aufmach
ten, um unsere Arbeit anzufangen. Kaum
daß die Sonne in dieser Jahreszeit und
Gegend, um die Mittagsstunde, für ge
ringe Zeit, aufgeht: aber die langen
Dämmerungen, der Schneeglanz und die
fast ununterbrochenen Nord - Lichte ge
währten uns doch eine hinreichende Hel
ligkeit, um täglich vier bis fünf Stun
den arbeiten zu können. Wir theilten uns
gleich Anfangs in zwei Abtheilungen, de
ren jede die nämliche Arbeit, abgesondert
von der andern, ausführen sollte, um so
die höchstmögliche Genauigkeit zu erlan
gen. Von den unsäglichen Beschwerlich
keiten und Gefahren, die wir dabei zu
ertragen hatten, will ich nur anführen,
daß der stärkste Branntwein, bei dieser
unerträglichen Kälte, kaum flüssig zu er
halten war, und daß das Glas an die
Lippen anfror, in dem Augenblicke, da
man es an dcn Mund setzte. Indeß rückte
unsere Arbeit doch vorwärts: es waren
am 27. December nur etwa 500 Toisen
(Klafter — 6 Fuß) zu messen übrig,
zu deren Absteckung sich drei meiner Ge
fährten vereinigten, indeß ich mich zu
einem nochmaligen Abstechen nach dem
Avasara gezwungen sah.
Als nämlich von diesem Berge auS der